Ist das schön oder kann das weg?

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Schon immer hatte ich ein gestörtes Verhältnis zu Unkraut, was in erster Linie daran liegt, dass ich es nicht als solches erkenne und deshalb niemals auf die Idee käme, eine Pflanze nur deshalb dem Boden zu entreißen, weil ich der Ansicht bin, dass es sich um ein verzichtbares oder sogar schädliches Gewächs handelt. Dass ich mir mit dieser Haltung selbst einen großen Gefallen tue und daran auch garantiert nichts ändern werde, weiß ich nicht zuletzt seit heute mit - die bei Journalisten beliebte Formulierung sei mir verziehen - an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, weil ich mir im Netz viele Fotos des Drüsigen Springkrauts angeschaut habe und zu der Überzeugung gelangt bin, dass es sich um eine wunderschön blühende Pflanze handelt. Dass ich damit bei den Experten (für Unkraut) auf Widerspruch stoßen dürfte und auf wenig Verständnis für meine Einstellung hoffen darf, weiß ich gleichfalls seit ein paar Stunden, denn bei dem Drüsigen Springkraut handelt es sich, wie ein Leser mir mitgeteilt hat, um ein Neophyt, also um eine Pflanzengattung, die dort wächst, weil der Mensch es zugelassen oder sogar gewollt hat, wo sie gar nicht heimisch ist und auf diese Weise den tatsächlich dort vorgesehenen Gewächsen schadet, also auf den Prunkt gebracht, wenn ich das richtig sehe: Das Drüsige Springkraut ist Unkraut und gehört beseitigt. Der Leser hatte sich deshalb bei mir gemeldet, weil er die Pflanze in einem seiner Ansicht nach nicht mehr zu vertretendem Umfang an einem Bachlauf ausgemacht hat und nun die zuständige Behörde in der Pflicht sieht, es zu entfernen und den vermeintlichen natürlichen Zustand wiederherzustellen. Sollen sich meine Kollegen doch darum kümmern, habe ich gedacht, und bei der zuständigen Behörde einmal nachfragen, ob man wegen des Drüsigen Springkrauts die Unkrautvernichter in die Spur schickt oder die Natur sich selbst überlässt. Bevor die Gartenfreunde jetzt über mich herfallen, weil sie die Zierde ihres geliebten Hobbys diskreditiert sehen, möchte ich ihnen versichern: Auf seinem eigenen Grundstück kann jeder machen, was er will, und Unkraut zupfen, bis alle Kanten gerade sind und nichts mehr die Idylle trübt, solange sie dabei nur mechanisch zu Werke gehen und nicht zur chemischen Keule greifen, denn kann auch ich giftig werden. Einen schönen Tag noch ...

Weitere Blog-Einträge