Adelssitz zieht Volksmassen an

Einen wahren Ansturm hat Schloss Neumark erlebt. Die Familie von Römer öffnete das Anwesen für die Schlössertour der "Freien Presse".

Neumark.

1800 Besucher waren am Sonntag im Rahmen der Freie-Presse-Schlösser-Tour in Neumark zu Gast. Sie nutzten den Sonntag für die Teilnahme an einer Führung, flanierten durch den Schlosspark mit seinen Kunsthandwerker-Ständen oder ließen sich an den Bierzeltgarnituren Wildbratwurst und Bier schmecken. Einige hatten es sich auf der Wiese bequem gemacht und dem Treiben aus der Ferne zugeschaut. Schon vor der offiziellen Öffnungszeit standen die Besucher an den beiden Eingängen Schlange. "Es waren schon Leute hier, als wir mit Aufbauen begonnen haben", sagte Siegfried Töllner, der für den Verein Via Imperii warb. Seine Prospekte mit Infos zum historischen Pilgerweg waren bereits mittags vergriffen. Noch reichlich Marmelade hatte Birgit Zapf vom Marme-Laden aus Plauen. Bleiverglaserin Dagmar Müller aus Reichenbach freute sich über die interessierte Kundschaft. Am Stand der "Freien Presse" konnte sich die Gäste mit historischen Kostümen und Accessoires fotografieren lassen. Die Vertreter der Lukaswerkstätten Zwickau zeigten, wie ein Korb entsteht.

Das Rahmenprogramm rund um die Führungen war auch deshalb gefragt, weil die Wartezeiten oft lang waren. Die vier Schlossführer, allen voran Hausherrin Dorothee von Römer, haben weit über 30 Gruppen geführt, jedesmal mit 40 bis 50 Teilnehmern. Schon ab 15 Uhr wurden keine Karten mehr verkauft, weil der Rückstau zu groß war.

Die am häufigsten gestellte Frage war: "Wo ist denn hier das Schloss?" Und das, obwohl sich die Gäste unmittelbar vor dem Eingang befanden. Der unansehnliche graue Kasten, der zu DDR-Zeiten als Außenstelle des Reiboldsgrüner Krankenhauses zur Unterbringung von Schwerstbehinderten diente, erinnert kaum an das, was man sich unter einem Prunkschloss vorstellt.

Während des Rundgangs erfuhren die Besucher Details zur Geschichte des Hauses und zu den früheren Besitzern oder bekamen einen Einblick in Zukunftspläne. Zurzeit steht erst einmal das Rittergut im Mittelpunkt, wo im ehemaligen Stall im Herbst ein Hofladen eröffnet werden soll. Am Schloss gehen die Sicherungsarbeiten weiter.

"Wir hatten eine Führung nach der anderen. Es ist schön, wie die Familie die Fakten emotional rüberbringt. Dafür gab es mehrfach Szenenapplaus", sagte der Freie-Presse-Geschäftsleiter Vogtland, Stefan Seide. Den Beteiligten blieb kaum Zeit für eine Pause.

Stimmen zur Schlössertour in Neumark

Jens Petzold, Netzschkau: "Es gehört Mut dazu, so etwas in Angriff zu nehmen. Wenn man das Innere sieht, die Installationen, kann man sich kaum vorstellen, dass hier Kinder gelebt haben. Leider wurde beim Umbau vieles sinnlos zerstört."

Stefan Seidel, Freie Presse, Lengenfeld: "Das Umfeld ist toll, das macht die Wartezeiten kurzweilig."

Jörg Schneider, Plauen: "Das Publikum hier ist sehr interessiert, nicht so, wie man es oft auf Märkten oder bei anderen Veranstaltungen trifft."

Gunde Schneider, Plauen: "Die Schlössertour von Freie Presse ist immer gut organisiert. Wir waren voriges Jahr in Schönberg. Die Familie gibt sich sehr viel Mühe."

Catharina Hering, Zwickau: "Wir waren noch nie hier, von Neumark kennt man nur das Postfrachtzentrum oder die BayWa. Die Familie hier hat sich viel vorgenommen. Das ist ein Werk für mehrere Generationen, nicht nur für eine. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich so etwas anpacken würde."

Anneliese Thümmler, Zwickau: "Für so etwas braucht man Idealismus und muss auf manches verzichten. Das hier ist nicht einfach so gemacht. Da steckt viel Herz drin."

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