Auf Corona-Spuren in Markneukirchen

In der Musikstadt hatte der Begriff Corona einst einen guten Klang - als Marke für Blechblasinstrumente. Ein Exkurs in die Wirtschaftsgeschichte.

Markneukirchen.

Die Bezeichnung Corona ist gerade in aller Munde. Sie steht für vieles, nicht nur für den Erreger von SARS-CoV-2, das Coronavirus. Hier geht es mal nicht um die Pandemie, sondern um eine Corona-Spur, die in Markneukirchen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelegt wurde.

Als Sachsen 1862 die Gewerbefreiheit einführte, war das die Initialzündung zur Gründung der ersten beiden Metallblasinstrumentenfabriken im Vogtland. Eine davon - bereits 1861 als Paulus, Bauer & Co. in Markneukirchen gegründet, dann unter Paulus & Schuster firmierend - sollte sich ab 1884 unter "Schuster & Co." einen guten Namen machen. Mit zeitweise 80 bis 100 Arbeitern galt man lange als Sachsens größtes Unternehmen der Blechblas-Branche. Ganze Militärorchester konnte man ausstatten, auf den (Welt)Ausstellungen in Porto (1865) und Philadelphia (1876) war man vertreten. Das führte 1898 zur Namenserweiterung. Fortan saß in der Schützenstraße 27, wo heute die Migma ist, die "Sächsische Musikinstrumenten-Manufaktur Schuster & Co."

Die besondere Stellung der Firma innerhalb Sachsens wurde 1879 deutlich, als man die Krone als Schutzmarke für "Metallblasinstrumente nach deutschen, französischen und amerikanischen Systemen und Becken, Cinellen" eintragen ließ. 1885 erweiterte man das auf das komplette Handelssortiment und Musiksaiten. Die Krone zierte seither Instrumente und Kataloge der Firma. Für das Exportgeschäft war es nötig, den Markennamen zu übersetzen. Deshalb findet man in englischen Katalogen die "Kronen-Instrumente" unter "The Crown", für die spanischsprechende Welt - also vor allem für den lateinamerikanischen Markt - gab es die "Instrumentos de Música" unter "La Corona". Corona muss sich als eine klangvolle Marke erwiesen haben, denn auch in deutschsprachigen Katalogen ist diese Variante zu finden. Nicht belegt ist, ob Übersetzungen von "Krone" noch in der Warenzeichen-Rolle nachgetragen wurden.

Eine Recherche im internationalen Markenregister zeigt, dass "Corona" bis heute in mehr als 338 Fällen als Wort- und/oder Bildmarke geschützt war oder noch ist. Davon entfallen 139 Schutzanmeldungen auf deutsche Hersteller und Handelsfirmen. Das Spektrum reicht von Fahrrädern und Bleistiften bis hin zu Fischkonserven und Zigarren. Die Firma Schuster & Co. ist dort nicht mehr zu finden, sie existierte nur bis zum 2. Weltkrieg.

Nicht sofort nach Ende der Monarchie in Sachsen, aber spätestens in der DDR hatten sich royale Marken erledigt, zumindest was das "Kronen"-Logo anging. Corona erlebte in Klingenthal eine kurze Renaissance: Die 1957 gegründete "Einkaufs- und Liefergenossenschaft der Harmonikabauer" wurde 1958 zur PGH "Corona" umgewandelt, bestand unter diesem Namen aber nur bis April 1960, als eine Aufspaltung in vier Produktionsgenossenschaften erfolgte (u. a. die PGH "Klingende Täler"). Der Grund für den schnellen Namenswechsel dürfte bei der Konkurrenz in Trossingen zu suchen sein. Denn seit 1950 ist "Corona" als Schutzmarke der Firma Hohner eingetragen. Sie steht für eine bekannte Akkordeon-Serie, die bis heute produziert wird.

Anders als heute hatte der Name "Corona" früher im Musikwinkel wohl einige Strahlkraft, zumindest was die Wirtschaft und den Export von Musikinstrumenten betraf. Heute findet man die Krone noch als schlagkräftige Marketingidee in Bad Elster. Im Staatsbad strahlen Kronen und Königliches allerorten.

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.