Auer Klinikum erlebt erneut Rekordjahr

So viele Patienten wie noch nie sind 2019 bei Helios auf dem Zeller Berg behandelt worden. Und die Tendenz ist weiter steigend. In diesem Jahr liegt der Fokus auf der Sportmedizin. Die Digitalisierung und der Schwund an niedergelassenen Ärzten stellen die Einrichtung vor große Aufgaben.

Aue.

Von Meilensteinen spricht Marcel Koch mit Blick aufs Jahr 2019. "Trotz rückläufiger Bevölkerungszahl sind wir weiter gewachsen und haben 550 stationäre Patienten mehr behandelt als 2018", sagt der Geschäftsführer des Auer Helios-Klinikums. Schon 2018 war ein Rekordjahr. "Wir haben es erneut getoppt", sagt Koch und gibt das Lob weiter. "Neben modernster Medizintechnik sind es unsere Mitarbeiter, die mit ihren Leistungen Garant für diesen Erfolg sind."

Personal: Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden, darauf lag der Fokus - etwa per Werbekampagne. "Damit konnten wir Personal aufbauen und werden neuen gesetzlichen Anforderungen gerecht", sagt Koch mit Verweis auf die Mindestbesetzung im Pflegebereich, die je nach Fachbereich variiert. So ist in der Intensivmedizin eine Pflegefachkraft auf 2,5 (Tag) beziehungsweise 3,5 Patienten (Nacht) nötig. In der Geriatrie lautet das Verhältnis 1 zu 10 und 1 zu 20. "Wir haben gut 200 Bewerbungsgespräche geführt und 150 neue Mitarbeiter eingestellt." Auch weiche Faktoren wie Mitarbeiterfest, Zumba- und Yoga-Kurse helfen. "Wir liegen beim Krankheitsstand im sachsenweiten Vergleich unter dem Durchschnitt." Zudem kamen zu vormals 244 Ärzten sechs Mediziner hinzu.

Patienten: Die Fallzahlen stiegen um etwa 700 auf 28.745. "Damit wurden so viele Patienten behandelt wie nie zuvor." Die Anzahl der Operationen wuchs von 17.791 auf 19.608 . Einen riesigen Sprung gab es in den MVZ - von 59.056 auf 92.230 Fälle, was einen Grund hat: "Wir haben Praxen aufgekauft." Darunter eine radiologische, eine Frauenarzt- und eine chirurgische Praxis. Nur die Zahl der Geburten stagniert, pendelt sich seit drei Jahren bei 600 ein - 623, 634, 610. "Ein landkreisweites Phänomen", so Koch.

Digitalisierung: Papierfreie Stationen ab 2020 waren Kochs Ziel bei seinem Antritt vor drei Jahren. "Wir sind nah dran", sagt er heute. Nach einer Testphase werden nun auf allen Stationen digitale Patientenakten eingeführt. "Die Digitalisierung wird uns noch das nächste Jahrzehnt beschäftigen." Ein Servicemonitor löste die nachträgliche Patientenbefragung ab. "Wir haken bereits während des Aufenthalts nach, können direkt auf Probleme reagieren."

Technik: Die Ausstattung sucht ihresgleichen, findet Jan Wallenborn, Ärztlicher Direktor. Mit dem OP-Roboter Da Vinci habe das Haus bei minimalinvasiven Eingriffen in Urologie und Chirurgie einen Satz nach vorn gemacht. "Der zweite Linearbeschleuniger verkürzt Wartezeiten." Das ambulante Augen-OP-Zentrum bediene den großen Bedarf. Zudem wurden ein neues MRT für rund eine Million Euro, ein neues CT und neue OP-Tische angeschafft.

Ausbildung: Die neue Universal-ausbildung beschäftigt Pflegedienstleiterin Constanze Neubert. Damit fallen Spezialisierungen auf Kinder- oder Altenpflege weg. "Es werden alle einheitlich nach EU-Richtlinien ausgebildet - mit der Chance auf spätere Vertiefungen." Ob das sinnvoll ist, daran scheiden sich die Geister. "Wir warten es ab, sind aber vorbereitet und starten mit doppelt so vielen Azubis wie bisher." Das bedeutet 60 Lehrlinge im ersten Jahr. Zudem floss laut Koch 2019 eine Dreiviertelmillion Euro in Fort- und Weiterbildung des Personals .

Herausforderungen: Auch die allgemeine Entwicklung außerhalb des Hauses fordere das Klinikum voll. "Die Zahl niedergelassener Ärzte sinkt weiter. Da ist die Talsohle längst nicht erreicht. Wir müssen vorausdenken, um gewappnet zu sein", so Koch. Eine Menge Zeit verschlinge die Dokumentation zum Beispiel von pflegerischen Leistungen am Patienten, die für die Abrechnung neuerdings extra nachgewiesen werden müssen. In Sachen Bürokratie gelte es, effektive Abläufe zu finden.

Ausblick: "Großes Vorhaben für 2020 ist die Rezertifizierung des Sportmedizinischen Zentrums", erklärt Koch. Damit einher geht der umfangreiche Um- und Ausbau der physiotherapeutischen Abteilung. Stationäre Patienten, aber auch Leistungs- und Hobbysportler sollen profitieren. Die Stroke Unit für Schlaganfallpatienten wird generalsaniert. Die Erweiterung der Notfallambulanz soll starten. Weiter vertieft werde die Zusammenarbeit mit der Uniklinik Dresden (Kinderchirurgie), dem Herzzentrum Leipzig (Kardiologie) und dem Vogtlandklinikum Plauen (Neurochirurgie). Neben Fachvorträgen, Herztag und Symposien ist die Klinik Gastgeber für Informationstage zu Rückengesundheit, Darmkrebs und Sportmedizin sowie Förderer von Handballern, Fußballern und Ringern. Zum Tag der Sachsen im September soll in Kooperation mit Rettungsdiensten in der Innenstadt eine temporäre Notaufnahme errichtet werden. Als größter Arbeitgeber und Ausbilder der Region beschäftigt Helios inklusive aller Dienstleister in Aue 1600 Mitarbeiter. "Wir sind mit Volldampf unterwegs", sagt Koch.


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