Das Ende der Mär vom ständig klammen Robert

Mit Hilfe des Schumannhauses in Zwickau wird gegenwärtig die Edition der Briefe Robert und Clara Schumanns fortgesetzt. Eine Gelegenheit, manche Legende auszuräumen.

Zwickau/Köln.

Es gibt biografische Mythen, die halten sich lange und hartnäckig. Im Falle des Komponisten Robert Schumann (1810 - 1856) gehört dazu, dass er in seinen Briefen seine Brüder beständig um Geld angehauen habe. Teils vor mehr als 100 Jahren in Bruchstücken edierte Ausgaben seiner Korrespondenz legen solche Schlüsse nah. Doch wie in anderen Fällen, so lohnt es auch hier, einen Blick auf das Gesamtbild zu werfen. Im Fall des Zwickauers und seiner Frau, der Pianistin und Komponistin Clara Schumann (1819 - 1896), unternehmen das Robert-Schumann-Haus Zwickau gemeinsam mit dem Musikwissenschaftlichen Institut der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden, der Akademie der Wissenschaften in Leipzig und zahlreichen weiteren Partnern seit 2008 diesen Kraftakt: Bisher 30 Bände umfasst die Edition der Korrespondenz, die das Künstlerehepaar, gemeinsam und einzeln, mit Verwandten, Freunden, Künstlerkollegen, Konzertveranstaltern, Verlegern etcetera führte - und miteinander. Weitere 20 Briefbände sollen bis zum Jahr 2025 folgen.

Laut Thomas Synofzik, Direktor des Zwickauer Robert-Schumann-Hauses, das unter seinem Dach den weltweit größten Bestand an Originalzeugnissen aus dem Leben Robert und Clara Schumanns verwaltet, sind die Forscher in diesem Fall in einer glücklichen Lage: Schumann habe akribisch Buch geführt über Postein- und -ausgang, darum wisse man gut, was vorliegt und wo Lücken sind. So seien etwa 80 Prozent aller Briefe erhalten, die er an seine Mutter geschrieben hat, von ihren Briefen an ihn zwei Drittel.

Zum am Montag begangenen 210. Geburtstag Schumanns ist in der von Anbeginn beim Kölner Verlag Dohr erschienenen Briefreihe nun ein Band mit lokalem Bezug herausgekommen: Herzstück ist die über hundert Briefe umfassende Korrespondenz Robert Schumanns mit seiner Mutter Christiane Schumann in Zwickau. Bereits als Siebenjähriger richtete Robert Schumann seine ersten Briefe an die Mutter. Und während der junge Schumann schon als 16-Jähriger den Tod seines Vaters verschmerzen musste, blieb ihm die Mutter noch zehn weitere Jahre erhalten. Nachdem Robert Schumann 1828 seine Heimatstadt verließ, um in Leipzig und Heidelberg zu studieren, blieb der briefliche Austausch mit seiner Mutter für ihn von großer Bedeutung - er selbst bewahrte die Briefe säuberlich auf und aus seinem Nachlass gelangten sie ins Zwickauer Schumann-Museum.

Weiterhin enthält der Band auch die nur bruchstückhaft überlieferten Korrespondenzen Robert Schumanns mit seinen Brüdern Eduard, Julius und Carl. Und die geben nun eben das Gesamtbild wieder und räumen mit der ein Jahrhundert alten Mär vom notorisch klammen Robert auf: Mit Erreichung seiner Volljährigkeit hatte Robert Schumann seine drei älteren Brüder Eduard, Carl und Julius, die alle im Verlagsgeschäft in des Vaters Fußstapfen traten, mit Darlehen ausgestattet. Deren Tilgung zog sich zum Teil über Jahrzehnte hin - Robert Schumanns Zahlungsbitten waren somit gut begründet.

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