Weil sich Besucher reinmogeln: Ehrenamtler als Türsteher

Seit 25 Jahren helfen die Grünen Damen im Freiberger Krankenhaus Patienten auf Station. Coronabedingt ist das im Moment nicht möglich. Dafür werden sie dringend am Empfang gebraucht.

Freiberg.

Trotz strikten Verbotes mogeln sich immer wieder Besucher ins Freiberger Krankenhaus - vorbei am Empfang. "Manche marschieren ohne Mundschutz durch, um in der Cafeteria Kaffee zu trinken", erzählt Bernd Riemer. Oder Patienten kommen mit einem Überweisungsschein, aber ohne Mundschutz. "Das geht zur Zeit einfach nicht." Bernd Riemer (73) ist amtierender Einsatzleiter der Freiwilligen Krankenhaushilfe, besser bekannt unter dem Namen "Grüne Damen". Seit 25 Jahren bieten sie Patienten ihre Hilfe an.

Wegen der Coronapandemie ruht ihre Arbeit. Ab dem heutigen Dienstag helfen sie dafür am Empfang, fragen Besucher nach ihrem Anliegen, geleiten sie ins Haus oder schicken sie freundlich wieder nach Hause. Denn: Seit Wochen gilt coronabedingt ein striktes Besuchsverbot, um Patienten und Mitarbeiter so gut wie möglich vor dem Virus zu schützen. Rein darf nur, wer einen Termin bekommen hat - etwa zum Vorgespräch, zur Untersuchung oder OP oder auch zum Blutspenden - oder wer einen akuten Notfall hat. Doch dabei gilt: Bei Verdacht auf eine Coronavirusinfektion unbedingt vorher anrufen. Obwohl sich die Anzahl der Neuinfektionen auf sehr niedrigem Stand befindet, hält die Klinik am generellen Besuchsverbot fest. "Wir tragen die die Verantwortung für unsere Patienten und unser Personal", erklärt Kliniksprecherin Dr. Ulrike Träger.

Doch nicht alle nehmen das so genau und melden sich bei dem Mitarbeiter am Tresen. Gerade am Morgen sei Stoßzeit; viele Menschen laufen kreuz und quer durch die Empfangshalle. Ein zweiter Mitarbeiter am Tresen sei personell nicht länger stemmbar, so Träger. Bernd Riemer freut sich, dass er und die Grünen Damen sich im Krankenhaus nützlich machen können. Zwischen 6.30 und 16 Uhr greifen sie koordinierend als "Vor-Empfang" an der Tür ein. Dafür wurde eine Checkliste erarbeitet, anhand derer sie Besucher reinlassen oder nicht. Dabei beißt sich das mit ihrem eigentlichen Ansinnen: "Wir wollen den Patienten einfühlsam und empathisch gegenüber treten, ihnen zuhören. Nun müssen wir an der Tür Stopp sagen und Leute wegschicken", schildert Riemer. "Das mag nicht jeder".

Neben Chemnitz und Dresden zählten die Grünen Damen in Freiberg 1995 zu den ersten ihrer Art in den neuen Bundesländern, erzählt er. Im Februar wurde das Engagement der derzeit 18 Aktiven mit einer Feier gewürdigt. Drei von ihnen sind in Freiberger Seniorenheimen tätig, wobei sie aktuell die Heime nicht betreten dürfen. Die Grünen Damen machen das, wofür Krankenschwester und Pfleger oft keine Zeit haben: Sich ans Bett von Patienten setzen, sich mit ihnen unterhalten, vorlesen, zuhören, Trost spenden. "Spaß macht das nicht, aber es ist eine sehr erfüllende Aufgabe", sagt Riemer. Ein sonniges Gemüt, Optimismus und Einfühlungsvermögen, Allgemeinwissen sowie die Kunst des Abstandhaltens sollte man dafür mitbringen. "Und die Fähigkeit, innerhalb weniger Sekunden zu erfassen, wie ich einen Patienten anspreche und vielleicht aufschließen kann", ergänzt er.


Mehr Operationen, mehr Begängnis

Dass wieder Begängnis ist im Freiberger Krankenhaus, liegt daran, dass wieder mehr operiert wird. Derzeit sind etwa 220 Betten belegt, wobei sich maximal zwei Patienten ein Zimmer teilen. Parallel wurde die Anzahl der Corona-Betten reduziert. Anfangs standen 60 Betten auf Station 6 und 7 sowie maximal 16 Betten auf der Intensivstation bereit. Mit sinkenden Fallzahlen wechselte der Coronabereich auf Station 12 mit nunmehr 20 Betten. Derzeit steht diese Station komplett leer. Das eingeplante Personal wird auf anderen Stationen eingesetzt. Wie viele Corona-Verdachtsfälle bislang im Krankenhaus behandelt wurden oder zur Beobachtung da geblieben sind, sei nicht erfasst worden. Nur "einige wenige Covid-19-Patienten im unteren einstelligen Bereich" mussten beatmet werden. (cor)

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