Der kurze Draht von Finnland ins Vogtland

Zum ersten Mal seit 1948 erlebte Klingenthal keinen Akkordeonwettbewerb. Das Coronavirus hat das verhindert. Ein Jubiläum steht trotzdem im Fokus.

Klingenthal/Ikaalinen.

Als an einem Junitag 1991 Harri Schneidenbach, Dieter Herold und Wilfried Glaß vom Akkordeonorchester einen kleinen Live-Auftritt beim finnischen Lokalradio Sata-Häme hatten, war das Werbung für das Konzert der Vogtländer in Parkano. Einen Mitschnitt des Konzerts, das unter Leitung von Falko Güther stattfand, besitzt das Harmonika- museum Zwota.

Die Konzertreise der Klingenthaler nach Finnland war ein Projekt, das über das Harmonika-Institut Ikaalinen lief. Dieses kann in diesem Jahr auf sein 40-jähriges Bestehen blicken. "Hinter dem Institut stehen ein Förderverein, die Stadt Ikaalinen und viele Fachleute", sagt Institutsleiter Kimmo Mattila. Finanziert wird die Einrichtung jeweils zur Hälfte von finnischen Ministerium für Kultur und der Stadt Ikaalinen. Mattila: "Schon kurz nach dem Gründung war klar, das für die Arbeit internationale Kontakte wichtig sind und wir begannen, diese aufzubauen."

Das Institut beschäftigt sich mit allen Themen rund um das Akkordeon - Musik, Literatur, Forschungsarbeit. Es besitzt auch ein kleines Museum. Das älteste Instrument in der Sammlung ist eine Harmonika der Zwotaer Firma Gebrüder Ludwig aus der Zeit um 1900.

Eines der ersten großen Projekte mit Klingenthal stammt noch aus der DDR: Im Herbst 1988 gab es Konzerte des Akkordeon-Trios Ikaalinen mit dem Akkordeonorchester Klingenthal in Markneukirchen, Klingenthal und Tannenbergsthal. Diese wurden von Radio DDR und Yleis-Radio mitgeschnitten. Daraus entstand eine Sendung, die zum Weihnachtsfest 1988 in beiden Ländern ausgestrahlt wurde.

Eine ideale Plattform für die Zusammenarbeit des finnischen Instituts mit Klingenthal stellte natürlich der Internationale Akkordeonwettbewerb dar. 1982 war dabei eines der erfolgreichsten Jahre für die finnischen Akkordeonspieler: In der Jugend-Kategorie gewann Pasi Hirvonen vor Juha Salvesvouri, bei den Junioren wurde Marjut Tynkkynen Zweite, und in der Kinder-Kategorie holte Mika Väyrynen den 3. Preis. Tynkkynen und Väyrynen waren in zwischen mehrfach als Juroren beim Klingenthaler Wettbewerb dabei, Hirvonen gilt mit einem Doktortitel der Sibelius-Akademie als einer der namhaftesten finnischen Akkordeonlehrer, während Salvesvouri zuletzt als Kirchenmusiker tätig war.

"Über das Institut haben wir auch viele Studentenbesuche beim Akkordeonwettbewerb in Klingenthal koordiniert. Zweimal konnten wir sogar eine Busreise mit 50 Teilnehmern organisieren", schaut Kimmo Mattila zurück. Viele finnische Fachleute der Musikbranche nutzten dabei die Möglichkeit zu Betriebsbesuchen in Klingenthal und Markneukirchen.

1997 hatte Klingenthals damaliger Bürgermeister Günter Kunzmann Ikaalinen besucht und seine Unterschrift unter ein EU-Projekt gesetzt, in dessen Rahmen 1999 Klingenthaler Musiker zum Sata-Häme-Festival nach Ikaalinen fuhren und im Gegenzug mehrfach finnische Musiker zum Kinder-Musikfest am Aschberg kamen. Auch ein Kalender mit Abbildungen historischer Instrumente aus dem Fundus des Harmonikamuseums Zwota wurde über das Projekt finanziert.

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