"Das ist ein ganz großer Erfolg"

Der SV Fortuna Langenau darf als Erster der Fußball-Mittelsachsenliga in die Landesklasse aufsteigen. Allerdings sind nicht alle Teams mit dem Saisonabbruch glücklich.

Freiberg/Flöha/Mittweida.

Dass in der Fußball-Mittelsachsenliga bereits in der Weihnachtszeit weitreichende Entscheidungen für eine gesamte Saison fallen, hätte wohl niemand für möglich gehalten. Doch nach Abbruch der Spielzeit 2019/20 aufgrund der Coronakrise geht die Tabelle nach dem ersten Rückrundenspieltag in die Wertung ein. Dabei hatte es am letzten Spieltag vor der Winterpause noch einmal einen Wechsel an der Spitze gegeben: Fortuna Langenau gewann in Frankenberg 3:1, überholte damit den TSV Langhennersdorf und darf sich nun auf die Landesklasse freuen.

"Der mit Platz 1 verbundene Aufstieg ist für das kleine Langenau ein ganz großer Erfolg", strahlt Fortuna-Trainer Matthias Zänker, für den der Abbruch der Saison alternativlos war. "Ich habe die Mannschaft 2016 übernommen und mit ihr zwei Aufstiege geschafft. Das macht mich sehr glücklich." Dem Verein sei es gelungen, die erfolgreiche Nachwuchsarbeit in den Männerbereich zu übertragen, so Zänker. "Jetzt wollen wir diesen Kurs fortsetzen und weiter junge Talente aus den eigenen Reihen bei uns einbauen."

Fortuna-Urgestein Uwe Nestler erinnert sich zwar an die vielen Jahre, in denen Langenau früher in der Bezirksklasse kickte. "Doch in einer Liga von der Qualität der Landesklasse konnten wir bisher nicht mitmischen." Der Aufstieg sei das Ziel gewesen, so der langjährige Nachwuchstrainer. "Die Freude ist riesengroß und die Perspektive genial", sagt der 61-Jährige. "Ich bin unheimlich stolz auf die Truppe."

Beim TSV Langhennersdorf, fällt nun plötzlich die 1:4-Heimniederlage gegen den BSC Freiberg II im Dezember schwer ins Gewicht. Denn dadurch rutschte das Team von Trainer Rudi Lassen von Platz 1 auf Rang2 ab und muss der Fortuna den Vortritt im Aufstiegsrennen lassen. Als "unglücklich" bezeichnet der TSV-Trainer die Regelung, den ersten Rückrundenspieltag noch zu werten. "Es wäre vielleicht fairer gewesen, wenn man nur die Hinrunde genommen hätte. Da hatte jeder gegen jeden einmal gespielt." Aber das könne man nicht mehr ändern, so der Schwabe, der die Mannschaft im Sommer übernommen hatte. Ziel sei durchaus der Aufstieg gewesen, so Lassen: "Aber jetzt soll Langenau hochgehen. Wir kommen dann in einem Jahr nach."

Auch für Christopher Abraham, Spieler und Abteilungsleiter beim TSV, ist die Entscheidung des Kreisverbandes ein "zweischneidiges Schwert". "Wir hatten zwar für die Landesklasse gemeldet, aber zuerst hätten wir die Leistung der Hinrunde bestätigen müssen." Den Aufstieg so zu verpassen, sei sicherlich bitter. "Doch es wäre dramatischer, wenn wir es zum Beispiel am letzten Spieltag verbockt hätten."

Für Mirko Schwoy ist das vorzeitige Saisonende nachvollziehbar. "Wir müssen und können mit dieser Entscheidung leben. Für mich war wichtig, dass sich meine Mannschaft weiterentwickelt hat", sagt der Trainer des TSV Flöha. Aus seiner Sicht stehe mit Langenau die Mannschaft ganz oben, die er auch bei einem regulären Ende der Spielzeit auf dem 1. Platz erwartet hätte, so der Coach des Tabellendritten.

Beim TSV Großwaltersdorf/Eppendorf sehen Spieler und Trainer das Endklassement entspannt. "Da wir nicht aufsteigen wollten, können wir mit dem 4. Platz gut leben", sagt Trainer Robert Hohlfeld. Natürlich sei es schade, dass die Saison so zu Ende ging, "denn in diesem Jahr zeichnete sich ein ganz spannender Kampf um den Titel ab".

Beim Oederaner SC hatte man im Frühjahr noch einiges vor. "Wir waren heiß auf die Rückrunde und wollten noch den einen oder anderen Platz gutmachen", sagt OSC-Trainer Nils Hähner. Er hätte gern nach langer Zeit wieder den Sprung in die Top Drei geschafft, "aber Platz5 müssen wir akzeptieren".

Auch beim FSV Motor Brand-Erbisdorf nahm man die Nachricht vom Saisonende und den damit verbundenen Klassenerhalt mit gemischten Gefühlen auf, wie Trainer Steffen Teichert sagt: "Wir hätten das lieber sportlich geklärt." Die Brander hatten durch den 5:0-Sieg gegen Hainichen vor der Winterpause die rote Laterne an Rochlitz abgegeben. Teichert ist sich sicher, dass seine Elf den Klassenerhalt auch auf sportlichem Wege geschafft hätte. "Wir hatten eine gute Vorbereitung, die Truppe war hoch motiviert", sagt der Coach. Dass es keine Absteiger gibt, findet er fair: "Die Teams am Tabellenende sind ja nicht so weit auseinander, da hätte noch alles passieren können."

Ein weiterer Profiteur des Abbruchs ohne Absteiger ist der BSC Motor Rochlitz, der auf dem letzten Tabellenplatz überwintern musste. "Natürlich kommt es uns zugute. Aber ich denke, es gab auch keine Alternative", sagt BSC-Mannschaftsleiter Rainer Schönfeld. In Sachsen seien die Verbände immerhin konsequent vorgegangen: "Das ist ja in Thüringen und Niedersachsen nicht ganz so." Dort soll die Saison im Herbst fortgeführt werden.

Der SV Barkas Frankenberg, im Vorjahr bis zum letzten Spieltag in Abstiegsnöten, beendet die Spielzeit jenseits von Gut und Böse auf Platz 6. Die junge Truppe von Christian Schulze spielte eine solide Saison und kann darauf aufbauen. "Natürlich war der Abbruch für alle etwas schockierend, aber letztlich die richtige Lösung", so der Barkas-Coach. Bauchschmerzen bereite ihm aber die Regelung der Auf- und Absteiger. Diese sei seiner Ansicht nach unsportlich: "Wenn es keine Absteiger gibt, sollte es auch keine Aufsteiger geben."

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