Demo gegen Rassismus vereint über 450 Menschen

Bei einer vierstündigen Demonstration durch Zwickau haben am Samstag Hunderte, vor allem junge Menschen friedlich ein Zeichen gegen Diskriminierung und Polizei- gewalt gesetzt. Eine Spontandemo vom Dritten Weg hatte 20 Teilnehmer.

Zwickau.

156 Polizisten haben am Samstagnachmittag eine Demonstration von mehr als 450 Menschen begleitet, die sich gegen Rassismus und gegen Polizeigewalt richtete. Und alles verlief friedlich. Am Ende der vierstündigen Tour, die vom Platz der Völkerfreundschaft durch die Innenstadt zum Gedenkhain für die NSU-Opfer führte, lobte Mitorganisator Chris Schlüter vom Bündnis Für weniger Gewalt ausdrücklich das Wirken der Polizei, die den Zug begleitet hatte. Einsatzleiter Polizeioberrat Alexander Beitz gab das Kompliment zurück. "Es lief gut", sagte er.

Organisiert hatte die Demo der Verein Roter Baum gemeinsam mit den Bündnissen Für weniger Angst, Fridays For Future, Activisti Zwickau und der anonymen Künstlergruppe Sternendekorateure. Bei glühender Hitze hatten sich gegen 14 Uhr die Demonstranten, die vor allem aus Zwickau, aber auch aus dem Umland sowie aus Leipzig, Dresden und Chemnitz gekommen waren, auf den Weg gemacht. Angemeldet waren 250 Teilnehmer. "Dass mehr als 450 gekommen sind, war großartig und ein gutes Zeichen für das Zusammenleben in unserer Stadt", resümierte Chris Schlüter.

Mitglieder der Freien Deutschen Jugend, die bereits am Wochenende davor durch Zwickau marschiert waren und am Samstag die Demo nutzen wollten, um ihre eigene Agenda zu verbreiten, wurden von den Organisatoren in die Schranken gewiesen. Vor der Polizeidirektion forderte die Leipziger Landtagsabgeordnete Juliane Nagel (Die Linke) eine unabhängige Beschwerdestelle für Opfer von Polizeigewalt. Unterwegs berichteten Menschen mit dunkler Hautfarbe von ihren Erfahrungen mit der Polizei, davon, dass sie öfter kontrolliert würden als solche mit weißer Hautfarbe, und sich oft schikaniert fühlen. Um solche Erlebnisse ging es auch in den Songs von Rapper Matondo, der 1993 in Berlin als Kind von aus dem Kongo geflohenen Eltern geboren wurde.

Auf der Kreuzung Innere Plauensche/Peter-Breuer-/Magazinstraße legten sich die Teilnehmer für acht Minuten und 46 Sekunden auf die Straße und schwiegen. Genau so lange hatte in den USA ein Polizist bei einem Einsatz sein linkes Knie an den Hals des Afroamerikaners George Floyd gedrückt. Floyds Tod war auch Anlass für die Kundgebung in der Muldestadt. Am Ende der Demo wurde es still, als Stadtrat René Hahn (Die Linke) am Gedenkhain die Namen der zehn Opfer des NSU verlas und Teilnehmer an den zehn für sie gepflanzten Gedenkbäumen Rosen niederlegten.

Samstagnachmittag war auf dem Platz der Völkerfreundschaft laut Polizei-Einsatzleiter Beitz noch eine Spontandemo gegen Polizeiwillkür von Manuel Ganser von der rechtsextremen Kleinstpartei Dritter Weg angemeldet worden. Zu dieser hatten sich etwa 20 Menschen, darunter der Zwickauer Stadtrat Sven Georgi (Zukunft Zwickau), zusammengefunden. Zu Zusammenstößen zwischen den beiden Demonstrationszügen war es nicht gekommen. Man blieb auf Abstand.

 

freiepresse.de/demo-zwickau

 

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.