Natur genießen, wo kein Auto hinkommt

Einen regelrechten Boom erlebt derzeit der Freizeit-Radsport. Das Vogtland hat dafür sehr reizvolle Strecken zu bieten. "Freie Presse" stellt einige davon vor. Heute: Von Auerbach zum Hammerbrücker Ortsteil Friedrichsgrün.

Auerbach.

Ausgangspunkt einer reizvollen Tour ins obervogtländische Waldgebiet ist der Auerbacher Ortsteil Hinterhain. Einige der sehenswerten Stationen unterwegs erreicht man nicht mit dem Auto, sondern maximal zu Fuß. Die Standardtour ist rund 27 Kilometer lang, jedoch werde ich einige Möglichkeiten aufzeigen, um noch ein paar mehr Kilometer dranzuhängen. Man kann jederzeit einige Umwege oder Abkürzungen einbauen.

Von Auerbach aus geht es zunächst einmal bergauf. Dabei hat man verschiedene Möglichkeiten: Entweder man fährt die Hauptstraße Richtung Klingenthal oder man radelt die Schallerbachstraße hinauf. Ist über die Klingenthaler Straße Hohengrün erreicht, geht es auf der Straße des Friedens weiter Richtung Beerheide. Man passiert den Reitstall und fährt an der größeren Kreuzung nach links, um zum Kulturhaus zu gelangen. Dort biegt man links ab und folgt den Radweg-Zeichen bis zum Alten Kaffeehaus. Man wird über die Straße geleitet und biegt gegenüber der Gaststätte in einen kleinen Weg ein. An der Kreuzung im Wald hält man sich - so wie die Radwegschilder leiten - links, kommt auf der Straße nach Bad Reiboldsgrün heraus und fährt diese ganz hoch. Dort folgt man nicht mehr den Radwegschildern, denn dann käme man in Grünheide heraus.

Hat man sich für die Fahrt auf der Schallerbachstraße entschieden, biegt man Richtung Grünheide nach links ab. Es geht kurz bergab, ehe man nach Bad Reiboldsgrün einen großen Anstieg zu überwinden hat. Wer ein E-Bike fährt, wird das dort zu schätzen wissen.

Das Waldhotel Zum Zöbischhaus ist das erste Ziel der Tour, denn dort kann man im Außengehege Waschbären beim Spielen und Klettern beobachten. Von dort aus fährt man die Straße immer weiter - erholsamerweise geht es bergab - und hält sich an der Kreuzung Richtung Vogelsgrün rechts, sodass man weiter Richtung Albertsberg kommt. Nach kurzer Zeit geht es rechts in einen Waldweg, den man gut erkennt und auf dem viele Wanderwege ausgeschildert sind. Doch auch für Radfahrer ist es dort ideal.

Zuerst fährt man am kleinen und danach am großen Hirschteich vorbei. Erstgenannter ist ein Lebensraum für verschiedenste Pflanzen und Tiere. Der große Teich staut unter anderem den Zinsbach, der dem Tal seinen Namen gibt, und enthält, genauso wie der Stausee Carolagrün und der Vogtlandsee, torfhaltiges braunes Wasser. Dort kann man eine entspannte Rast einlegen und die Natur genießen.

Es geht weiter den Waldweg entlang. Unterwegs ist ein Baum zu bestaunen, der nur auf diesem Weg gedeiht: die vogtländische Latschenkiefer. Etliche an den Stamm genagelte Schuhe verhalfen ihm zu seinem Namen. Wenn man an eine kleine Kreuzung kommt und rechts eine Brücke sieht, hält man sich links und fährt geradewegs zum Jungfernsprung. Eine Legende gab dieser Felsgruppe ihren Namen. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges soll ein Mädchen aus Rautenkranz vor Soldaten geflohen sein. Aus Angst vor einer Vergewaltigung stürzte sie sich von diesem Felsmassiv aus in den Tod. Heute lädt dort eine Schutzhütte zum Verweilen ein. Wenn man die Umgebung betrachtet, kann man sich durchaus vorstellen, dass ein wenig weiter in süd-westlicher Richtung bis 1778 Bären gefangen wurden, weshalb der Teil Richtung Siebenwege/Muldenhammer auch Bärwinkel genannt wird.

Man folgt dem herrlichen Weg weiter und kommt Am Filz in Rautenkranz heraus. Diese kleine Siedlung durchfährt man und biegt auf der Hauptstraße nach rechts ab. Kurz nach dem Restaurant Zur Frischhütte wechselt man nach links auf dem Fußweg und fährt auf einem Stück des offiziellen Mulderadwegs weiter. Diesem folgt man, bis man zu den Bahnschienen in Jägersgrün kommt. Mein Tipp: nun nicht der Hauptstraße folgen, sondern rechts über die kleine Holzbrücke fahren. Dann kommt man auf der Auerbacher Straße heraus, überquert beim Linksabbiegen erneut die Gleise und hält sich vor der Pizzeria Giovanni rechts, um erneut auf dem Radweg zu landen.

Der Mulderadweg führt an einer Dreier-Gabelung ganz rechts weiter. Um jedoch noch zwei weitere versteckte Kleinode zu entdecken, sollten sich Rad-Ausflügler ganz links halten. Nach kurzer Zeit erreicht man nämlich den Thierteich von Jägersgrün. Dieser dient als Brauchwasserreservoir für ein Sägewerk. Er wurde erst vor wenigen Jahren neu gestaltet und lädt nun zum Rasten ein. Schön gestaltete Bänke, ein kleiner Wasserfall als Zulauf und eine gepflegte Umgebung prägen das Bild.

Entweder man kämpft sich von dort aus den kleinen steilen Anstieg wieder nach oben oder man fährt an dem kleinen Häuschen vorbei. Es wird wieder anstrengender, denn der Waldweg schlängelt sich langsam, aber sicher bis auf 730 Meter. Dann gelangt man an eine Kreuzung, wo es zum letzten verborgenen Schatz des Waldes geht: der Radiumquelle am Thierberg bei Friedrichsgrün. In der Gemeinde Muldenhammer wurde im Revier Schneckenstein und Gottesberg in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Uran abgebaut. Den Quellwässern wurde schon zu Kriegszeiten eine heilende Wirkung nachgesagt, wohl auch dieser. In welcher Höhe Radium konzentriert ist, kann nicht angegeben werden. Jedoch ist die Quelle nicht zum Tourismus-Magneten geworden und ein Geheimtipp geblieben.

Es gibt überdachte Bänke und eine Grillstelle. Man kann problemlos einen Schluck des frischen Wassers nehmen und den märchenhaften Tannenwald genießen. Besonders wenn die Sonne durch die Baumkronen blitzt, ist der Anblick unvergesslich. Wenn man zurück zur Gabelung fährt, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Um die Standardroute abzuschließen, fährt man den Weg geradeaus hinunter und kommt in Friedrichsgrün, nahe der Kindertagesstätte, heraus. Wer noch ein paar Kilometer mehr fahren möchte, biegt vom Abzweig Quelle nach rechts ab und fährt ein paar Meter bergauf und ist so ganz nah am Thierberg. Den Gipfel kann man zu Fuß besteigen und einen Blick auf Friedrichsgrün genießen. Die Abfahrt ist ganz entspannt. Man kommt bei der Dreier-Gabelung wieder heraus und folgt nun dem Mulderadweg nach links.

Dieser Abschnitt ist bis auf den letzten Teil entspannt zu fahren. Zum Schluss wartet jedoch ein Anstieg, den man keineswegs unterschätzen sollte. Der Radweg führt danach weiter bergauf. Wer abkürzen will, biegt rechts auf eine kleine Plattenstraße ab und kommt etwas weiter unten in Friedrichsgrün raus.

Egal, welche Variante man wählt, man biegt in Friedrichsgrün immer nach rechts ab und fährt die Straße hinunter. Nahe des Firmensitzes von Conception Seidel überquert man die Bahngleise und biegt in eine kleine Straße rechts ein. An deren Ende passiert man die Hauptstraße und gelangt auf den Friedrichsgrüner Flügel. Sollte die Schranke dort geschlossen sein, muss man um sie herumfahren. Die asphaltierte Strecke wurde zwischenzeitlich für den Busverkehr genutzt, sodass man eine schöne, wenn auch etwas ansteigende Fahrt Richtung Beerheide genießen kann. Wenn man dem Weg folgt, kommt man gegenüber der Einmündung zum Vogtlandsee heraus. Diese fährt man kurz hinein und biegt gleich links auf einen Weg ab, den man ebenfalls angelegt hatte, als die Hauptstraße gebaut wurde. So muss man nicht auf der "Rennstrecke" fahren.

In Beerheide könnte man nun ganz einfach die Hauptstraße Richtung Auerbach hinunterrollen. Es empfiehlt sich aber ein anderer Weg: Man fährt durch Beerheide Richtung Rempesgrün und biegt an der Fichtzig rechts ab. Auf diesem Weg kommt man in Hohengrün heraus - vorbei an einem wunderschönen Rapsfeld - und hat nur noch wenige Meter die große Straße zurück zum Ausgangspunkt zu bewältigen. Da ein großer Teil auf Waldwegen absolviert wird, ist die Radwanderung nicht für Rennräder geeignet. Für Familien ist sie durchaus zu bewältigen, da man viele Möglichkeiten für eine Rast hat, und die Kinder viel entdecken können.

Wer nach dem Besuch der Waschbären noch einen Kilometer investieren will und einen Tag mit bestem Sonnenwetter erwischt hat, biegt Richtung Albertsberg nach links ab, wo es zur Gaststätte Zum Windrad in Vogelsgrün geht. Dieser Straße folgt man bis zum Schluss, an der Kreuzung fährt man links und sofort wieder rechts, um bei dem Aussichtspunkt Vogtland herauszukommen. Von dort bietet sich ein wunderschöner Blick über die Landschaft.

Wer in Friedrichsgrün noch nicht genug hat vom Fahrradfahren, folgt, bevor er die Gleise Richtung Flügel überquert, dem Radweg nach links weiter und fährt einmal durch Hammerbrücke, wo auch im Winter die Ortsloipe entlangläuft. Dieser kleine Weg ist ruhig und eben. Endpunkt ist unterhalb der Sparkasse, wo man, um wieder nach Auerbach zu kommen, nach rechts Richtung Juchhöh fährt. Jedoch folgt man nicht den Radwegschildern, denn die führen nach Falkenstein. Wenn man links einen Verkehrsspiegel sieht, muss man rechts den Weg hineinfahren, um auf den Felsenweg zu gelangen. Dieser ist Teil des Floßgrabens gewesen, sodass man immer dem - momentan ausgetrockneten - Flussbett folgt.

An einer Gabelung könnte man geradeaus fahren, um auf den Flügel zu kommen. Jedoch ist dieser Weg von größeren Steinen geprägt, sodass man lieber rechts abbiegt, und wieder in Friedrichsgrün - oberhalb der Bahnschienen - herauskommt. Dann kann man die normale Route über den Flügel nach Auerbach zurückfahren und hat etwa vier Kilometer zusätzlich absolviert.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.