Der Herr von 1766 Bierdeckeln

500 Jahre Kät Wenn Klaus Hempel ein Exemplar aus seiner umfangreichen Sammlung sucht, ist das kein Problem. Ein Blick in den PC genügt. Der Griff in den Schrank auf den richtigen Stapel hat in der Regel Erfolg. So war das auch mit dem Kät-Bierdeckel.

Neudorf.

Klaus Hempel schaltet den Computer ein und ruft den Ordner mit den Bierdeckellisten auf. Die sind alphabetisch geordnet. Liste 1, Stapel 3 - Annaberger Kät. Schon ist das Exemplar gefunden. Der Bierdeckel von 1964 ist in einem lila Farbton gehalten. Die Grafik wurde dem Riesenrad nachempfunden. Auf der Deckelmitte ist: "Annaberger Kät - größtes Volksfest des Erzgebirges" zu lesen. Auch das Datum des Volksfestes wurde hinterlegt: 30. Mai bis 7. Juni 1964. Der runde Zeitzeuge hat auch eine aussagekräftige Rückseite: "Sie kaufen gut im Konsum."

Klaus Hempel weiß nicht mehr, wie dieser Deckel in seine Sammlung geraten ist. "Ich wusste, dass er sich im Fundus befindet und habe das wegen des Aufrufes in der Presse nach Kät-Erinnerungen der Redaktion mitgeteilt", sagt der Neudorfer. Seine Bierdeckel füllen inzwischen einen Schrank in der Wohnung. 1766 Exemplare stapeln sich in den Fächern. Hinzu kommen fünf Kisten mit Tauschmustern. "Bierdeckel lassen sich gut einfach mal so mitnehmen", gibt der Sammler zu.

So richtig angefangen hat die Leidenschaft des Neudorfer nach der Wende. "Wir durften reisen und ich trinke gern mal ein Bier." Damit schärfte sich auch Hempels Blick für die kleinen, bunten Untersetzer, die den Genuss eines "kühlen Blonden" aufwerten können. "Ich habe nie Geld dafür ausgegeben, das eine oder andere Exemplar zu bekommen", sagt der 56-Jährige. Alles blieb im privaten Sektor. "Freunde, Kollegen und Nachbarn wissen, dass ich Bierdeckel sammle. Sie bringen mir schöne, seltene oder auch ausgefallene Gestaltungen als Aufmerksamkeit aus aller Herren Länder mit", erklärt Hempel lächelnd. So füllen Drucke aus den USA, aus Spanien, Portugal, Italien, Österreich und fast allen deutschen Bundesländern den Fundus. Dabei sind auch viele schnörkellose DDR-Drucke.

Die Brauereien lassen sich erstaunlich viel einfallen, was Farben und Formen und Größen der Getränkeuntersetzer betrifft. Einige Deckel dokumentieren Ereignisse oder bewerben neue Biersorten. Auch Vereine nutzen Bierdeckel, um auf Jubiläen oder Anlässe aufmerksam zu machen. Manchmal fragt Klaus Hempel auch in Brauereien nach oder bekommt in Wirtschaften das eine oder andere besonders schöne Exemplar angeboten. Dazu gehören auch Besonderheiten, wie die Frage- und Antwortreihe einer Brauerei oder unterschiedliche Cartoons auf den Rückseiten der Deckel. Klaus Hempel nutzt in der Regel die Wintermonate, um Ordnung in seinen Fundus zu bringen. Dann, so der Montagearbeiter und Ehemann, auch gern mit einem Bier.

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