Karl-May-Haus: Kosten für Depot liegen über dem Limit

Das bedeutendste Bauprojekt der vergangenen Jahre in Hohenstein-Ernstthal bleibt eine kniffelige Sache. Bauamtsleiter Ulrich Weber ist dennoch zuversichtlich, dass die Ausgaben im Rahmen bleiben.

Hohenstein-Ernstthal.

Der heutige Donnerstag ist zwar noch nicht der ganz große Tag, aber immerhin. Heute wird in Hohenstein-Ernstthal der Grundstein für den Erweiterungsbau am historischen Karl-May-Haus, dem Geburtshaus des berühmten Schriftstellers (1842 bis 1912), gelegt. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), wird bei dem Ereignis dabei sein. Der Erweiterungsbau ist das bedeutendste städtische Bauprojekt der vergangenen Jahre in der Stadt. Bis er aber endlich steht, braucht es noch einen langen Atem.

Am Dienstag hat der Technische Ausschuss des Stadtrates weitere Aufträge für den futuristischen Neubau, in dem hauptsächlich ein Depot untergebracht werden soll, vergeben. Dabei wurde den Ausschussmitgliedern der Fraktionen klar: Die Preise im Bausektor sind nach wie vor gepfeffert. Bei drei der vier Lose, über deren Vergabe am Dienstag abgestimmt wurde, muss Hohenstein-Ernstthal tiefer ins Stadtsäckel greifen als ursprünglich geplant. Für Fassade und Dach beispielsweise muss die Stadt nun rund 282.600 Euro an den Auftragnehmer bezahlen. Kalkuliert hatte sie mit lediglich rund 244.600 Euro. Das macht eine Erhöhung von etwa 15 Prozent aus. Noch heftiger wird es bei den Posten Metallbau und Fenster. Hier liegen die Kosten 40,8 Prozent beziehungsweise 43,3 Prozent über dem Plan.

Bauamtsleiter Ulrich Weber sagte: "Ein Grund für die höheren Kosten liegt tatsächlich in der allgemeinen Preissteigerung." Teilweise würde es sich bei diesem Neubau auch um Spezialbauarbeiten, wie zum Beispiel bei Fassade und Dach, handeln. Die Spezialfirmen würden wissen, was sie wert sind. Das drücke sich schließlich auch in den Preisen aus, so Weber weiter. Lediglich die Zimmererarbeiten - eins der vier Lose vom Dienstag - werden günstiger ausfallen, um knapp zwölf Prozent. Insgesamt muss die Stadt für diese vier Aufträge rund 490.000 Euro überweisen. Eingeplant waren lediglich 424.000 Euro.

Schon bei der Vergabe des Auftrages für den Rohbau war es äußerst brenzlig geworden. Hier war die erste Ausschreibung in die Hose gegangen, nachdem sich nur zwei Firmen beteiligt hatten und die Angebote doppelt so hoch lagen wie der Plan, der 375.000 Euro vorsah. Bei der zweiten Ausschreibung bekam ein Angebot in Höhe von 415.000 Euro vom Stadtrat den Zuschlag.

"Natürlich gibt es auch Lose, die für uns günstiger ausfallen als ursprünglich kalkuliert. Aber aktuell liegen wir insgesamt bei den Kosten über dem Limit", so Weber. Eine genaue Zahl nannte er allerdings nicht. 2,1 Millionen Euro soll der Erweiterungsbau an das Karl-May-Haus insgesamt kosten. Der übergroße Teil wird durch Fördermittel, die von Bund und Land kommen, gedeckt, rund 90 Prozent. Bleibt der Eigenanteil, der mit den höheren Ausgaben steigt: Die Stadt setzt nun darauf, dass der eine oder andere Posten, der noch aussteht, günstiger wird, und dass das Land bei den Fördermitteln etwas nachlegt. "Wir hoffen, dass am Ende die Kosten im eingeplanten Rahmen bleiben", so Bauamtsleiter Weber.

Die Opposition im Stadtrat bleibt skeptisch, was die Finanzierung des Erweiterungsbaus angeht. Stadtrat Sebastian Bernhardt (Linkspartei): "Wir haben das schon im Vorfeld geahnt und immer wieder kritisiert. Jetzt sind wir vom Land abhängig."

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