Goldenes Jubiläum für Falkensteins Eule-Orgel

Zur Jubiläumsvesper haben am Samstag etwa 100 Gäste die Königin der Instrumente in der Stadtkirche in Solo-Aktion und Cello-Begleitung erlebt.

Falkenstein.

Sie hat 3180 Pfeifen, drei Manuale und ein Pedal. Wo der Laie mit nüchternen Zahlen wenig anfangen kann, helfen Töne der Vorstellungskraft auf die Sprünge. Zum 50. Geburtstag zeigte am Samstag die Eule-Orgel in der Falkensteiner Kirche Zum Heiligen Kreuz, wozu sie fähig ist. Im Einklang mit Cello-Studentin Sophie Walther aus Weimar präsentierte der Crimmitschauer Kantor Maximilian Beutner etwa 100 Zuhörern die gesamte Bandbreite des Instruments: Werke von Vivaldi und Bach bis Piazzolla, getragene Meditationen, gefühlvolle Adagios und schließlich Klezmer mit seiner Mischung aus Schwermut und Heiterkeit.

Für die beiden Musiker war es das dritte gemeinsame Projekt seit 2018. Fast anderthalb Stunden ließen Sophie Walther und Maximilian Beutner ihre Instrumente sprechen. Der in Falkenstein aufgewachsene Crimmitschauer hätte wohl gerne noch länger an der Orgel gesessen. "Die 50 Jahre hört man ihr überhaupt nicht an", staunte er. Was vielleicht auch an der Tatsache liegt, dass sie sich seit ihrer Weihe im Mai 1970 mehrfach Sanierungen unterzog. Die letzte liegt zwei Jahre zurück.

Gilbrecht Schäl, Kantor der Evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Falkenstein-Grünbach, kennt die Orgel seit seinem Dienstantritt 1979. "Wenn ich eine Taste drücke, kommt wirklich sofort der Ton", fällt ihm ein wichtiges Plus ein. "Bei größeren pneumatischen Orgeln entsteht da eine Verzögerung, die sehr unangenehm für den Spieler sein kann." Schäl geht davon aus, dass sie eine der jüngsten ihrer Art in der Region ist. "Von den größeren mit Sicherheit", sagte er. "Unter den kleineren gibt es bestimmt auch noch jüngere."

Das Instrument in der Falkensteiner Kirche ist das letzte, das Orgelbaumeister Hermann Eule in seiner Bautzener Werkstatt noch selbst vollendete. Weil ihre Vorgängerin kleiner war, musste vor dem Einbau die zweite Orgelempore entfernt werden. 1966 hatte der musikalische Gottesdienst- und Konzertbegleiter aus dem Hause Jehmlich das Zeitliche endgültig gesegnet. Mit anderen Worten: Die Orgel war zum Sorgenkind geworden. Immer öfter musste sie nachgestimmt werden, auch der Verschleiß von Membranblättchen für die Pfeifen-Ventile schritt gewaltig voran. Zu allem Übel bestanden diese Blättchen aus Spezialleder, das in der DDR nicht zu haben war und über das Evangelische Hilfswerk mit Devisen aus dem Westen beschafft wurde. Also entschied man sich für einen Neubau.

Wie viel die Gemeinde für ihre Eule-Orgel zahlen musste, entzieht sich Schäls Kenntnis. "Viele haben aber gesagt, es sei gut gewesen, dass sie noch vor der Wende gekauft worden ist", weiß er. "Ohne Unterstützung der Partnergemeinden hätte das aber gar nicht funktioniert."

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