Völlig unvorbereitet hat es mich getroffen und eine Schwermut in mir ausgelöst, die ich erst viele Stunden später überwinden konnte, als ich mit meinem Rennrad durch die Landschaft düste und mir vor Augen halten und somit auch beweisen konnte, dass es wirklich keinen Grund gibt, deswegen in Melancholie zu verfallen. Passiert ist mir dies: Ich habe in der Apotheke eine Packung Aspirintabletten gekauft, als mich die Verkäuferin anschaute, etwas in ihre Kasse tippte und sagte: "Ich ziehe Ihnen mal 20 Prozent vom Preis ab." Offenbar war mein Blick ein höchst zweifelnder angesichts dieser Ersparnis von fast zwei Euro, denn sie fügte hinzu und stürzte mich damit in eine (kurzzeitige) Existenzkrise: "Seniorenrabatt". Warum ich das erzähle? Darum: Am selben Tag war nämlich in der Zeitung der Artikel mit der Überschrift "Apotheken-Geschenke sind jetzt tabu" zu lesen, in dem es darum ging, dass als Folge eines BGH-Urteiles jetzt Schluss ist mit Rabattmarken und kostenlosen Taschentüchern bei Arznei auf Rezept. Anschließend sind mir eine Menge höchst kritischer Gedanken dazu gekommen, und ich habe mir überlegt, ob zum einen sich Leser deswegen bei mir melden werden, weil sie genug haben von solch staatlicher Regulierung, und ob zum anderen jemand unter den Anrufern ist, der das genauso sieht wie ich, weshalb ich ruhigen Gewissens daraus einen Blogeintrag machen kann, ohne aus meinem Herzen eine Mördergrube machen zu müssen. Lange Rede, kurzer Sinn: Eine Leserin hat meiner Ansicht nach den Finger genau dort in die Wunde gelegt, wo es den Hütern solcher Bürokratie besonders wehtun dürfte, weshalb ich mir jetzt die Mühe spare, eigene Sätze dazu zu formulieren, sondern die Frau einfach vollständig zitiere. Das hat sie mir mitgeteilt:

"Also jetzt bin ich fertig mit der Welt. Ich hatte mich so auf mein neues kostenloses Päckchen Papiertaschentücher gefreut. Mein altes habe ich mir so sehr eingeteilt, aber irgendwann ist es alle. Ich hatte schon alles geplant: von der Hausärztin das Rezept eines Blutdruck senkenden Mittels ausstellen lassen. Den Fahrplan studieren und prüfen, wann der Bus fährt,  zu der Apotheke meines Vertrauens fahren - nur dort erhalte ich Papiertaschentücher, ungefähr alle zwei Jahre - und ich wäre selig gewesen . Habe ich doch, ich verrate es gern, sogar schon einmal ein Tütchen mit fünf  winzigen Gummibärchen erhalten. Dieses bewahre ich noch heute auf, um mich daran zu erinnern, wie generös Apotheken sein können. Also sollte ich mich wegen Bestechlichkeit verantworten und haftbar sein müssen, weil ich mein Pflaster dort gekauft habe mit dem Hintergedanken, eventuell etwas geschenkt zu bekommen - die Gummibärchen sind noch da. Und nun? Alles vorbei. Keine Papiertaschentücher mehr, kein einziges  kleines Gummibärchen mehr - nichts, einfach nichts. Ich bin fertig mit der Welt."

Gudrun W.

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