Emotionale Abendmusik als Neubeginn

Kurz nach Kriegsende vor 75 Jahren erklang im Dom zu Freiberg die Silbermannorgel. Das Konzert mit 3000 Zuhörern ging auf Initiative von Kantor Arthur Eger zurück.

Freiberg.

Es dürfte ein sehr emotionaler Moment in der Stadt gewesen sein: Am 7. Juni 1945 - unmittelbar nach Kriegsende - strömten die Menschen in den Freiberger Dom. Wohl 3000 Zuhörer sollen die musikalische Abendfeier damals miterlebt haben - demnach das erste Konzert nach dem Krieg, zumindest in Sachsen. Es erklangen Werke von Johann Sebastian Bach, darunter Choralvorspiel und Choral "Wenn wir in höchsten Nöten sein". Das Programm zu dieser Abendmusik findet sich noch im Stadtarchiv. An der Orgel musizierte Domkantor Arthur Eger. Auf seine Initiative sowie auf Wunsch des damaligen russischen Stadtkommandanten Gardeoberstleutnant Koschmjak kam der besondere Abend zustande.

Die bis heute beliebte Konzertreihe hatte Eger schon 1939, kurz vor Kriegsbeginn, eingeführt, wie Wolfgang Eger, der Sohn des Kantors, zum 25. Todestag seines Vaters veröffentlichte. Wolfgang Eger selbst ist vielen Musikfreunden gleichfalls als langjähriger Kantor der Freiberger Jakobikirche und Leiter des Freiberger Knabenchores bekannt. Anlässlich des morgigen Jubiläums zum Wiederbeginn der Abendmusiken hatte Rainer Bruha, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins Freiberg, Material zusammengetragen. "Das wollte ich eigentlich in die öffentlichen Geschichtsstunden-Abende einbeziehen. Doch sie finden derzeit nicht statt", sagt er. Nach seinen Recherchen war Arthur Eger als 45-Jähriger im Februar 1945 einberufen worden und hatte sich nach Kriegsende von Aussig aus auf den Heimweg nach Freiberg gemacht, wo er am 12. Mai ankam - an einer Lungenentzündung erkrankt. Der Kantor aber hatte das Ziel, schnell wieder mit den Abendmusiken zu beginnen. Zunächst jedoch musste er ins Krankenhaus. Dort fanden, so beschreibt es Rainer Bruha, sogar Proben des Domchores statt.

Am 7. Juni 1945 - es war ein Donnerstag - begann um 19 Uhr die Abendmusik. Nicht alle Menschen konnte der Dom fassen, sodass viele umkehren mussten. Unter den Zuhörern aber befanden sich auch der Stadtkommandant sowie der Oberbürgermeister. Neben Arthur Eger an der Orgel spielte Käthe Lehmann Violine, der Domchor sang.

Die Nachricht von der musikalischen Abendfeier soll auch in Gefangenenlager gelangt sein. "Auf diese Weise wurde vermittelt, dass Freiberg nicht zerstört war", sagt Rainer Bruha und fügt an: "Die Freude über diese Abendmusik war nach Arthur Egers Aussage das Größte, was ihm je zuteil wurde." Schon an diesem Abend stand das Programm für die nächste musikalische Abendfeier fest, sie lud am 14. Juni 1945 mit Werken von Reger, Drischner, Bach und Händel in den Dom ein. Arthur Eger starb am 30. Dezember 1967.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.