Gehasst, ermordet, verklärt

Vor 100 Jahren wurden die beiden Arbeiterführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin von deutschen Freikorpssoldaten getötet. Kaum ein politischer Mord hat die Gemüter so bewegt - und zwar bis heute. Vor allem die Ideen Luxemburgs rumoren weiter in den Köpfen der Menschen des 21. Jahrhunderts.

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1313 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    gelöschter Nutzer
    17.01.2019

    Meinen Sie so ein "Zugehen", wie nach 45?
    Da sind die Kommunisten ganz freundlich auf die Sozialdemokraten zugegangen, man hat sich auf Augenhöhe abgestimmt und schwups, saßen die Sozialdemokraten in Speziallagern und die SED war eine Partei der "Einheit".
    Da waren Ebert und Scheidemann und Noske klüger als Grotewohl und Buchwitz.

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    Freigeist14
    17.01.2019

    franzudo@ Ihre Reaktion spricht Bände , Geschenkt . Acals@ Ihre subtile Melange aus Halbwahrheiten, Unterstellungen und völliges Verdrehen von geschichtlichen Ereignissen macht Ihnen keiner so leicht nach. Die Zeit muss man erst einmal aufbringen-Respekt . Das die Protagonisten des Aufstandes und der Münchener Räterepublik selber jüdischer Abstammung waren ,wissen Sie doch selber . Die Eskalation der Gewalt ginge ohne Not von den Schergen um Noske aus,die abgestumpft durch den Krieg vor Gewalt und Gefangenerschießungen nicht zurück schreckten. Allerdings war der Aufstand im Berliner Zeitungsviertel von Beginn an zum Scheitern verurteilt ,so daß die Gewalt in Berlin eskalierte . Ein Zugehen auf die Forderungen der Arbeiter und Soldaten wäre für Ebert und Scheidemann durchaus möglich gewesen. Aber in ihrer Machtgier und voreiligen Ergebenheitsbekundungen an die alten erzreaktionären Eliten vergaben sie ihre historische Chance. Daran zerbrach letzten Ende die Weimarer Republik .

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    acals
    17.01.2019

    Ich darf anmerken:

    Nicht nur nach anerkannter Meinung von Historikern - vgl.:

    Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4: Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914–1949 C.H. Beck Verlag, München 2003, S. 537.

    sondern auch durch persönliche Berichte etc wissen wir, dass der ausgerufene Bürgerkrieg den Rat der Volksbeauftragten stürzen sollte, um die für den 19.1. geplanten freien Wahlen zu verhindern. Nichts fürchten nämlich Kommunisten mehr ...

    Wird ein Staat mit Waffengewalt angegriffen und wird dazu aufgerufen, dann wird der Staat reagieren, so er handlungsfähig ist. So schrieb auch die KPD am 9.1.19 auf Flugblätter " gegen die ... Judasse in der Regierung ... gebraucht die Waffen gegen eure totfeinde ..."

    Wenn ein Herr Syrier zum millionenfachen Massenmoerder an seinem Volk wird, dann ist das iO, meinen manche - denn er verteitigt ja seine Rechte (ohne freie Wahlen einzuraeumen). Wenn nun ein Rat der Volksbeauftragten - der ja freie Wahlen abhalten will - auf koerperliche Gewalt reagiert, dann nur als äußerstes Mittel. "Einer muss der Bluthund sein" bedeutet das wir uns gegen das abgeschlachtet werden wehren. Die Juden im Warschauer Ghetto haben das zB auch getan. Hier ist das aber falsch, weil es ist halt einfach die falsche Seite die sich rechtsmäßig wehrt. Dieser Logik kann man folgen, sie ist aber für 100 Mio-fachen Mord weltweit verantwortlich. Das ist übrigens unter Historikern anerkannt.

    Auch hier gibt es pazifistische Stimmen, die gegen Einsatz von Waffengewalt sprechen - eine solche Entscheidung im Notfall muss jeder für sich treffen. Es bleibt aber dabei - Wer zum Schwert greift, kommt durch das Schwert um. Die jahrtausende alte Weisheit hat sich auch im Fall von Karl und Rosa eindrucksvoll bestätigt.

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    gelöschter Nutzer
    17.01.2019

    @freigeist14, wahrscheinlich halten Sie Marxismus-Leninismus für Wissenschaft?
    Revisionistische Geschichtsumdeutung ist die Paradedisziplin der Kommunisten, da suchen Sie Holodomor und Gulag vergebens in den Büchern. Als Historiker wuerde ich diese Leute nicht bezeichnen.

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    Freigeist14
    16.01.2019

    Die Apologeten der alten - den Krieg zu verantwortenden- Eliten sind sich seltsam einig . So kann man nur schreiben,wenn man die Not,den Hass auf Kaiser und andere Führer zur Schlachtbank des Weltkrieges nicht zur Kenntnis nehmen will. Was ich schrieb ist unter Historikern Konsens - unabhängig von revisionistischer Geschichtsumdeutung . Punkt .

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    gelöschter Nutzer
    16.01.2019

    @acals, so gut kann ich das leider nicht formulieren. Sie treffen ins Schwarze !

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    acals
    16.01.2019

    @franduzo: Sie haben nicht unrecht wenn Sie formulieren, dass die beiden aus eigener Schuld ihr Leben verloren haben. Sie haben aber unrecht wenn Sie sagen, dass die beiden aus eigener Schuld ermordet wurden.

    Wer zum Bürgerkrieg aufruft, der preist ein das die andere Seite ebenso kriegerische Mittel einsetzt. Ist diese andere Seite legitimer Rechtsvertreter tut auch sie gut daran bei "bleibendem Krieg" für ein schnelles Ende zu sorgen (Einer muss der Bluthund sein), das ist sie "dem Volk" schuldig.

    Das entschuldigt oder rechtfertigt aber in keinster Weise den feigen Mord an den beiden. Sie hätten vor ein Gericht gehört, als Kriegstreiber wäre der Galgen ihr Schicksal gewesen - denn das war die Rechtslage.

    Insofern haben Sie nun wiederum Recht, denn Liebknecht und Luxemburg haben eben nicht Gewalt und Tote abgelehnt. Wir dürfen uns aber bestimmt darauf einigen, dass die ohnehin aufgerührte Situation gewaltfrei-rationales Agieren damals nicht zuliess; und das auf beiden damaligen Seiten. Persönlichkeiten a la Ghandi hatte Deutschland nicht in 1919. Das ist mehr als Schade und ausserordentlich zu bedauern. Deswegen trauere auch ich an diesen Tagen.

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    Freigeist14
    16.01.2019

    Ich muss nicht dabei gewesen sein um die Geschehnisse und Ursachen richtig einzuordnen . Was hat die Revolution 1918/19 mit dem Stalinismus zu tun ? Durchschaubare Ablenkung zu mal Rosa Luxemburg schon 1904 den Zentralismus Lenins kritisierte und ablehnte . Ihre rhetorische Frage zur Gewalt will wohl vollständig die Urheber der Gewalt gegen Aufständige in Kiel,Bremen oder Berlin auf den Kopf stellen .Gustav Noske "der Bluthund " gab z.B am 10.Januar 1919 persönlich den Befehl zur Zerschlagung der Bremer Räterepublik. Widerstand der Soldaten und Arbeiter war zur Gegenwehr .Das die Erinnerung an die Ereignissen 1919 aus den kollektiven Gedächtnis verschwinden sollen passt zum Zeitgeist der heutigen BRD .

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    gelöschter Nutzer
    15.01.2019

    Waren Sie dabei?
    Ihre Worte erinnern mich an meinen Geschichtsunterricht in der DDR. Da ging die Menschwerdung erst 45 los. Wie ordnen Sie den die Ermordung der Zarenfamilie und die stalinistischen Schauprozesse ein? Als Betriebsunfaelle?
    Jede Gewalt und jeder Tote ist abzulehnen. Haetten das Liebknecht und Luxemburg genauso gesehen?

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    Freigeist14
    15.01.2019

    Infame Geschichtsfälschung und Beschmutzen des Andenkens Verstorbener . Wochenlang stand damals an den Aushängen der Litfaßsäulen und Häuserwänden Berlins "Schlagt ihre Führer tot !" . Und die Gewalt ging nachweislich von den sich bildenden Freikorps und ultrarechten,monarchistischen Bürgerwehren -und nicht von den Aufständigen - aus . Ein feiger Mord an wehrlosen Gefangenen . Weiter wird geleugnet ,das der Revisionismus der Kriegsniederlage und der Machterhalt der Junker ,Kriegsgewinnler und Erznationalisten fast zwangsläufig zur nationalsozialistischen oder Militärdiktatur führen musste. Manche hatten wohl einfach im Fach Geschichte gefehlt oder sich nach der politischen Wende in einschlägigen Publikationen "weitergebildet " .

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    gelöschter Nutzer
    15.01.2019

    Politisch verantwortlich waren die beiden Ermordeten selbst. Sie wollten den kommunistischen Umsturz nach sowjetischem Vorbild. Dann wäre die Zahl der Toten viel höher gewesen. Ob die Nationalsozialisten jemals an die Macht gekommen wären, wenn die Internationalsozialisten nicht so brutal vorgelegt hätten, ist zumindest eine Frage wert.

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    Freigeist14
    14.01.2019

    Danke Herr Lorenz für diesen würdevollen Beitrag . Nur muss ich sagen,daß die Rolle Gustavs Noskes bei der Ermordung und Strafvereitelung alles andere als "unklar" ist .Der rechte SPD-Mann war als "Volksbeauftragter" berufen und verantwortlich für die Niederschlagung der Aufstände in Berlin. "Einer muss der Bluthund sein" .Er gab den Freikorps im Reich den Freibrief zu den berüchtigten Gewaltexzessen gegen Arbeiter und Soldaten mit tausenden Toten .Politisch verantwortlich für den Tod der Spartakisten-Führer war die SPD von Ebert und Scheidemann .

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    acals
    14.01.2019

    Danke an Sie, Herr Lorenz, an die Fachredaktion und die ganze FP diesen Artikel in dieser Form anlaesslich des 100. Jahrestages der Ermordung.

    Das Buch von Herrn Piper, da stimme vooumfaenglich zu, ist exzellent recherchiert und bietet tatsaechlich noch mehr Ueberraschungen.

    Mein Fazi waere das der Einsatz von koerperlicher Gewalt niemals das Ziel erreichen kann, was vordergruendig anstand. Friedlich ist der einzige Weg zu nachhaltigen Veraenderungen zu kommen.