Junger Rollstuhlfahrer wünscht sich ein selbstständiges Leben

Marian Seigert aus Pockau würde gern wieder eine Universität besuchen. Ein neuer Kleinbus, für den der Verein "Leser helfen" gerade Geld sammelt, könnte ein erster Schritt in diese Richtung sein.

Pockau-Lengefeld.

Marian Seigert ist überwältigt. Eine solch große Anteilnahme hatte der 23-jährige schwerbehinderte Pockauer nicht erwartet. Schon mehrfach wurde er in seinem Alltag angesprochen - von Freunden und Bekannten. Kein Wunder: Schließlich wollen zahlreiche Leser der "Freien Presse" die Familie finanziell unterstützen und den Kauf eines Kleintransporters ermöglichen. Der Verein "Leser helfen" sammelt derzeit für hilfsbedürftige Familien Geld, um ihnen Herzenswünsche zu erfüllen.

Dank der Unterstützung ist der dringend benötigte Transporter mit zugehöriger Rampe längst nicht mehr in unerreichbarer Ferne, wie es in den vergangenen Jahren der Fall war. Entsprechend groß sind die Hoffnungen von Marian Seigert, der an Muskeldystrophie leidet. Das heißt: Seine Muskeln haben sich zurückgebildet. Mit Physiotherapie wird versucht, das rasche Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten.

Ein Fahrdienst entlastet Herbert Seigert, der oft seinen Sohn per Muskelkraft aus dem Rollstuhl in das jetzige Familienauto heben muss. Das Problem: Der Rollstuhl kann nicht einfach hineingefahren werden, wie es bei einem Kleintransporter möglich wäre. Herbert Seigert ist gleich doppelt gefordert. Seine Frau Angela ist ebenfalls schwerbehindert und sitzt im Rollstuhl. Sie leidet an Multipler Sklerose und kann lediglich noch ihren Kopf etwas bewegen.

Im Alltag erledigt Marian Seigert einiges selbst, denn seine Arme kann er noch nutzen. So sitzt er häufig am Computer, um seinem Fernstudium nachzugehen. Der Pockauer will Grafikdesigner werden. Einst war an der Technischen Universität Chemnitz eingeschrieben. Dort studierte er Informatik. Allerdings zeigte sich: Das Pendeln zwischen Pockau und Chemnitz ist für ihn zu anstrengend und zu zeitaufwendig. Mit einem Fahrdienst war Marian hin und her befördert worden. Eine Wohnung in Chemnitz kam für ihn nicht infrage, es fehlte an geeigneten Betreuungspersonen. Sie seien nicht gerade einfach zu finden. Drei bis vier sind nötig.

Dass er wieder einmal eine Universität direkt besucht, kann Marian Seigert sich sehr gut vorstellen. Dafür müssten aber die Bedingungen stimmen. Der Kleinbus könnte ein erster Schritt in diese Richtung sein, er würde der Familie mehr Unabhängigkeit bringen. Diese wünscht sich auch Mutter Angela Seigert, die gern mal wieder ein Konzert besuchen würde und gern häufiger unter Leuten wäre.

Im Internet finden Sie weitere Informationen zu den Hilfsaktionen und zum Verein. Auch kann dort direkt für Projekte gespendet werden. Dafür bedanken wir uns herzlich. www.freiepresse.de/leserhelfen

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