Affentheater kommt Orang-Utans zugute

Mieter und Vermieter streiten vor Gericht um versiegelte Tür

Zwickau.

Dass er einen Fehler gemacht hatte, gab zumindest sein Anwalt zu. Bis zuletzt fühlte sich aber der angeklagte Immobilienverwalter aus Chemnitz nicht wirklich schuldig. Nach anderthalbstündiger Verhandlung am Amtsgericht Zwickau stimmte der 66-Jährige am Mittwoch dennoch einer Geldstrafe zu - gegen die Einstellung des Verfahrens. Die Staatsanwältin ließ keine Zweifel daran, dass er den Gerichtssaal nie mit einem Freispruch verlassen werde. Nötigung, Veruntreuung, Unterschlagung und Siegelbruch standen im Raum.

Tatort war die Karl-Keil-Straße in Zwickau. Streithähne: Mieter und Verwalter. Der Mieter hatte im Juni 2018 angekündigt, die Wohnung vorzeitig kündigen zu müssen. Der Verwalter widersprach. Als im September 2018 die Miete ausblieb, und der Verwalter erfuhr, dass sein Mieter auf einem Schuldenberg sitzt, ließ er Mitte Oktober das Schloss auswechseln. Der Mieter kam nicht hinein, als er seine persönliche Sachen holen wollte. Der vom Hausmeister gerufene Polizist erinnerte sich: "Das war Kindergarten große Gruppe, der eine sagte das, der andere das." Er versiegelte die Tür - mit drei amtlichen Klebebändern. Tage später waren sie weg, keiner will es gewesen sein. Der Verwalter behauptete gegenüber dem Hausmeister, alles sei geklärt, ließ die persönliche Sachen des Mieters in den Keller tragen und vermietete die Wohnung mitsamt der verbliebenen Möbel neu.

Der Streit wäre wohl nicht so eskaliert, wenn dabei nicht ein Schwibbogen verloren gegangen wäre. Der Mieter, der angeblich auf die Möbel verzichtet habe, aber irgendwann kam, um persönliche Sachen abzuholen, erstattete Anzeige. Schwer bewaffnete Beamte wären bei ihm daraufhin zur Razzia vorstellig geworden, klagte der Verwalter sein Leid. Der Richter sprach von "Affentheater" und kürzte dasselbe gleich ab: Gegen Zahlung von 1500 Euro wurde das Verfahren eingestellt. Das Geld geht an einen Verein, der sich in Borneo um mutterlose Orang-Utans kümmert. Alle stimmten zu. Wo der Schwibbogen untergetaucht ist, bleibt unklar.

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