Wie an (fast) jedem Freitag folgen nun meine Randnotizen aus den Protokollen der Gespräche mit Lesern zwischen zehn und zwölf, und ich möchte noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen (siehe auch Blogeintrag "Immer wieder gern: Mich stört ..." von gestern), dass auch diese Meinungen von Lesern tatsächlich so bei mir angekommen sind und jeden Verdacht von mir weise, etwas nicht so wiedergegeben zu haben, wie es tatsächlich bei mir angekommen ist.

Episode 1: Eine Leserin hat sich bei mir gemeldet, nachdem sie den Artikel "Ein Dingsda für das da" auf der Titelseite der "Freien Presse" gelesen hatte; es ging darin um die Antwort auf die Frage, weshalb viele sich Küchenwerkzeuge zulegen, die keiner wirklich braucht. Der Frau ging es um diesen Satz: "Wer unter Kochen die Drehbewegung am Mikrowellenregler, das Aufreißen einer Tiefkühlmahlzeit oder die Befüllung beispielsweise des Thermomix versteht, der sollte ..." Weil ich selbst zu den Menschen gehöre, die erst seit kurzem wissen, was ein Thermomix ist und was man alles damit machen kann, übernehme ich keine Haftung für das, was die Leserin mir mitteilte: "Also ich muss trotz Thermomix Dinge auf einem Brett zerteilen (d. h. ich schneide Lebensmittel) gegebenenfalls würze ich auch mal, tue alles in einen (Thermomix)-Topf, aromatisiere mit (selbstangebauten) Kräutern, gebe Fett und/oder Wasser hinzu und erhitze nicht nur, sondern kann sehr vieles (sogar Fleisch) ganz gesund dampfgaren." Mein Frage dazu: Kann es sein, dass Thermomix-Nutzer etwas dünnhäutiger als andere Kochende sind?

Episode 2: Mal wieder eine Preisfrage, bei der es (wie immer) nichts zu gewinnen gibt: Wer weiß, wer Pjotr Andrejewitsch Abrassimow war, oder wer kann sich daran noch erinnern, welche Rolle dieser Mann zu DDR-Zeiten gespielt hat? Keine Ahnung? Nicht so schlimm, denn der Leser, der mir diesen Namen genannt hat, meinte auch, dass er zwar keine so große Rolle in der deutschen Geschichte gespielt hat, aber jetzt gerade gut als Beispiel dafür taugt, ein aktuelles Problem zu lösen. Es ging ihm um den Artikel "Trumps Front-Mann", der die Reaktionen auf die extrem konservativen Äußerungen des neuen US-Botschafters Richard Grenell zum Inhalt hatte. Der Mann meinte: "Wir hatten in den siebziger Jahren mal so einen Typen in der DDR, er hieß Pjotr Andrejewitsch Abrassimow, und der hat sich auch überall in innere Angelegenheiten eingemischt und spielte den Oberlehrer", meinte der Leser und fügte hinzu: "Damals hat Honecker einfach Breschnew angerufen und seine Ablösung verlangt, und schon war der Botschafter weg vom Fenster." Die Quintessenz seiner Erinnerung an damals: "Merkel muss Trump anrufen und mit deutlichen Worten klarstellen, dass dieser Mann in Deutschland nichts zu suchen hat." (In eigener Sache: In dem Konzept für meine Memoiren gibt es das Kapitel mit der vorläufigen Arbeitsüberschrift "Träum weiter"; dort habe ich mir nun gerade eine weitere Notiz gemacht.

Episode 3: Ein Leser hat mich angerufen und gleich zu Beginn betont, dass er nur eine Frage hat, aber davon ausgeht, dass ich sie ihm sowieso nicht beantworten kann. Er durfte sie mir trotzdem stellen, weil ich meine, dass auch eine Frage eine komplexe Meinung beziehungsweise eine Grundhaltung mit wenigen Worten auf den Punkt bringen kann. Der Mann wollte von mir wissen: "Warum bringen es Angela Merkel und die Regierung nicht fertig, Deutschland atomwaffenfrei zu machen und dann auch zu halten?"

Episode 4: Dass sich Leser der Worte von berühmten Dichtern und Denkern bedienen, um ihre Meinung zu einem Artikel in der Zeitung die richtige Würze zu geben, ist keine Seltenheit. Schon häufiger habe ich hier von "Denk ich an Deutschland in der Nacht" oder auch "Die Geister, die ich rief" berichtet, weil das Zitate sind, die mit schöner Regelmäßigkeit in den Kommentaren von Lesern vorkommen. Selten aber hat mich eins so überzeugt, wie dieses zu einem aus der Region stammenden Politiker, der jetzt in Berlin die Karriereleiter hochgestiegen ist. Der Leser zitiert Wilhelm Busch: "Wenn einer, der mit Mühe kaum, geklettert ist auf einen Baum, schon meint, dass er ein Vöglein wär, so irrt sich der." (Der Vers trägt die Überschrift "Der fliegende Frosch". Sich die Illustration dazu im Netz anzuschauen, kann ich nur empfehlen.)

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