Heute hat mich der insgesamt (seit dem verhängnisvollen Spiel vor fast einer Woche) siebte Leser angerufen, um mit mir über die Gründe zu sprechen, warum die deutsche Mannschaft schon in der Vorrunde der Weltmeisterschaft in Russland ausgeschieden ist. Auch dieser Mann wollte nicht auf meinen Vorschlag eingehen, dass ich ihn doch besser mit einem Kollegen aus dem Ressort Sport verbinden sollte, weil mir der notwendige Sachverstand fehlen würde. Warum ich diesen Anrufe überhaupt erwähne, ist die Tatsache, dass er für seine Analyse des Scheiterns nur einen einzigen Satz benötigte: "Zu alt, zu langsam und viel zu viel auf nur Ballbesitz bedacht." Ob der Anrufer damit richtig liegt, mögen andere entscheiden, ich halte mich daraus. Allerdings möchte ich in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen, dass ich ein neues sächsische Wort gelernt habe, was vielleicht verwundern mag, weil ich nun doch schon fast 25 Jahre in dieser Region lebe, aber diesen Ausdruck hatte ich tatsächlich noch nie gehört. Ohne weitere Erläuterung zitiere ich den Leser, der Begriff dürfte sich von selbst in den Vordergrund drängen: "Das Spiel Frankreich gegen Argentinien war für mich das bisher schönste. Kämpferich bis zur letzten Minute, von beiden Seiten stets sehr guter Spielaufbau und kein ständiges Geplauze." Mein Problem aber ist dies: Was muss ich mir darunter vorstellen? Ist das schon die Konjugation oder Substantivierung des Infinitivs "plauzen"? Und gibt es davon auch die Passivform? Der Duden kennt das Wort und bietet knallen, donnern und krachen als Synonyme an. Beim Fußball? Fragen über Fragen, aber ich bin guter Dinge, weil ich bereits seit Jahren das Verb "schnurpsen" in mein Vokabular aufgenommen habe. Man erinnere sich: "Tut mir leid, aber ich schnurpse gerade einen Apfel", sagte ein Leser, nachdem er mir etwa eine Minute zugehört hatte, weil ich ihm erklären durfte, was ein Leitartikel ist, und ich seine Antwort auf meine Frage, ob ich sonst noch etwas für ihn tun kann, nicht verstanden hatte angesichts seiner undeutlichen Aussprache. Also gut, ich gebe zu, dass ich eine Liste habe mit solchen Wörtern, die ich toll finde, weil sie so einen besonderen Charme versprühen hinsichtlich ihrer Verwendung durch die Menschen hier in der Region: Nach "schnurpsen" folgt "mumpeln" auf Platz zwei und "geigeln" auf Platz drei. Noch Fragen? Ich hätte noch eine: Gibt es eine mundartliche Alternative für "Liebesspiel"? Warum ich das wissen möchte? Das war heute zwischen zehn und zwölf tatsächlich mal ein Thema, nicht die Frage nach dem sächsischen Wort dafür, sondern eher so allgemein; mehr möchte ich dazu aber nicht verraten und bitte um Verständnis.

Vergessen aber möchte ich nicht, dass ein Leser mich heute darauf aufmerksam gemacht hat, dass bei der Fotonachricht "Die Augen rechts!" heute auf der Seite Politik ein feines, aber lustiges Details zu entdecken war. Das Suchbild der Woche:

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