In den vergangenen Tagen habe ich häufiger gedacht, dass es langsam Zeit wird für den Frühling und für die längeren Tage sowie die damit verbundene Möglichkeit, dass die Leute wieder raus in die Natur und in ihre Gärten dürfen, um sich wohler zu fühlen und den Winter-"Blues" von sich abschütteln zu können. Warum? Ganz einfach: Aus Erfahrung weiß ich, dass auch die Leser der Zeitung dann wesentlich entspannter durchs Leben gehen und mich viel öfter auch mal anrufen, weil ihnen etwas auf der Seele liegt, was dem Dasein (als Mensch und als Leserobmann) auch mal eine eher heitere Note abgewinnen könnte. Hier also meine Randnotizen aus den Protokollen zum Wochenausklang mit der Bitte um Nachsicht, weil das Leben nun mal kein Wunschkonzert ist:

Episode 1: Dass ich es täglich im Durchschnitt bei drei Gesprächen um den Klimawandel beziehungsweise -schutz geht, dürfte eigentlich niemanden verwundern, denn seit "Fridays for Future" gibt es kaum ein anderes Thema, dass so stark polarisiert. Für die inhaltliche Qualität dessen, was ich zu hören bekomme, zumal ich schon vor Tagen aufhört habe, darüber zu diskutieren, und nur noch zuhöre, möge dieses Beispiel dienen: "Das Klima kann man nicht schützen", meinte der Mann und fügte hinzu, dass niemand eine Veränderung des Klimas über Jahrzehnte voraussagen kann, weil ja nicht einmal eine Wetterprognose über 14 Tage möglich sei. Dann hörte ich noch dies: "Eine spürbare Katastrophe mit globaler Auswirkung war in der jüngeren Geschichte der Erde einzig der Ausbruch des Vulkans Tambora im April 1815." 

Episode 2: Im Gegensatz dazu empfand ich das, was ein anderer Leser mir zum Thema "Weltverbesserung" als sein "Fischgeschäftserlebnis" mitteilte, nahezu wohltuend und entspannend. Ich lasse es mal für sich sprechen: "Bisher wurde mit einer Schöpfkelle die Suppe aus dem Kochtopf in mein Kochgeschirr umgefüllt. Das ist aber neuerdings nicht mehr möglich. Jetzt muss die Suppe in einen Plastebehälter gefüllt werden, der mir dann über den Ladentisch gereicht wird, damit ich sie in mein Kochgeschirr umfüllen kann. Den Plastebehälter darf ich dann als Plastemüll entsorgen. Bei dieser Praxis verstehe ich die aufgezeigten Aktivitäten nicht mehr. Sie kommen mir einfach scheinheilig vor. Mich als Verbraucher interessieren weniger die weltumspannenden Lösungsvorschläge, sondern die kleinen Aufmerksamkeiten, die in der Summe doch echte Verbesserungen bewirken können."

Episode 3: Dann habe ich noch von einem kleinen Jubiläum zu berichten, es ist aber ein unrühmliches und hat dazu geführt, dass ich im Gegensatz zu meinem Plan für diesen Tag doch noch eine neue Tafel Schokolade anbrechen musste. Zum zehnten Mal in den fast neun Jahren als Leserobmann hat mich ein Leser am Telefon ein (...) genannt. Nun denn, da ich das Wort nicht schreiben möchte, komme ich aus dieser Zwickmühle, dass man diesen Hinweis sonst gar nicht versteht, nur so heraus, dass ich Joschka Fischer um Hilfe bitte. In einer Sitzung des Deutschen Bundestages am 18. Oktober 1984 sagte er: "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein ..."