"Wort-Stoff-Topf" wird wieder kräftig umgerührt

Mit einem neuen Projekt hat Chefdramaturgin Annelen Hasselwander in der zurückliegenden Spielzeit versucht, junge Leute ganz anders für das Theater zu begeistern. Die Idee ist angekommen und soll nun noch ausgebaut werden.

Annaberg-Buchholz.

Jugendliche für das Theater begeistern? Das kann auf vielen Wegen gelingen. Einen ungewöhnlichen hat in der zurückliegenden Spielzeit Annelen Hasselwander beschritten. Sie ist Chefdramaturgin im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz. Zusammen mit regionalen Bildungseinrichtungen hat sie den "Wort-Stoff-Topf" ins Leben gerufen. Hinter dem Wortspiel steckt das Anliegen, vor allem Jugendlichen Einblicke in das Genre der darstellenden Kunst zu ermöglichen - insbesondere Schauspiel und Musiktheater. Zugleich sollten sie dabei aber auch einen Blick über den Bühnenrand werfen können - zum Beispiel in die Bild- und Tontechnik, die Requisite oder auch die Kostümgestaltung.

Als wichtigste Zutat für ihren Wort-Stoff-Topf hat sie dabei die Theaterkritik gewählt. Über sie sollten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Stücken der 126. Spielzeit nähern, sich mit ihnen auseinandersetzen und schließlich auch ihre Meinung dazu äußern. Als nötiges Rüstzeug gab es vor den jeweiligen Vorstellungen die entsprechenden Pressemappen, zu denen neben Inhaltsangabe und Besetzungsliste auch Hintergründe und andere Hinweise zum Stück gehören.


An dieses Experiment gewagt haben sich Schülerin Cora Wiehe vom Landkreisgymnasium Sankt Annen, Laurine Nickel vom Institut für Ausbildung Jugendlicher und Danny Behr von der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge. Und er hat mit seiner Begeisterung für das Theater auch gleich noch seine Mutter Barbara mit angesteckt. Ihre Motivation ist dabei ganz unterschiedlich. Für Laurine aus Zschopau beispielsweise war es interessant, die Stücke "mal kritisch von vorn zu sehen". Denn als Kleindarstellerin steht sie sonst auf der Bühne und hat eine andere Perspektive. Auch den Blick auf die Arbeit des Regisseurs fand sie spannend - "sonst steht ja die eigene Arbeit immer im Fokus". Für Danny aus Walthersdorf, der sich in der Alten Brauerei auch schon intensiver mit Licht- und Tontechnik befasst hat, war denn eher dieser Bereich interessant - aber auch das Bühnenbild zum Beispiel. Mit Ausnahme von Laurine, die im Herbst ein Tourismus-Studium in Breitenbrunn beginnt, wollen alle auch in der neuen Spielzeit wieder mitmachen. Und Annelen Hasselwander hofft auf weitere Verstärkung. Wobei sie einen ganz speziellen Wunsch hat: Vielleicht findet sich ja auch mal jemand, der sich für das Thema Oper interessiert.

Den nächsten Wort-Stoff-Topf gibt es am 24. September. Interessenten können sich dafür anmelden unter

theaterpaedagogik@winterstein.de


So haben die Jugendlichen die Stücke gesehen - Auszüge

Cora Wiehe über das Rock-Musical "Grimm": " ... Nicht zu vergessen sind die vielen unterschiedlichen Nebenrollen, welche alle wunderbar und einzigartig verkörpert wurden. Ob als Punk-Wildschwein (Isa Etienne Flaccus), als braves pinkes Schwein Dicklinde (Marie-Louis Kießling), als alleinstehende Geis (Elisabeth Markstein) oder alter Hofhund Sultan (Nenad Žanić) und dessen Sohn Rex (Marvin Thiede) - die Rollen wurden mit so viel Liebe zum kleinsten Detail verkörpert. Sowohl die schauspielerische (Regie: Tamara Korber) als auch die musikalische Leistung (Musikalischer Leiter: Marcus Teichler) ist atemberaubend und lässt den Zuschauer alles um sich herum vergessen. ..."

Barbara Behr über das Soloprogramm "Lachen und lachen lassen": "... Nicht nur musikalisch erinnert der Beginn der beeindruckenden One-Man-Show von Udo Prucha an die "Rumpelkammer". ... "Zum Teil singend und tanzend wird die breite Palette der Figuren von ihm mit Souveränität und Spielfreude dargestellt (musikalische Leitung: Robert Jacob/Peggy Endfeldt). Ob unter anderem mit Einstein-Frisur als Loriots Professor Lindemann, mit coolen Moves und Genuschel als Udo Lindenberg, als schwäbelnder Jogi Löw, in Zwiesprache mit einer Eberhard-Cohrs-Handpuppe oder eindrucksvoll als Marcel Reich-Ranitzky im engelsgleichen Wallegewand - er hat sämtliche Figuren jederzeit im Griff und sorgt für Lachsalven im Publikum. Glänzende Unterstützung bekommt er dabei vom Mann am Klavier (super: Markus Teichler), der die Darbietungen perfekt abrundet und schnelle Kostümwechsel (Kostüme: Brigitte Kolbs) ermöglicht. ..."

Danny Behr über das Musical "Annie get your gun": " ... Dieses sehr actionreiche Stück für Groß und Klein ist wirklich sehr gelungen. ... Außerdem war auch das Bühnenbild gut umgesetzt, denn sogar ein Hotel fand Platz und zahlreiche weitere Schauplätze waren zu sehen. Die Kleidung war allgemein im Westernlook gehalten und bei Frank Butler (Jason-Nandor Tomory) ein wenig abgehoben. Auch der Indianerhäuptling Sitting Bull (Leander de Marel) fand seinen Platz und übernahm die Vaterrolle für Annie. Auch die Tontechnik (Florian Müller/Henning Barthel) war sehr gut umgesetzt. Das Bühnenbild wurde im Großen gut getroffen und fantasievoll gestaltet."

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