Reichenbach stößt sich an Guerilla-Aktion

Lila- und gelbfarbige Schilder tauchen in Netzschkau und weiteren Städten auf. Sie zeigen Sprüche oder Zitate. Doch nicht an allen Orten sind sie gern gesehen.

Reichenbach.

Die Agentur Kismet hat sich in der Coronazeit eine Guerilla-Aktion ausgedacht und damit verschiedene Reaktionen ausgelöst. Dass Kismet nicht nur Schicksal bedeutet und Guerillas in dem Fall nichts mit bewaffneten Überfällen zu tun haben, kann Christina Sczepanski erklären: Sie wollte mit ihrem Werbeunternehmen Buntes ins Corona-Grau bringen. Die heutige Kismet GmbH wurde 2008 von ihr gegründet. "Kismet heißt eigentlich, dass es kommt, wie es kommen soll, aber alles ist für etwas gut. Wir wachsen an jedem Schritt und machen etwas daraus", bringt sie ihre Firmenphilosophie auf den Punkt.

Die kurzen Texte auf Tafeln, Plakaten und Aufklebern wurden und werden im Stil einer Guerilla-Kampagne verteilt. Guerilla steht für Aufständische, für Kämpfer aus dem Untergrund, für eine spezielle Taktik im Stil des Kräfteverhältnisses von David gegen Goliath, für Verwirrung. Guerilla-Marketing bedeutet ungewöhnliche Aktionen mit großer Wirkung, unkonventionell, überraschend, abseits eingefahrener Gleise und manchmal auch im Widerspruch zu bürokratischen Hürden. "Alles brav anmelden hätte dem Charakter einer Guerilla-Aktion widersprochen", meint sie.

Die Texte seien interpretierbare Botschaften. Zum Beispiel: "Was mir am meisten fehlt, sind deine Geschichten." Jeder, der das liest, habe vermutlich eine andere Geschichte im Kopf. Die Kommunikationsfachfrau: "Einer erinnert sich an den Opa, ein anderer an einen bestimmten Lebensabschnitt, an eine Trennung. Manches kann man auf das eigene Leben beziehen. Mit einigen Sätzen weiß man vielleicht weniger anzufangen. Man muss sich auch nicht mit jedem Satz wohlfühlen." Für sie gehören Kunst und Kommunikation zusammen, denn kommunizieren sei eine Kunst. Und Kunst dürfe auch einmal wehtun, sie muss nicht allen gefallen. "Es gibt dafür auch kein festes Rezept wie beim Pudding. Der schmeckt halt immer gleich", stellt sie klar. Die Corona-Zeit war für einen Selbstversuch wie geschaffen. "Wenn wir Sänger wären, hätten wir vielleicht ein lustiges Konzert auf dem Marktplatz gegeben, aber wir sind Kommunikationsexperten und arbeiten mit Botschaften", so die Agentur-Chefin.

Neben den Plakaten, die zuerst in Zwickau und Reichenbach gehängt wurden, gibt es Präsentationen im Social Media, zum Beispiel auf Instagram unter kismetmania. Die ersten Kommentare ließen nicht lange auf sich warten. "Während wir persönlich viel Zuspruch erhalten haben, wurden negative Dinge in Kommentaren gepostet oder als Nachrichten geschickt. Das ist sehr schade, denn wir wären ja gern mit den Menschen ins Gespräch gekommen. Manche Nachrichten begannen mit 'Ich habe gehört...', was natürlich für einen Dialog nicht so gut ist", so Christina Sczepanski.

Anders als in Reichenbach und Zwickau dürfen die Schilder in Netzschkau hängen. In Zwickau wurde eine Frist zum Abhängen gesetzt. "In Reichenbach habe ich keinerlei Offenheit gespürt. Nur ein Dagegen. Die Reaktion in Netzschkau freut mich besonders, denn ich komme ja von da, bin dort aufgewachsen und zur Schule gegangen, habe meine ersten Freundschaften geschlossen und das erste Mal geküsst. Dort habe ich meine Eltern und auch mit meiner Firma begonnen. Ich bin dem Ort sehr verbunden", so die Wahl-Reichenbacherin. Sie empfiehlt, öfter mal nach den Schildern zu schauen. Die Sprüche werden ausgetauscht.

Wenn schon nicht im öffentlichen Raum, so gab es doch Anfragen von Unternehmern und Privatpersonen, die gern Sprüche aufhängen, sogar aus Nordrhein-Westfalen. Die Tafeln und Plakate schmücken inzwischen einen Büchergarten oder Schaufenster, die Aufkleber waren sogar für die Sängerin Jasmin Graf der Renner.

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