Leider kann es sein, dass "Freie Presse" einen regelmäßigen Leser verliert, weil der Mann von mir enttäuscht war, weil ich ihm nicht helfen konnte oder (aus seiner Perspektive betrachtet) nicht helfen wollte. "Ich brauche mal diese Telefonnummer", hatte er zu Beginn der Unterhaltung gesagt und hinzugefügt, dass doch ansonsten so viel "überflüssiges Zeug" in der Zeitung steht, so dass er doch eigentlich davon ausgehen könne, dass eine solch wichtige Telefonnummer im Blatt stehe. Weil ich niemanden vor den Kopf stoßen möchte und deshalb immer versuche, auch vermeintlich nicht ganz so freundlich auftretenden Anrufern zu helfen, wollte ich die Suchmaschine im Netz bemühen, um herauszugekommen, wen der Leser anrufen kann, um am Folgetag einen Krankentransport für sich zu organisieren. Das habe ich aber nicht geschafft, weil es einfach viel zu viele Treffer gab und ich mich durch eine lange Liste von Links hätte klicken müssen, um möglichweise eine Telefonnummer zu finden, die der Mann anrufen kann, um sein Problem zu lösen. Also kam mir diese Idee: "Rufen Sie doch einfach mal ihren Hausarzt an, denn dort wird es ganz bestimmt jemanden geben, der häufiger einen Krankentransport organisieren muss, weshalb er ganz bestimmt auch eine Telefonnummer für Sie hat." Das war eindeutig die falsche Reaktion, aber vor allem eine, die das Ende der Unterhaltung einleitete, nachdem der Mann der "Freien Presse" noch die Qualität eines Blattes bescheinigte, dessen Bezeichnung aus der Fleisch verarbeitenden Industrie stammt.

Dann habe ich da noch einen weiteren Leser verprellen müssen. Denn auch ihm konnte ich leider nicht die gewünschte Telefonnummer beschaffen. Er gehörte zu den insgesamt fünf Anrufern, die bei mir vorstellig geworden waren, nachdem sie auf der Seite "Zeitgeschehen" den Artikel die "Die Selbstversorger" gelesen hatten und nun unbedingt mit der Familie Schimmel in Verbindung treten wollten. Über den Autor der Reportage hatte ich erfahren, dass diese sich selbst mit Lebensmitteln versorgenden Leute gern mit Anderen über ihre Erfahrungen sprechen würden, aber um Verständnis gebeten hatten, dass sie den Kontakt nicht über das Telefon herstellen wollten, sondern über das Internet; die Mailadresse von der Familie hat mir der Korrespondent der Nachrichtenagentur gegeben, und ich durfte sie auch weitergeben. Vier Leser waren glücklich, weil sie sich nun mit dieser Familie in Kontakt treten können. Nur ein Mann war sauer: "Ich habe kein Internet, denn darum geht es mir doch gerade, dass ich auf diesen ganzen digitalen Kram verzichten möchte. Beschaffen Sie mir einfach die Telefonnummer", formulierte er seinen Auftrag an mich. Meine Weigerung formulierte ich mit diesen Worten: "Nein, man muss den Wunsch dieser Familie nach dem Erhalt ihrer Privatsphäre respektieren. Sie werden doch in ihrem Verwandten- oder Bekanntenkreis jemanden haben, der mal eine Mail für sie schreiben kann." Die Verwünschungen, die ich daraufhin von dem Mann zu hören bekam, gipfelten in einer Ankündigung: "Ich werde mich über Sie beschweren, so lass ich nicht mit mir umgehen." 

Beschließen möchte ich diesen Blogeintrag damit: "Ich hätte gern die Handynummer von ..., kann mir da jemand helfen?" Warum ich den Namen nicht geschrieben habe? Ganz einfach: Ich habe (leider) die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen, die sich an die DDR-Zeit noch gut erinnern können, ein Problem mit der zweifachen Olympiasiegerin im Eiskunstlauf haben; ich habe keins, vielmehr möchte ich sie gern ...

Weitere Blog-Einträge