TU konzentriert Leichtbau-Forschung

An der Universität ist der Rohbau für ein neues Laborgebäude fertiggestellt worden. Derweil gibt es bereits weitere Pläne für den Komplex.

Bernsdorf.

Rund 5,5 Kilogramm wiegt der Motorenträger für einen VW E-Golf, der an der TU Chemnitz entwickelt wurde. Er ist damit rund ein Drittel leichter als das Standardbauteil, das aktuell verbaut wird. Möglich ist das, weil statt Aluminiumguss und Stahlblech neuartige Verbundwerkstoffe zum Einsatz kommen. Hergestellt wird das Bauteil in einem einstufigen Verfahren - das spart Zeit, Material und Geld.

Der Motorenträger ist ein Vorzeigeprojekt aus der Leichtbau-Forschung an der TU Chemnitz. 2012 wurde an der Uni das Technologiezentrum "Merge" (englisch für verschmelzen) etabliert. Es ist deutschlandweit die erste und einzige vom Bund geförderte Spitzenforschungseinrichtung auf dem Gebiet des Leichtbaus. Rund 100 Wissenschaftler aus den sehr unterschiedlichen Bereichen Kunststoff, Metall, Textil und Mikrosystemtechnik tüfteln daran, vergleichsweise leichte, aber gleichwohl stabile Bauteile zu entwickeln und zugleich deren Herstellung in großen Stückzahlen zu ermöglichen - ressourcenschonend und zu vertretbaren Kosten.


Herzstück ist die sogenannte "Merge"-Maschine, in der eigentlich getrennte Prozesse wie Umformen und Spritzgießen von kunststoff- und metallbasierten Werkstoffen zu einem Arbeitsschritt zusammengeführt werden. Sie steht in einer 3000 Quadratmeter großen Halle, die 2015 fertiggestellt wurde und sich hinter dem zentralen Hörsaalgebäude an der Reichenhainer Straße befindet. Unmittelbar daneben entsteht seit Spätsommer vergangenen Jahres ein neues Gebäude, für das am Montag Richtfest gefeiert wurde. Der Viergeschosser mit knapp 1400 Quadratmetern Nutzfläche wird nach seiner für Sommer 2020 geplanten Fertigstellung künftig mehrere Labore und Reinräume beherbergen. Chemische Experimente mit Materialien, die derzeit am Uni-Standort in der Innenstadt vorgenommen werden, könnten dann vor Ort durchgeführt werden, erklärt Diana Schreiterer, Marketingbeauftragte des Zentrums. Außerdem sollen Prüflabore einziehen, ergänzt sie. "Wir führen Infrastruktur an einem Ort zusammen", so Schreiterer.

Rund 14,5 Millionen Euro investiert der Freistaat in den Neubau. Weitere Millionen sollen nach dem Willen der Forscher dazukommen. Denn ursprünglich vorgesehen war neben der existierenden Forschungshalle und dem nun im Bau befindlichen Laborgebäude auch ein Bürokomplex. Dessen Finanzierung sei aber noch nicht geklärt, sagte Sachsens Finanzminister Matthias Haß. Die Bedeutung der von ihm koordinierten Forschung für die Umwelt betonte Professor Lothar Kroll: "Wenn wir durch Leichtbau das Gewicht aller vorhandenen Fahrzeuge, Züge, Flugzeuge und bewegter Maschinen in Deutschland um etwa zehn Prozent reduzieren, dann gelingt es uns allein dadurch, die Klimaschutzziele Deutschlands zu erreichen."

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