Der Wald vor dem Kollaps? Forstminister fordern Masterplan

Der Klimawandel und Extremwetterlagen bereiten den Wäldern Stress. Um die grüne Lunge des Landes zu retten, sollen nun gezielte Maßnahmen erfolgen. Auch Naturschützer stellen Forderungen.

Moritzburg.

Deutschlands Wälder sollen mit einem Masterplan vor dem Kollaps bewahrt werden. Dafür fordern die Forstminister der unionsgeführten Länder vom Bund in den kommenden vier Jahren 800 Millionen Euro, die den Ländern für akute, aber auch langfristige Maßnahmen zum Erhalt des Waldes zur Verfügung gestellt werden sollen. Die "Moritzburger Erklärung" wurde Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in einem Waldstück nahe Dresden überreicht. Die Länder sollen sich mit zusätzlichem Geld beteiligen, sodass die Summe am Ende bei mehr als einer Milliarde Euro liegen soll. An dem Treffen waren Vertreter aus Bayern, Sachsen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen beteiligt.

Klöckner sieht gute Gründe für die Forderung der Länder und brachte als Geldquelle den Klimafonds der Bundesregierung ins Gespräch. Ihr zufolge haben die Schäden ein nationales Ausmaß angenommen. "Unser Wald ist in Gefahr." Es gebe eine Addition von Schäden durch Stürme, Trockenheit und Borkenkäferbefall, der den Wäldern zugesetzt habe. Dies sei noch nicht zu Ende. Sie sprach sich für stabile Mischwälder aus. "Es ist eine Generationenaufgabe." Man habe aber die Pflicht, schon heute aktiv zu sein.

In dem Masterplan geht es unter anderem um eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und Nutzung des Holzes, um die Beseitigung von Schäden und den Waldumbau. Bei den Schäden und der Wiederaufforstung sollen Waldbesitzer unterstützt werden. Ein weiterer Punkt ist der Schutz vor Waldbränden und die Brandbekämpfung. Es geht aber auch um einen Blick in die Zukunft, um Innovation und Monitoring. Damit zielen die Minister auf eine praxisbezogene Forschung für geeignete Baumarten ab.

Sachsens Forstminister Thomas Schmidt (CDU), der zu dem Treffen eingeladen hatte, schilderte das Ausmaß des Problems. "Der verheerende Borkenkäferbefall führt derzeit zum Absterben ganzer Wälder. Die Holzpreise sind im Keller. Nicht nur private, sondern auch kommunale und staatliche Waldbesitzer sind mit ihren Ressourcen an ihren Grenzen angelangt." Sie alle brauchten deshalb dringend Unterstützung.

In der "Moritzburger Erklärung" betonen die Minister, dass die Beseitigung der Waldschäden und die Wiederaufforstung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. "Der ohnehin laufende Waldumbau muss noch mehr als bisher auf das sich ändernde Klima ausgerichtet sein. Dabei sind wir auch auf die intensive Forschung angewiesen", sagte der Schmidt. Nur so könne man dem deutschen Wald aus der Krise helfen und ihn zukunftsfest machen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßte die Initiative. "Der Waldgipfel kann jedoch nur ein erster Schritt sein und darf vor allem kein Show-Gipfel werden", so BUND-Chef Hubert Weiger. "Was wir jetzt dringendst brauchen, sind konkrete und effektive Maßnahmen, um das Waldsterben 2.0 zu stoppen." Man fordere ein Waldumbauprogramm von mindestens einer Milliarde Euro für den raschen Umbau naturferner Nadelforste hin zu naturnahen Laubmischwäldern. Zusätzlich brauche man ein Hilfsprogramm über 500 Millionen Euro zur Unterstützung privater Waldbesitzer.

Nach Einschätzung von Tanja Sanders, Bereichsleiterin Waldökologie und Biodiversität am Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde, kann von einem Waldsterben 2.0 noch keine Rede sein, auch nicht von einem Klimanotstand im Wald. Es gebe allerdings ein Baumsterben, das je nach Region unterschiedlich ausfällt und verschiedene Ursachen hat. Von einem flächigen Waldsterben will die Wissenschaftlerin jedoch nicht sprechen. Das mache das Ganze jedoch schwer erklärbar, sagte sie. (dpa/jdf)

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