Gleich zweimal musste ich heute, obwohl ich das wirklich höchst ungern und eigentlich auch selten tue, während des Gesprächs mit einer Leserin (natürlich nur sprichwörtlich) aus meinem Herzen eine Mördergrube machen. Der erste Anliegen, was die Frau in der Leitung mir vortrug, war der Auftrag zu einer Recherche: "Mir ist aufgefallen, dass es sich bei den Bäumen, die entlang der Straßen außerhalb der Stadtgebiete neu gepflanzt werden, gar nicht mehr um Obstbäume handelt. Dabei würde nicht nur der Mensch von den Früchten profitieren, auch die Insekten und viele Kleintiere auf dem Boden würden dies zu schätzen wissen. Können Sie bitte mal herausbekommen und darüber schreiben, woran das liegt und ob man daran nicht etwas ändern könnte?" Gesagt habe ich: "Guter Einwand, tolle Idee, ich werde gleich mal meine für solche Themen zuständigen Kollegen in der Redaktion informieren. Gedacht habe ich: Obstbäume an Straßen und vor allem innerhalb von langgezogenen Kurven kann ich gar nicht leiden, weil ich immer dann, wenn die Äpfel und Birnen, Kirschen und Pflaumen reif sind, von den Ästen auf den Boden fallen und dort liegen bleiben und auf ihre natürliche Zersetzung warten, der Gefahr ausgesetzt bin, mit meinem Rennrad bei einer Geschwindigkeit von so um die 35 Stundenkilometer auf diesen von faulenden Früchten übersäten und dann glitschigen Asphaltabschnitten ins Rutschen zu geraden und im Straßengraben zu landen; erst kürzlich konnte ich nur mit Mühe das Vorderrat in der Spur halten, nachdem ich mindestens drei Äpfel halbiert hatte, wobei mir gerade die Worte fehlen, das dabei zu hören Geräusch näher zu beschreiben.

Der zweite Grund, warum die Leserin meine Nummer gewählt hatte, war dieser Hinweis: "Die Innenfläche dieses neuen Kreisverkehrs ist immer noch nicht begrünt, mit dem Unkraut, das dort wächst, sieht das einfach nur trostlos aus. Machen Sie doch mal ein bisschen Dampf, damit da endlich was passiert." Gesagt habe ich: "Guter Hinweis, meine Kollegen können da bestimmt mal nachhaken, vielleicht erreichen sie auch etwas." Gedacht habe ich: Froh war ich schon immer über jeden Kreisverkehr, dessen Freifläche im Inneren nicht mit so hohen Sträucher oder sogar Bäumen bepflanzt ist, dass ich als Radfahrer darüber hinweggucken und schon früher sehen kann, ob sich von der Gegenseite ein Auto nähert, denn die Fahrer der Blechkarossen sind zum einen schneller als Pedalritter unterwegs und zum anderen mehr oder weniger ausschließlich darauf eingestellt, in einem Kreisverkehr auf andere Autos zu achten, nicht aber auf Radfahrer, weshalb sie diese gerne mal ganz über- oder viel zu spät sehen. Woher ich das weiß? Erst vor ein paar Tagen war ich bereits in den Kreisverkehr (zwischen Mittweida und Schweikershain am Abzweig nach Crossen und Kriebstein) hinein gefahren, als ein Auto ins Innere wollte und der Fahrer mich übersah, so dass ich scharf bremsen musste und beinahe gestürzt wäre. Wie ich mit diesem Dilemma umgehe, den Lesern nicht wirklich sagen zu können, was ich persönlich von ihrem Anliegen halte? Ich zitiere danach immer mit großer Freude aus dem "Faust" von Johann Wolfgang von Goethe diese Verse, wobei mir die dritte und vierte Zeile besonders gefallen; der Grund ist ein privater, ich verrate ihn hier nicht:

"Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,

die eine will sich von der andern trennen:

Die eine hält in derber Liebeslust

sich an die Welt mit klammernden Organen;

die andre hebt gewaltsam sich vom Dust

zu den Gefilden hoher Ahnen."

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