Andrang bei Staatshilfen: Hilferuf des Mittelstands

Vater Staat ist gerade in Krisenzeiten als Helfer gefragt. Die Hilfen von Bund und Ländern in der Corona-Krise finden viel Anklang. Doch der Mittelstand fühlt sich bisher vernachlässigt.

Dresden (dpa/sn) - Während die Hilfsprogramme des Landes und Bundes für die Wirtschaft in Zeiten der Corona-Krise viel Anklang finden, fordert der Mittelstand in Sachsen mehr Beistand ein. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) forderte vom Bund Korrekturen am Corona-Hilfspaket. «Beim Thema Wirtschaftshilfen muss dringend nachgesteuert werden. Die Bazooka, von der die Rede war, hat eine Ladehemmung», sagte er am Mittwoch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. «Es gibt eine Lücke bei der Unterstützung des Mittelstands, die viele der Unternehmen in ihrer Existenz bedroht. Diese Lücke muss geschlossen werden.»

Mittelständische Unternehmen bräuchten «genauso wie die Kleinbetriebe Zuschüsse statt Kredite, um ohne Einkünfte, aber mit laufenden Kosten ein Vierteljahr zu überleben», erklärte Kretschmer. Die Bundesregierung habe den Mittelstand offenbar zu wenig im Blick.

Auch die Industrie- und Handelskammer Dresden sah Nachholbedarf und nannte explizit das sächsische Landesprogramm. «Mit dem Darlehensprogramm «Sachsen hilft sofort» hat der Freistaat einen ersten und richtigen Schritt gemacht, wobei die Begrenzung auf eine Million Jahresumsatz zu viele Unternehmen ausschließt. Hier sollte die Grenze unbedingt nach oben verschoben werden», erklärte Hauptgeschäftsführer Detlef Hamann. Unternehmen mit elf und mehr Mitarbeitern müssten das Programm gleichfalls nutzen können.

Unterdessen verspürt das Wirtschaftsministerium in Sachsen eine rege Nachfrage nach den Hilfsprogrammen. Für die Soforthilfe des Bundes gingen bis Dienstag 14 222 Anträge ein. 1539 davon im Umfang 13,5 Millionen Euro wurden bewilligt, 1481 mit einem Volumen 13 Millionen Euro bereits ausgezahlt.

Die meisten Anträge stammten von Restaurants, Friseur- und Kosmetiksalons sowie Dienstleistern und Unternehmensberatern. Die wenigsten Anträge stellten Anbieter von Reparaturdienstleistungen, sagte Pressesprecher Christian Adler mit und nannte zugleich ein Problem: «Die per Post übermittelten Anträge sind oft unvollständig und erfordern Nachfragen beim Antragsteller. Das kostet wertvolle Zeit. Das Unternehmen wartet entsprechend länger auf sein Geld.»

Auch das landeseigene Darlehensprogramm «Sachsen hilft sofort» wird stark nachgefragt: Dafür gingen bisher 10 577 Anträge ein, 3294 im Umfang von 111,6 Millionen Euro wurden bewilligt, 328 für 12,2 Millionen Euro ausgezahlt. Es handelt sich um Darlehen für Einzelunternehmer, kleine Firmen und Freiberufler mit einem Jahresumsatz von bis zu einer Million Euro.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.