Teilweise fliegt der Plastikball wieder

Seit die Turnhallen für den Sport freigegeben sind, läuft das Training im Tischtennis wieder an. Wettkämpfe bleiben allerdings tabu.

Annaberg-Buchholz.

Gut zehn Wochen befanden sich die Tischtennisspieler in der Zwangspause. Weder Trainings- noch Wettkampfbetrieb waren möglich. Doch nun sind in einigen Orten die Innensportstätten wieder für die Vereine geöffnet. Mit entsprechenden Hygienekonzepten ist auch Tischtennis wieder möglich. Denn die schnelle Ballsportart gilt nicht als Kontaktsport, die Spieler stehen mindestens 2,74 Meter - getrennt durch die Platte - voneinander entfernt. Zudem hat der Deutsche Tischtennis-Bund ein Covid-19-Schutz- und Handlungskonzept entwickelt, in dem klar definiert wird, wie Tischtennis in beschränkter, hygienekonformer Form stattfinden kann. So darf kein Doppel gespielt werden, der Seitenwechsel zwischen den Sätzen sollte ebenso entfallen wie das Händeschütteln. Die Bälle sind zu desinfizieren, Spieler sollten möglichst ihre eigenen mitbringen und damit den Aufschlag vollziehen. Bälle in verschiedenen Farben wären vorteilhaft und die Platten sind mittels Spielfeldumrandungen abzutrennen. Außerdem ist die Zahl der Trainingsteilnehmer begrenzt und es müssen Anwesenheitslisten geführt werden. Ein ganz schönes Paket.

Doch wie wird der Wiedereinstieg in das Tischtennisgeschehen bei den Aktiven in den Erzgebirgsvereinen gesehen? Mike Bergelt vom TTC Annaberg findet das Handlungskonzept teilweise übertrieben, der Aufwand sei enorm. "Doch wir sind in der glücklichen Lage, im Sportpark Grenzenlos in einer großen Halle zu spielen. Da lassen sich die Abstände gut einhalten. Auf alle Fälle freuen sich die meisten unserer Aktiven auf den Start, können es kaum erwarten, wieder zu schmettern", berichtet der Vereinschef.

Letzte Woche ist der TSV Elektronik Gornsdorf im Saal des Volkshauses wieder ins Übungsprogramm gestartet. "Zehn Aktive waren da. Die gewohnte Umkleidekabine haben wir nicht genutzt, uns mit Mindestabstand an den Platten umgezogen. Das Duschen ist nicht möglich. Jeder weiß aber, wie mit der Situation umzugehen ist", berichtet Sachsenligaakteur Stefan Meiner.

Dagegen wartet der TTC Lugau, dessen Männer in der kommenden Saison in der Oberliga aufschlagen, sehnsüchtig auf den Trainingsstart. "Unsere Halle in der Sallauminer Straße ist durch die Schule belegt. Wir hoffen, dass wir bald wieder schmettern können. Wir brauchen das Training dringend, schließlich haben wir sechs Männerteams und eine Jugendmannschaft im Spielbetrieb", berichtet TTC-Vereinschef André Carlowitz.

"Wir beginnen mit einem leichten Training für Erwachsene", sagt Abteilungschef Willi Reißmann vom TSV Schlettau. "Das Kindertraining lassen wir hingegen bis September ruhen, weil uns das Risiko zu hoch erscheint. Das tut uns allerdings weh, da wir sehr viele Nachwuchsspieler haben und hoffen, dass uns die Anfänger trotzdem die Treue halten", sagt Reißmann.

Nick Richter vom Bezirksklasse-Meister der Staffel 3, dem TTV Schwarzenberg II, ist nicht davon begeistert, mit all den Einschränkungen in den Trainingsbetrieb einzusteigen. Man sollte einfach noch ein paar Wochen warten, bis alles ruhiger und entspannter abläuft. "Das erspart eine Menge Stress."

So lange will Nachwuchstalent Lenny Schubert aus Schwarzenbergs Zweiter nicht warten. Der Schüler, der zum Landeskader zählt, braucht seine mehrmaligen Einheiten am Talentestützpunkt in Seiffen unter den Fittichen Eberhard Hübners. Bisher konnte sich Schubert nur an der heimischen Platte und mit Konditionsübungen fit halten. Etwas traurig ist der Tannenberger dennoch, denn ein Lehrgang mit dem Bundestrainer wurde abgesagt.

In den Trainingsbetrieb eingestiegen ist der SV Großolbersdorf mit Kindern und Erwachsenen. "Wir haben in der Woche zweimal trainiert - in Hohndorf und in Großolbersdorf mit guter Beteiligung. Wir halten die Abstandsregeln für wichtig", sagt Norbert Gläß aus dem Bezirksklasse-Team. Auch bei Bezirksklasse-Aufsteiger SV Dörnthal-Pockau wurde bereits einmal trainiert. "Das mit den eigenen Bällen halte ich jedoch für Unsinn", meint Abteilungschef Sebastian Einert. Dagegen ruht der Ball noch beim Bezirksligisten SV Großrückerswalde, dessen Turnhalle durch die Prüfungen der Mittelschule belegt ist.

Maria Franz vom frischgebackenen Sachsenligisten TTSV Handwerk Tannenberg findet es hingegen sehr schade, dass keine Doppel gespielt werden dürfen. "Die Doppel würden mir im Wettkampf fehlen. Da waren wir in unserer Aufstiegssaison extrem erfolgreich", sagt die Offensivspielerin. "Dass wir auf die Begrüßungsrituale verzichten, finde ich in der derzeitigen Situation aber schon in Ordnung."

Beim TSV Grün-Weiß Mildenau waren zu Trainingsbeginn sieben Aktive da. "Maximal zwölf wären erlaubt", berichtet Abteilungsvorsitzender Achim Nestler, der sich auch als Hygienebeauftragter sieht. "Die Teilnehmer müssen sich bis 30 Minuten vorher telefonisch anmelden. Rund 15 Bälle haben wir bereitgestellt, die auch desinfiziert wurden. Bald wollen wir außerdem ein erstes Kindertraining abhalten. Vier Platten können wir stellen und mit Umrandungen versehen", berichtet Nestler. Hart trifft es die Mildenauer dennoch. Sie mussten gleich dreifach absagen: das Ü-100-Jahre-Zweier-, ein Nichtaktiven- und das Pokalturnier zum Ortsjubiläum.

Obwohl der Trainingsbetrieb wieder in Gang kommt, ist an Wettkämpfe derzeit nicht zu denken. So rechnet Helge Reh, Vorsitzender des Kreisfachverbandes Erzgebirge, mit einem Saisonstart frühestens im September. "Alle Ranglistenturniere und auch die Erzgebirgsspiele mussten wir absagen. Zudem ist der Verbandstag in den Herbst verschoben worden."

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