Wie die Digitalisierung den Metallbau verändert

Die Kunden verlangen immer öfter individuelle Lösungen, zugleich steigen die Anforderungen an die Mitarbeiter. Die Metallbranche steckt im Wandel. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Dresden/Chemnitz.

Die Metall- und Elektroindustrie ist Sachsens größter Industriezweig. Knapp 190.000 Männer und Frauen beschäftigt die Branche zwischen Görlitz und Plauen. Maschinenbau, Elektrotechnik, Metallverarbeitung und Gießereien sowie Fahrzeugbau erwirtschaften dem Branchenverband Sachsenmetall zufolge über 60 Prozent des gesamten Industrieumsatzes im Freistaat. Die Produkte und Anlagen sind dabei seit Jahren international gefragt: Über 40 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erzielt. Eine erfolgsverwöhnte Branche, die sich in den zurückliegenden Jahren deutlich gewandelt hat. Die Digitalisierung, der Einsatz von Robotern, komplexere Technik, eine zunehmend kundenspezifische Produktion sind Schlagworte, die viele Betriebe längst beschäftigen.

Das kann auch Paul Schuschan, Geschäftsführer der Leuteritz Anlagenbau GmbH in Penig (Landkreis Mittelsachsen), bestätigen. Das mittelständische Unternehmen mit rund 60 Beschäftigten ist im Stahlbau tätig. Der Bau von Ställen und Stalltechnik gehört traditionell zum Spektrum, inzwischen aber auch schlüsselfertige Industriebauten, Garagentore, Treppentürme oder Zaunanlagen. Die Auftraggeber kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen - und sie wollen meist eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösung haben. "Das hat unsere Arbeit technisch komplexer gemacht. Die Anforderungen sind größer geworden", sagt Schuschan. Beim Branchenverband Sachsenmetall sieht man das ähnlich. Die Bedarfe der Kunden - egal, ob im industriellen Umfeld oder als Konsumenten - erfahren eine immer stärkere individuelle Ausprägung.

Für den Peniger Betrieb bedeutet das unter anderem, dass zunehmend mehr Ingenieurwissen vorgehalten werden muss, zudem sind laut Schuschan immer mehr Zertifizierungen erforderlich. Nicht zuletzt sind auch die Anforderungen an das produzierende Personal heute andere als vor 20 oder 30 Jahren.

"Der Metallbauer ist ein komplexer Beruf geworden", schätzt Schuschan ein. "Die Arbeit erfordert Wissen und Köpfchen, sie ist jeden Tag anders. Es schafft auch nicht jeder, ein guter Metallbauer oder Schweißer zu werden", ist er überzeugt. Ein Schweißer müsse immer genau wissen, in welcher metallurgischen Phase er sich gerade bewegt und welche Reaktion welcher Werkstoff wann eingehe. "Schweißen ist eine Wissenschaft", spitzt Schuschan zu. Und er fügt hinzu: "Man kann sich hier auch weiterbilden - zur Schweißaufsichtsperson oder zum Schweißfachingenieur."

Köpfchen sei aber nicht nur beim Schweißen gefragt. Der Umgang mit Maschinen sei dank Digitalisierung ein anderer und die Bauvorhaben seien komplexer geworden. Mitarbeiter müssten durchaus Konstruktionspläne lesen und verstehen können, ein räumliches Vorstellungsvermögen haben, sagt der Firmenchef und rührt die Werbetrommel für den Metallbauer - einen Beruf, der heute mit ganz anderen Erwartungen verknüpft ist. Und bei dem die Anforderungen wohl weiter steigen werden.

Davon jedenfalls geht man bei Sachsenmetall in Dresden aus. Das gelte auch für andere Berufe in der Metallbranche. "Die meisten Fachexperten sagen voraus, dass Verantwortung und Anforderungen an die Produktionsmitarbeiter insgesamt steigen werden. Die Qualifikation muss mit der digitalen Aufrüstung von Maschinen und Anlagen einhergehen", schreibt der Verband. Die Beschäftigten würden dabei weiter von monotoner Arbeit und körperlich fordernden Aufgaben entlastet, dafür kämen etwa Elemente der Planung und Steuerung vernetzter Systeme hinzu. "Viele Arbeitsprozesse werden komplexer, gleichzeitig wird aber auch die computergestützte Bedienung von Anlagen und Systemen zunehmend einfacher", heißt es.

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