Lieber Klöße oder Bratkartoffel?

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Manche Kommentare von Lesern am Telefon würde ich am liebsten einrahmen und an die Wand hängen, vor allem denn, wenn es dabei um meine Kolumne auf der Seite "Leserforum" geht, wie in diesem Fall, wobei ich betonen möchte, dass die Frau in der Leitung ausdrücklich betont hat, dass mir nur diesen Satz sagen möchte, bevor sie sich schon wieder von mir verabschiedet hat: "Fragen Sie die Leute doch beim nächsten Mal, wenn sie sich wieder einmal über die Auswahl der Themen beschweren, ob sie in der Gaststätte den Wirt auch fragen würden, warum er Klöße als Beilage auf der Speisekarte hat, obwohl sie selbst doch immer Bratkartoffel verlangen würden." Damit des Guten nicht zu viel ist, schiebe ich aber sofort mal den Hinweis nach, dass gestern und heute drei Leute mich darüber belehrt haben, wie verwerflich sie es finden, dass die Zeitung den 1. September als einen der wichtigsten Tage in der deutschen Geschichte nicht bedacht und erinnert hat an das, was unser Land erleben musste, ein Leser meinte: "Ihre Ignoranz übersteigt alle Formen der Verantwortung und des Anstandes, Sie haben keine Lehren aus der Vergangenheit gezogen, es ist einfach erschreckend." Wirklich große Sorgen würde ich mir machen, was ich versucht habe, dem Mann zu erklären, wenn es Zeitgenossen gibt, denen ich an dieser Stelle erläutern müsste, welche Rolle der 1. September in unserer Geschichte gespielt hat, ist da draußen vielleicht sogar jemand, der das nicht weiß? Gefühlt zum hundertsten Mal in den vergangenen Wochen bin ich fast verzweifelt bei dem Versuch, mit Anrufern darüber zu reden, dass Kunst nun einmal Ansichtssache ist und jeder darunter verstehen kann, was er gern möchte, denn sich bei mir gemeldet hatten sie sich alle wegen des im Chemnitzer Schlossteich versenkten Autos innerhalb der Freilichtausstellung "Gegenwarten". Meine mich belastende Ohnmacht war aber nicht das Resultat der vergeblichen Bemühungen, um Verständnis für moderne Kunst zu werben, sondern eine Folge davon, dass ich bei allen Unterhaltungen ein Beispiel angeführt habe, dieses nämlich: "Ein der berühmten Fettecken von Joseph Beuys ist einmal von einem Hausmeister entsorgt worden, auch eine seiner mit Heftpflastern und Müllbinden versehene Badewanne ist nach einer Party als Folge des Versuchs, Gläser darin zu spülen, als Kunstwerk zerstört worden. Also verstehe ich, dass Kunst durchaus für Irritationen sorgen kann." Was mich verzweifeln lässt? Es war immer die gleiche Reaktion: "Wer ist Joseph Beuys?" 

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