Wieder da, weiser aber nicht wirklich

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Weil ich heute zwischen zehn und zwölf innerhalb von einer Stunde mit drei grundsätzlichen Problemen konfrontiert worden bin, von denen ich sicher weiß, dass sie sich bis zum Ende meiner Tage (als Leserobmann) niemals lösen lassen werden, habe ich beschlossen, die Sommerpause zu beenden und bis zur Herbstauszeit hier wieder mehr oder weniger regelmäßig davon zu berichten, was ich im Austausch mit den Leuten am Telefon alles so erleben. Zur (reinen und deshalb weniger unterhaltsamen) Information die drei Anliegen: Der erste Leser hatte festgestellt, dass in seinem neuen Personalausweis beide Vornamen stehen, während bei anderen Legitimationen wie beispielsweise Führerschein oder offiziellen Dokumenten wie unter anderem alle Karten seiner Bank nur der Rufname verzeichnet ist, und wollte nun wissen, ob er deswegen vielleicht Schwierigkeiten bekommen könnte wegen dieses Unterschieds, aber leider musste ich ihn, was zu meinen erwähnte täglichen Herausforderungen gehört, insofern enttäuschen, weil dieser Umstand vermutlich zu wenig Substanz hat, um deswegen meine Kollegen mit einer Recherche dazu zu beauftragen.

Was mir auch niemals aufhören wird, da es offenbar systemimmanent ist, habe ich versucht, einer Frau in der Leitung zu erklären, die mich angerufen hatte, weil sie in dem Newsletter ihres Providers, den sie seit drei Wochen hat, weil sie sich mit 76 Jahren doch noch entschieden hat, das Internet für sich zu entdecken, dass dort die Anzahl der täglichen Neuinfektion mit dem Virus in Deutschland eine andere ist als die, von der sie gerade in der Zeitung erfahren hat, dass die Nachricht im Netz eben eine aktuelle ist und unsere, weil das Blatt nun mal nachts erst gedruckt und am nächsten Morgen zugestellt werden muss, die von gestern ist; ganz schön kompliziert, ich weiß, aber leider nicht zu ändern, schade auch. Das dritte grundsätzliche Problem in dieser Stunde ist eins, dass es nur mittwochs gibt, weil es nur dann auftritt, wenn Leser sich bei mir melden, nachdem sie meine Kolumne auf der Seite "Leserforum" gelesen haben, und mir dann sagen, dass sie mal wieder fassungslos sind angesichts dessen, womit sich die Leute beschäftigen und was ihnen Ärger bereitet, weshalb die damit verbundene Frage eine suggestive ist, denn ich habe noch niemals wirklich über eine Antwort nachgedacht, sie lautet: "Haben diese Menschen keine anderen, keine wirklichen Probleme?"

Ob ich heute auch einmal schmunzeln durfte? Aber sicher doch, gleich zwei Mal. Zum einen war das der Fall, nachdem mir ein Anrufer gesagt hatte, weil er all die Berichte über die neue Ausgabe des Duden gelesen hat, dass er dafür ist, dass das Wort "versödern" doch ein wunderbares neues Verb sei und deshalb in dem Regelwerk als Synonym für alle Tätigkeiten aufgenommen werden könnte, bei denen es um den Umgang mit Krisensituationen geht. Außerdem habe ich noch den 17. Eintrag in der Liste der Verquerungen und Verballhornungen (immer aus Unwissenheit, niemals mit Absicht) meines Nachnamens aufnehmen können. Ein Anrufer verabschiedete sich mit diesen Worten: "Sie haben mir sehr geholfen, vielen Dank Herr Oldtimer."

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