"Der Tod und das Mädchen": Neue Ausstellung auf Voigtsberg

Liebe, Lust und Leiden stehen im Mittelpunkt einer anspruchsvollen Sonderschau auf Schloss Voigtsberg in Oelsnitz. Die Organisatoren erwarten nicht nur Zustimmung.

Oelsnitz.

Der Knochenmann, der eine junge Frau umarmt oder der Blick in das Antlitz eines Totenkopfes: Solche und weitere Bilder sind derzeit in der neuen Sonderschau "Der Tod und das Mädchen - Leben, Lust, Leiden" zu sehen.

Der Titel orientiert sich in erster Linie an einem schaurigen als auch erotischen Motiv, welches seit dem 16. Jahrhundert in verschiedenen Kunstausführungen verarbeitet wurde - unter anderem in Bereichen der Malerei, Literatur, Musik und Film. Es zeigt den personifizierten Tod, der als Verführer und Liebhaber einer jungfräulichen Frau auftritt. Die Jungfrau steht symbolisch dafür, dass der Tod jeden in der Blüte des Lebens erwischen kann. Seit vorigen Montag kann man in den Räumlichkeiten des Museums dazu vielschichtige Exponate betrachten. Dabei handelt es sich um Gemälde und Illustrationen verschiedener Künstler, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Aber auch Skulpturen aus Holz, Stahl oder Metall werden gezeigt, ebenso werden Einblicke in Literaturschriften gewährt. Auch eine Illustration der im vergangenen Jahr verstorbenen Oelsnitzer Künstlerin Regine Heinecke ist dazu zu sehen. Eine Rolle spielt auch der sogenannte Totentanz. Er wird in vielschichtiger Weise in den Ausstellungsobjekten zum Ausdruck gebracht. Dabei handelt es sich um die Darstellung von einem Tanz mit dem Tod, der Einfluss und Macht über das Leben der Menschen hat. Außerdem gibt es einen Bereich, der auch abstrakte, pornografische Illustrationen zeigt. Dieser Bereich ist nur für Erwachsene zugänglich.

Laut Daniel Petri, Geschäftsführer der Oelsnitzer Kultur GmbH, beschränkt sich die Ausstellung nicht nur auf die Darstellung des Todes. "Vielmehr schlägt sie die Brücke zur Auseinandersetzung mit dem Tod bis in die Gegenwart, was besonders in Zeiten der Corona-Pandemie höchst aktuell ist", so Petri. Demnach sei es das Ziel, die Gäste so zum Nachdenken zu bringen, dass sie sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen, ohne gleichzeitig Ängste schüren zu wollen. Denn das Thema wird von den Menschen immer wieder gern beiseite geschoben. Es ist etwas, mit dem man sich nur ungern beschäftigt. Die Schau jedoch will genau das Gegenteil bewirken. So haben die Organisatoren mehrere Stationen integriert, bei denen sich die Besucher ihren Gefühlen stellen können. Unter anderem wurde ein Wunschbaum aufgebaut. Auf ausgelegten grünen Blättern kann jeder seine Gedanken und Wünsche schreiben und diese dann anonym an den Baum hängen. "Das Thema als solches, verbunden mit den persönlichen Gefühlen der Besucher, macht die Ausstellung zu einer der emotionalsten der letzten Jahre", sagt Daniel Petri.

Die Idee, den Tod in einer Schau so deutlich aufzugreifen, liegt darin begründet, dass die Museen Schloss Voigtsberg in ihrem Bestand eine Mappenarbeit des Historienmalers Alfred Rethel besitzen, die anhand von Bildern den Totentanz über die bürgerliche Revolution um 1849 darstellt. Somit habe man sich dem schwierigen Thema angenähert. Dass die Ausstellung nicht jedermanns Sache ist, dessen ist sich Daniel Petri bewusst. "Die Hemmschwelle bei den Leuten wird sicherlich groß sein. Es wird bestimmt Leute geben, die das ablehnen werden. Ich denke, die Zielgruppe liegt hier mehr bei den jungen Leuten, insbesondere bei jenen, die beispielsweise regelmäßig das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig besuchen."

Komplett ist die Exposition noch nicht. Aufgrund der Coronakrise konnten noch nicht alle Ausstellungsstücke nach Oelsnitz geliefert werden. Aber noch diesem Monat sollen Kunstgegenstände aus Deutschland, Österreich und Belgien hinzu kommen.

Die Ausstellung ist bis 4. Oktober zu sehen. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Sonderausstellungs-Eintritt: 3 Euro,

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