Besucher erobern wieder die Schlösser

Urlaub zu Hause - die Coronakrise beschert den altehrwürdigen Ausflugszielen viele Tagestouristen. Auch kleinere Veranstaltungen können besucht werden - unter Auflagen. Da aber große Feste gestrichen wurden, fällt die Bilanz am Ende des Jahres wohl negativ aus.

Rochlitz.

Ferienzeit und Sommerwetter - in diesen Wochen entdecken viele Besucher die Schlösser und Burgen der Region neu. Der Ansturm ist beachtlich.

"Wir sind sehr zufrieden. Es kommen viele Individualtouristen auf Schloss Rochlitz, die sich unser Museum anschauen", freut sich Museumspädagogin Antje Krahnstöver. Vom 5. Mai bis Ende Juli statteten etwas mehr als 7900 Gäste dem Schloss einen Besuch ab. Allein seit Beginn der Sommerferien am 10. Juli kamen knapp 3100 Besucher. Laut Krahnstöver eine Steigerung von mehr als 20 Prozent zum gleichen Zeitraum im Vorjahr.

Als besonderer Besuchermagnet erweist sich die aktuell laufende Ausstellung zur Geschichte des stillen Örtchens "Drauf geschissen 2.0". Zudem wartet die mittelalterliche Anlage nach Angaben von Antje Krahnstöver während der Ferien mit einem erweiterten Angebot auf. So sei zusätzlich auch montags geöffnet. Aktuelle Attraktion sei eine digitale Schnitzeljagd, auf die man per Handy mithilfe der App Actionbound gehen kann. An der Museumskasse ist dafür ein Hotspot eingerichtet worden, sodass man sich die App dort problemlos herunterladen kann, erklärt die Museumspädagogin.

Außerdem gebe es auf dem Schloss jeweils mittwochs für Ferienkinder ein Mitmachangebot - vom Schnupperkurs in der Porphyrwerkstatt über Einblicke in die Welt der Bienen bis zum Erproben von Kampfritualen der Ritter. "Viele Leute machen zurzeit in der Region Urlaub und sind erstaunt, was diese alles zu bieten hat", sagt sie. Dabei sei deutlich zu erkennen, dass der Tagestourismus intensiver geworden ist. Mit Blick auf das Gesamtjahr kommt allerdings etwas Wehmut auf. Denn der Wegfall der großen Feste wie Kunsthandwerkermarkt, Mittelalterburgfest und Herbstfest werde dem Schloss am Ende des Jahres trotzdem ein Besucherminus bescheren, so ihre Prognose.

Auch Schloss Rochsburg, das wegen der Pandemie erst am 21. Mai seine Tore öffnen konnte, registriert dieses Jahr bei Tagestouristen ein stärkeres Interesse als in vorangegangenen Jahren, bestätigt Schlossleiter Andreas Quermann. "Der reguläre Besucherverkehr läuft sehr gut." Da wegen Corona die Busreisen weggefallen sind, kämen aber weniger Reisegruppen als in "normalen Jahren" auf die Rochsburg. Wenngleich auch er davon ausgeht, dass zum Jahresende die Besucherzahlen nicht wie gewohnt erreicht werden, da geplante Veranstaltungen ausfallen müssen, könne die Rochsburg dennoch auf einige Höhepunkte verweisen. Als Beispiel nennt Quermann die Sonderausstellung "Konferenz der Tiere" von Matthias Garff. Zudem laufe aktuell eine Ausstellung historischer Postkarten. "Diese dürfte vor allem für Anwohner interessant sein", meint Quermann. Auch die Außenführungen würden wieder beginnen. Fraglich sei aufgrund der Pandemieentwicklung, ob das Campana-Festival im Oktober steigen kann. "Im Moment denken wir, dass es stattfinden kann. Aber wir wissen nicht, ob es einen Rückschlag wegen der zweiten Coronawelle gibt", sagt der Schlossherr.

Die Lockerungen der Coronaauflagen haben auch der Burg Kriebstein seit dem 19. Juli wieder mehr Gäste beschert, bestätigt Veranstaltungsmanager Remo Stäglich. Seither dürfen Veranstaltungen wieder unter Auflagen durchgeführt werden. Leider habe die "Burg der Märchen" abgesagt werden müssen. Das sei bedauerlich, so Stäglich. Erfreulich sei aber, dass ein deutlich größerer Besucherandrang im Museumsbereich zu erkennen ist. Erwähnenswert sei, dass sich die Burg Kriebstein am 29. August erstmals an der "Nacht der Schlösser" beteiligt.

Doch auch die Burg Mildenstein bei Leisnig, für die Remo Stäglich als Veranstaltungsmanager ebenso zuständig ist, habe einiges zu bieten. Da das Leisniger Stadtfest in diesem Jahr wegen der Coronapandemie abgesagt werden musste, habe die Burg Mildenstein für den 22./23. August ein mittelalterliches Kleinkunstwochenende auf die Beine gestellt, für das die Eintrittskarten bereits per Internet oder im Webshop der Burg Mildenstein bestellt werden können.

Die Anzahl der Besucher sei allerdings auf 500 begrenzt, so Remo Stäglich. Insgesamt kann er aber für beide Burgen konstatieren: "Die Museen werden von wesentlich mehr Touristen besucht als in vorangegangenen Jahren. Leider aber müssen die geplanten Feste ausfallen." Das könnte sich auf die Gesamtbilanz 2020 dann ebenfalls negativ auswirken.


Aus den Angeboten

Schloss Rochlitz: "Fett, Einäugig, Revolutionär" heißt die Dauerausstellung. Im Zentrum stehen drei Wettiner, die die Geschichte des Rochlitzer Schlosses besonders geprägt haben. Noch bis zum 1. November ist die Sonderausstellung "Drauf geschissen 2.0 - Eine kleine Kulturgeschichte des stillen Örtchens" zu sehen. Kinder

ab 5 Jahren können am 5. August um 10 Uhr, 11.30 Uhr, 13 Uhr, 14.30 Uhr und 16 Uhr Küchengeheimnisse

in der Schlossküche entdecken. Die

Teilnehmergebühr beträgt 6 Euro.

Um Voranmeldung wird gebeten.

Schloss Rochsburg: Ferienkinder können am 7. August um 11 Uhr und 14 Uhr auf Märchen-Entdeckertour gehen. Dabei kann man viel Interessantes zur sagenhaften Geschichte des Schlosses erfahren. Der Eintritt kostet 6 Euro. "Hofgang mit Geschichte(n)" heißt es am 9. August, 14 Uhr. Bei diesem Rundgang kann man die mehr als 800-jährige Geschichte der Rochsburg kennenlernen. Eine Voranmeldung ist erforderlich. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Burg Kriebstein: "Dicke Luft - Burg Kriebstein und die Papierfabrik 1856 bis 1945" heißt eine Sonderausstellung, die noch bis zum 31. Oktober läuft. Einstündige Ferienführungen "Die alten Rittersleut" gibt es am

6. August ab 11 und ab 14 Uhr. (ule)

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