Manchmal wünschte ich mir, um das Thema von gestern noch aufzugreifen, einen Zauberstab, den ich nur einmal durch die Luft sausen lassen müsse, und schon wären die Gedankengänge mancher Leser, die mir ihre Haltung zu einem Artikel mitgeteilt haben, kein unergründliches Mysterium mehr für mich. Wie beispielsweise bei diesem Fall. Ein Mann meinte, nachdem er die Nachricht "Papst warnt vor Atomkrieg" gelesen hatte: "Es ist ja imm wieder mehr oder weniger gut gegangen. Schüsse vor den Bug gab es genügend, daraus gelernt wurde nichts. Es ist ein Wunder, dass wir noch da sind, aber diese Spezies diskutiert wahrscheinlich noch im Himmel oder der Hölle darüber, wer recht hatte und wer nicht." Mehr nicht, das waren seine Worte, von denen ich nicht die Spur einer Ahnung habe, was der Mann damit zum Ausdruck bringen wollte.

Bei diesen Hinweisen habe ich auch nach langen Überlegungen nicht wirklich herausbekommen, warum mir der Leser dies mitgeteilt hat. Mit dem Verweis auf die Nachricht "Das Leben in Sachsen hat sich verteuert", in dem darüber informiert wurde, dass 2017 gegenüber dem Vorjahr die Inflation bei 1,9,Prozent lag, meinte er: "Ganz so harmlos ist die Teuerungsrat aber leider nicht. Ich würde eher an die 400 Prozent denken. Die Löhne wurden damals sorgfältig in Euro umgerechnet, die Preise jedoch haben leider das Niveau der einstigen Mark erreicht, nur jetzt in Euro. So kostet heute beispielsweise ein Büchlein mit lächerlichen 200 Seiten gleich mal 20 Euro, wäre ein Roman mit reichlich 1000 Seiten wie beispielsweise von Ken Follett so locker mal fast 40 Euro kostet, was umgerechnet fast 80 Mark gewesen wären. Hätte dies einst jemand verlangt, wäre ihm mit Sicherheit die Gewerbeaufsicht aufs Dach gestiegen." Mir nicht erschlossen hat sich, was die Konsequenzen der Einführung des Euro mit der Inflationsrate zu tun hat.

Noch ein Beispiel für Momente, in denen ich mir übernatürliche Gedankenkräfte gewünscht habe: Ein Mann meinte mir mitteilen zu müssen, nachdem er die Nachricht "Verfügung gegen AfD-Mann gelesen und dabei erfahren hatte, dass der Politiker Jena Maier in einem Tweet kürzlich Noah Becker als "kleinen Halbneger" bezeichnet und dafür nun auch strafrechtlichen Schritten zu rechnen habe: "Auch finde ich es unmöglich, dass plötzlich die traditionellen Festlichkeiten der Deutschen anders benannt werden, denn vor kurzem hatte ein Radiosprecher von einem Wintermarkt gesprochen, obwohl es in dem Bericht eindeutig um einen Weihnachtsmarkt ging." Habe ich etwas verpasst und steht das Wort "Weihnachten" nun auf irgendeinem Index?

Nun noch ein letzter Fall, bei dem ich zunächst gleichfalls vollkommen verwirrt war angesichts des Hinweises, dessen Bedeutung ich dann aber zum Glück aufklären konnte, was mich in meiner Einstellung bestärkt hat, das eine oder andere Mal der Sache auf den Grund zu gehen kann mitunter dazu beitragen, dass ich bei meiner Arbeit die heitere Gelassenheit doch nicht so ganz häufig aus den Augen verliere. Ein Anrufer meinte, nachdem er das Interview "Der Neue nach Lehrers Liebling" mit dem neuen sächsischen Kultusminister Christian Piwarz gelesen hatte: "Der Begriff kommt aus der Botanik, und man spricht von grundständigen Pflanzen, deren Blätter oft dicht gedrängt und in einer Rosette angeordnet unmittelbar über dem Boden wachsen." Es hat etwas gedauert, aber dann habe ich den Satz doch noch gefunden, der dem Mann in der Leitung in die Nase gefahren war: "Einerseits müssen wir wieder genügend neue grundständig ausgebildete Lehrer bekommen. Andererseits müssen wir Maßnahmen ergreifen für unsere Lehrer im System." Ganz ehrlich? Ich hatte von diesem Wort "grundständig" auch noch nie gehört, doch mithilfe der Suchmaschine dann doch noch eine Erklärung gefunden und mich selbst beruhigen können, weil ich sicher sein konnte, dass der Hinweis auf die Pflanzenwelt völlig unnötig gewesen war. Bei "Wikipedia" las ich: "Als grundständiges Studium werden Studiengänge bezeichnet, die zu einem ersten Hochschulabschluss führen."

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