Abbruch bringt VfB einen Titel

Auerbach beendet Saison der Fußball-Regionalliga auf Platz 9. Die kommende Spielzeit bereitet dem Manager Kopfzerbrechen.

Auerbach.

Seit Freitagabend ist die Saison 2019/20 in der Regionalliga Geschichte. Der Vorstand des Nordostdeutschen Fußball-Verbands (NOFV) hat die Saison aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen und die Tabelle anhand der Quotienten-Regelung gewertet. Damit beendet der VfB Auerbach die Saison als Neunter, quasi auf seinem Lieblingsplatz. Schon zum dritten Mal in acht Jahren vierte Liga haben die Vogtländer den ersten einstelligen Platz inne. Nur in der Saison 2013/14 war das Team mit Platz 7 besser platziert. VfB-Coach Sven Köhler bestätigte mit dem Team nun die Platzierung der Vorsaison.

"Wir sind froh, dass wir uns schon vor der Coronapause eine so gute Platzierung erarbeitet haben, sodass wir jetzt nicht von der Entscheidung anderer abhängig waren", sagte VfB-Manager Volkhardt Kramer über das vorzeitige, aber zufriedenstellende Ende einer ungewöhnlichen Saison. Im Gegensatz zu den Teams an der Spitze und am Tabellenende musste der VfB sich keine Gedanken über Saisonabbruch, Quotientenregelung oder Fortsetzung machen. Der Klassenverbleib schien bereits so gut wie in trockenen Tüchern. Dennoch unterstützte der VfB die Entscheidung des NOFV, die Saison mit einer Quotientenregel abzubrechen. "Natürlich können wir menschlich verstehen, dass sich Altglienicke oder Cottbus darüber ärgern", sagt Kramer. Lok Leipzig wurde aufgrund der Entscheidung Regionalliga-Meister - mit derselben Punktzahl wie Altglienicke, aber einem Spiel weniger.

Die Quotientenregel sei in ganz Deutschland in verschiedenen Sportarten angewandt worden, deshalb sei es auch in der Regionalliga gerecht, so die VfB-Position. Gerecht, aber nicht kritiklos. "Was mich enttäuscht, ist die Haltung in der 3. Liga: Jetzt Lok Leipzig und dem SC Verl als Meister der Regionalliga West eine Relegation zuzumuten, ist unfair", sagt Kramer. Die 3. Liga hätte sich mit den Regionalligen solidarisieren sollen und einen Aufsteiger mehr aufnehmen können. "Jetzt fangen wir alles auf", befürchtet Kramer, denn die Regionalliga kann theoretisch auf bis zu 23 Teams anwachsen. Realistisch sind derzeit zwar 20 Teams. Falls Lok Leipzig die Relegation verliert, sind es 21.

Die Folgen sind erheblich: Neben einer großen Anzahl an Absteigern, die am Ende der nächsten Saison denkbar ist, droht Termindruck. Mit dann 40 statt 34 Spieltagen werde der ohnehin enge Zeitplan noch enger. Für diesen Fall stand bereits die Variante im Raum, auch an einem Weihnachtsfeiertag zu spielen. Als "undenkbar" bezeichnete Kramer diese Überlegung für die Vogtländer. Noch sei unklar, wann überhaupt die Spieltage stattfinden werden. Es gibt noch keinen Rahmenterminplan. "Langsam wird es aber Zeit dafür", fordert Kramer.

Ein zweites Problem ist der verschärfte Abstieg, der nun in der nächsten Saison droht. "Das Argument, dass wir in der Corona-Pandemie die Vereine, die auf einem Abstiegsplatz stehen, verschonen, ist sehr kurz gedacht", sagt Kramer. "Wir verschonen jetzt nicht, sondern bestrafen später andere." Dann nämlich, wenn nächstes Jahr bei einer 21 Mannschaften starken Staffel sechs oder mehr Teams absteigen müssen. Die Auerbacher Forderung: "Die Reduzierung der Liga muss stufenweise über zwei oder drei Jahre geschehen", so der VfB-Manager, der ebenfalls fordert, dass der NOFV die Abstimmungsergebnisse über die zahlreichen Detailfragen schleunigst veröffentlicht. Dann sei auch ersichtlich, wie klar oder eng die Mehrheiten ausgefallen seien. Der NOFV hatte die Vereine nicht nur zum Saisonabbruch, sondern auch zu weiteren Themen, wie der Abstiegsregelung und der Aufstockung der Liga, befragt.

Das vorzeitige Saisonende bringt für den VfB aber auch etwas Gutes: einen Titel. Marc-Philipp Zimmermann hat sich mit 16 Treffern gemeinsam mit Muhammed Kiprit von Hertha BSC II die Torjägerkrone geholt. Und ein weiteres Erfolgserlebnis haben die Vogtländer zu verzeichnen: Auch die Saison in der Regionalliga der B-Junioren wurde abgebrochen. Der VfB landete auch dank der Sportgerichtsurteils, als dem VfB die Punkte für den durch Hertha BSC erzwungenen Spielabbruch zugesprochen wurden, auf dem vorletzten Tabellenplatz und hat damit rein sportlich die Klasse gehalten. In der zweiten Liga des U-17-Jahrgangs bleiben die Vogtländer aber trotzdem nicht. "Die Regionalliga ist im Nachwuchs für einen Verein wie uns über einen längeren Zeitraum nicht finanzierbar", sagt Kramer. Das liegt auch daran, dass der Deutsche Fußball-Bund erst zur Jahresbeginn die Förderung für kleine Vereine gekürzt hatte. Dem VfB-Nachwuchsetat fehlen dadurch 7000 Euro.

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