Diesen Blogeintrag möchte ich (mal wieder) mit einem (kleinen) Geständnis beginnen und dabei hoffen, dass mein Chef ihn nicht liest, denn ich bin mir nicht sicher, ob er auch für alles Verständnis hat, was ich dazu nutze, mir meine heitere Gelassenheit nicht abhandenkommen zu lassen. Also: Zu den Clips, die ich mir immer dann anschaue und (wie in diesem Fall) vor allem auch anhöre, wenn ich angesichts der von Lesern vorgetragenen Hinweisen und Beschwerden einen mentalen Gegenpol brauche, gehört auch die Vorspann der von 1973 bis 1984 im ZDF ausgestrahlten Kinderfernsehserie "Rappelkiste". Zur Einstimmung auf meine Protokollnotizen zum Wochenausklang hat mir gerade gutgetan:

Episode 1: Zu dem Beitrag "AfD-Anfrage zu Behinderten sorgt für Empörung" gab es im Internet auf der Homepage von "Freie Presse" viele Kommentare. Was mich in diesem Zusammenhang (wieder einmal) wundert, ist die Tatsache, dass mich nur eine einzige Meinung dazu schriftlich erreicht hat, damit ich sie als Leserbrief veröffentlichen kann. Das aber ist leider angesichts der Wortwahl bei der Charakterisierung der Politiker nicht möglich, den ersten Satz aber möchte ich nicht unveröffentlicht wissen: "Das lässt sich nicht mehr schönreden; das ist Faschismus in seiner widerwärtigsten Form."

Episode 2: Dass die Meldungen unter der Rubrik "Leute heute" auf der Seite "Aus aller Welt" manchmal mehr, manchmal weniger mit einem imaginären Augenzwinkern versehen sind, gehört während meiner "Sprechstunde" zwischen zehn und zwölf zu den regelmäßigen Hinweisen für Leser, die sich wegen einer solchen Nachricht geärgert haben. Zu lesen war diese Meldung: Jörg Pilawa  (52), Fernsehentertainer, geht immer so ins Bett, wie Gott ihn geschaffen hat. „Ich habe noch nie in meinem Leben einen Schlafanzug getragen“, gestand er am Sonntagabend in der NDR Quizshow." Ein Leser meinte: "Wie man solchen Mangel an persönlicher Hygiene unter die Leute bringen kann, ist nicht ganz klar. Viele würden sich schämen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Aber Schamgefühl ist natürlich auch eine Frage der Erziehung. Bei mindestens einem Liter Flüssigkeitsabsonderung des Körpers im Laufe der Nacht und mehr müsste jeden Tag die Bettwäsche gewechselt werden."

Episode 3: Als ich von der Erhöhung der Löhne und Gehälter der Beschäftigten im öffentlichen Dienst von 7,5 Prozent (gestaffelt über drei Jahre) gelesen hatte, habe ich mich wirklich für diese Arbeiter und Angestellten gefreut, weil ich es immer gut finde, wenn Menschen mehr Geld für ihre Arbeit bekommen; das ist weniger ein Prinzip, mehr so etwas wie eine der Säulen in meinem weltanschaulichen Fundament. Ein Leser sieht das aber ganz anders; er meinte: "Was müssen da viele Arbeitnehmer in der Landwirtschaft, in der Lebensmittelproduktion in den Klein- und Kleinstbetrieben des Handwerks und des Handels, der Dienstleistungsgewerke wohl denken, wenn diese als Facharbeiter oft nur Mindestlohn oder gering darüber erhalten, und wo sind da die zuständigen Gewerkschaften?" Neid gehört zu den Eigenschaften, mit denen ich wirklich nicht gut klarkomme.

Episode 4: Nicht uneingeschränkt, aber doch weitgehend zugestimmt habe ich diesem Hinweis eines Lesers zu der Berichterstattung über den deutschen Astronauten Alexander Gerst ("Commander Gerst: Da will ich hin" und "Himmlische Fahrschule"): "Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Bleiben wir doch erst einmal auf unserer guten alten Mutter Erde. Eine ähnliche konstruktive Zusammenarbeit zwischen den USA, Russland und Deutschland wünsche ich mir nämlich auch auf unserem Globus, damit hier endlich Gerechtigkeit herrscht. Probleme gibt es genug. Der Kampf gegen den Hunger, gegen den Klimawandel, gegen Seuchen, gegen Not und Elend und gegen die Geißel des Krieges auf unserem Planeten muss unbedingt gemeinsam angepackt und erfolgreich abgeschlossen werden."

Episode 5: Die Verteidiger der guten und vor allem richtigen deutschen Sprache sammeln gerne Krümel und haben sich es zur Aufgabe gemacht, sie mir bei jeder sich bietenden Gelegenheit zukommen zu lassen. Manchmal picke ich sie auf und lasse sie mir munden, manchmal wische ich sie mit einem Handstreich aus meinem Bewusstsein. Bei diesem Hinweis habe ich mich nicht so richtig entscheiden können. "Tierpark sucht Name für Trampeltier" lautete die Überschrift eines Artikels, und ein Leser meinte: "Heute gehen wir zum Grieche."

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