So senken Sie die Energiekosten

Viele Stromversorger haben die Preise erhöht. Gas könnte 2021 teurer werden. Eine Energieberaterin erklärt, wie sich im Alltag trotzdem sparen lässt.

Energiesparen ist Sisyphusarbeit - ein paar Kilowattstunden dort, ein paar Kilowattstunden da. Aber in der Summe lassen sich recht anschauliche Ergebnisse erzielen, wie fünf Bereiche im Haushalt zeigen.

1. Baden und Duschen: Die Erwärmung von Wasser im Haushalt kostet viel Energie. "Ein Vollbad in einer Standardwanne von 150 Litern kostet etwa 2,25 Euro mit Durchlauferhitzer und knapp die Hälfte mit Gas", sagt Angelika Baumgardt, unabhängige Energieberaterin der Verbraucherzentrale Sachsen. Baden ist also Luxus, duschen dagegen weitaus günstiger. Bei einer herkömmlichen Brause und einem Wasserverbrauch von 50 Litern kostet der Duschvorgang 75 Cent mit Strom und 35 Cent mit Gas. Wenn drei Personen täglich duschen, werden am Jahresende etwa 600 Euro bei Strom und knapp 300 Euro bei Gas fällig. Angelika Baumgardt empfiehlt eine Spardusche, die es ab 15 Euro zu kaufen gibt. Sie benötige nur die Hälfte des Wassers und sorge beispielsweise durch die Beimischung von Umgebungsluft dafür, dass diese Reduzierung kaum bemerkt wird.

2. Heizen: Für eine 80 Quadratmeter große Wohnung liegen die durchschnittlichen Heizkosten pro Jahr bei etwa 750 Euro. Einer der wichtigsten Tipps: Wer es in einem kalten Zimmer schnell warm haben möchte, sollte die Heizung nicht auf Stufe 5 drehen. Denn auf die Schnelligkeit bei der Erwärmung haben die höheren Stufen keinen Einfluss, sondern nur auf die Temperatur. Und die Stufe 5 ist nur etwas für ganz große Wärmebedürftige.

Energieberaterin Baumgardt rät, stattdessen die Temperatur generell etwas zu reduzieren - beispielsweise um ein Grad Celsius. Allein das spare sechs Prozent der Heizkosten - in unserem Drei-Personen-Haushalt also jährlich etwa 45 Euro.

Allerdings sollte jeder auf seine Gesundheit achten. Denn für Geld zu frieren, sei auch keine Lösung, warnt Professorin Antje Bergmann, Fachärztin für Allgemeinmedizin an der Uniklinik in Dresden. Bei Kälte werde zuerst die Körpermitte - der sogenannte Körperkern - durchblutet, Hände, Füße, Ohren und Nase dagegen weniger. Dorthin werden dann weniger Abwehrzellen transportiert. "Das kann leichter zu Infekten führen", so Bergmann. Die Wohlfühltemperatur sei auch abhängig vom Alter. Wer sich viel an der frischen Luft bewegt, könne zumindest etwas für eine bessere körpereigene Regulation und damit bessere Durchblutung tun. Auch regelmäßig wechselwarm duschen oder saunieren fördere die Durchblutung.

3. Licht: Viel ist es zwar nicht, was die Beleuchtung der Wohnung auf der Stromrechnung ausmacht. Dafür sind die Sparpotenziale hoch. Eine altmodische Glühbirne, die täglich drei Stunden leuchtet, kostet im Jahr 20 Euro. Somit könnte man bei drei Zimmern - beispielsweise Küche, Bad und Stube - von 60 Euro ausgehen. Weitaus preiswerter ist eine Stromsparlampe, die laut dem Portal co2online 70 Prozent geringere Stromkosten verursacht - also nur noch 18 Euro. Mit LED-Lampen lässt sich der Stromverbrauch sogar um 80 Prozent im Vergleich zur Glühbirne senken, auf zwölf Euro. LED-Lampen halten zudem länger als Stromsparlampen und Glühbirnen.

4. Kühlschrank: Weil sie 24 Stunden laufen, zählen Kühlschränke zu den größten Energiefressern im Haushalt - vor allem, wenn es sich um alte Geräte handelt. Angelika Baumgardt hat berechnet, dass beim Austausch einer zehn Jahre alten Kühl-/Gefrierkombination gegen ein neues Gerät mit A+++ etwa 50 Prozent der Stromkosten eingespart werden können. Bei einem 270-Liter-Gerät seien das 40 Euro jährlich. Natürlich muss man die Anschaffungskosten gegenrechnen. Ein neuer Kühlschrank für 300 Euro amortisiert sich damit erst nach siebeneinhalb Jahren.

Auch bei der Temperatur ist eine Ersparnis von etwa fünf Prozent pro Grad Celsius drin. Zum Energiesparen empfiehlt Baumgardt sieben Grad Celsius im Kühlschrank. Außerdem sollte das Gerät möglichst kühl stehen und nicht neben einer Wärmequelle wie etwa einem Heizkörper oder dem Herd und nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein. Außerdem müsse auf eine gute Be- und Entlüftung geachtet werden. "Einmal jährlich sollte man den Wärmetauscher, also das Metallgitter an der Rückseite des Gerätes, abstauben", sagt die Energieberaterin.

Wem es auf den letzten Cent ankommt, der kann auch zu rigorosen Mitteln greifen und den Kühlschrank im Winter abstellen. Der Inhalt kommt in eine Isoliertasche auf den Balkon. "Sofern gewährleistet ist, dass die Lebensmittel nicht gefrieren und nicht über längere Zeit bei Temperaturen über 8° C gelagert werden, ist das eine unkonventionelle Maßnahme, um Energie zu sparen", so Baumgardt.

5. Kochen: Wer jeden Tag eine halbe Stunde auf einem Herd mit Gusseisen-Platten kocht, zahlt dafür am Ende des Jahres etwa 80 Euro. Bei Kochgeräten gilt das Gleiche wie bei Kühlschränken. Mit dem Umstieg auf moderne Elektrogeräte kann man den Verbrauch um 50 Prozent senken.

Angelika Baumgardt hat noch weitere Spartipps: "Bei Kochzeiten von über 20 Minuten reduziert die Verwendung von Schnellkochtöpfen den Energieverbrauch und die Garzeit um 30 bis 60 Prozent", sagt sie. Außerdem empfiehlt sie, beim Kochen einen Deckel auf den Topf zu legen und die Wassermenge zum Garen von Kartoffeln oder Gemüse zu reduzieren. Ein Wasserstand von zwei Zentimetern reiche. Generell gilt: Kleine Wassermengen mit dem Wasserkocher erwärmen. Bei einem modernen Herd bringt all das 15 bis 20 Euro weniger Kosten im Jahr.


Den Stromkosten auf der Spur 

Messgeräte: Um die größten Stromfresser zu finden, können Verbraucher bei ihrem Stromanbieter kostenlos Messgeräte ausleihen. Bei Eins Energie in Chemnitz muss man dafür einen Pfand von 25 Euro hinterlegen.

Energieberatung: Die Verbraucherzentrale Sachsen berät zu Hause für fünfEuro pro 30 Minuten (www.vzs.de). Unter www.stromspar-check.de kann man kostenlose Energieberater für zu Hause anfordern. Außerdem gibt es Gutscheine für die Anschaffung moderner Kühlschränke. In Chemnitz ist die Anlaufstelle auf der Ludwig-Kirch-Straße 17, im Dresdner Gebiet sind die Energieberater unter der Telefonnummer 03521/409966 zu erreichen.

Stromfresser: Die größten Energieverbraucher im Haushalt nach Verbrauchshöhe sind: alte Heizungspumpen, Elektroherde, Gefriergeräte, Kühlschränke, Glühbirnen und Beleuchtung, Wäschetrockner, Geschirrspüler und Waschmaschine.

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