Abschied vor der Tür: Neuer Alltag in Kitas

Getrennte Gruppen und neue Regeln für Eltern: Die Öffnung der Einrichtungen bringt so manche Veränderung mit sich. Wie ist der Start geglückt?

Annaberg-Buchholz/Ehrenfriedersdorf.

Die meisten Kinder sind zurück im Kirchlichen Kinderhaus St. Michael in Annaberg-Buchholz. Wie in den anderen Kindertagesstätten Sachsens hat dort am Montag der eingeschränkte Regelbetrieb mit strengen Hygiene-Vorgaben begonnen. "Der Start hat gut funktioniert", sagt Kinderhaus-Leiterin Bettina Simon. Schon im Vorhinein stand fest, dass das Bringen und Abholen der Mädchen und Jungen die größte Herausforderung sei. Doch das neue Prozedere vor der Eingangstür klappt gut. Die Kinder werden morgens dort von einer Erzieherin abgeholt und in ihre Gruppen gebracht - nachmittags nehmen die Eltern, die eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen sollen, ihre Kinder vor der Tür wieder in Empfang. Fürs morgendliche Ausfüllen der vorbereiteten Zettel, auf denen versichert wird, dass weder das Kind noch ein anderes Familienmitglied Symptome von Covid-19 zeigt oder in Kontakt mit einer infizierten Person ist, steht ein Tisch bereit. Alles ist schnell erledigt.

Auch die meisten Mädchen und Jungen haben es tapfer gemeistert, dass sie nun ohne Mama oder Papa in ihre Gruppe gehen. Natürlich flossen auch einige Tränen. "Die Eltern haben ihre Kinder aber gut darauf vorbereitet, dafür sind wir sehr dankbar", sagt Bettina Simon. Die Mütter und Väter waren ausführlich über die neuen Abläufe informiert worden. Ein wichtiger Punkt, der für alle Einrichtungen gilt: Die Kinder sollen in festen Gruppen mit ihren festen Bezugspersonen den Alltag verbringen. Im Fall des Kinderhauses sei das durch seine Gruppenbereiche gut möglich. Das Außengelände wurde in zwei große Bereiche unterteilt, sodass reichlich Platz für je zwei getrennte Gruppen zum Spielen im Freien zur Verfügung steht. Die Zeiten werden genau geplant. Natürlich ist das wie andernorts mit mehr Aufwand verbunden. "Aber wir kriegen es hin", sagt Bettina Simon. Die Betreuung im Früh- und Spätdienst muss aber wie in anderen Kitas entfallen. Denn sie erfolgt regulär in einer gemischten Gruppe, derzeit ein Unding.

Auch in anderen Kitas mussten Öffnungszeiten eingeschränkt werden, um die Hygiene-Auflagen zu erfüllen. Laut dem Annaberg-Buchholzer Stadtsprecher Matthias Förster öffnen etwa die Einrichtungen in der Stadt nun an jedem Wochentag neun Stunden, die Horte von 11 bis 16 Uhr. Zum Vergleich: Die größte Kindertagesstätte "Mäuseburg" kann sonst von 6 Uhr bis 17.30 Uhr und somit in einem Zeitfenster von elfeinhalb Stunden besucht werden. Doch das ist derzeit nicht möglich, eine schwierige Situation für einen Teil der Eltern.

Ortswechsel: In der Kita "Neuer Bahnhof" in Ehrenfriedersdorf findet die Betreuung der Kinder normalerweise nach dem pädagogischen Grundkonzept der offenen Arbeit statt. Offene Türen und keine Gruppenstrukturen gehören dazu. Doch aktuell kann das Konzept nicht umgesetzt werden, sagt Kita-Leiterin Jana Härtel. In der Einrichtung wurden nun drei Gruppen gebildet, die strikt voneinander getrennt sind. Jede davon hat ihren eigenen Zugang zur Kita. Bei der Einteilung wurde auch darauf geachtet, dass befreundete Kinder zusammen in eine Gruppe kommen. "Wir versuchen, vielen Bedürfnissen gerecht zu werden", sagt Härtel. Doch es sei schwer. Der Organisationsaufwand habe sich erhöht. Diese Zeit fehle nun auch bei der Arbeit mit den Kindern, bedauert die Kita-Leiterin. Und: "Wir sind ein offenes Haus. Wir laden die Familien eigentlich ein, auch in der Einrichtung mit ihren Kindern zu sein." Doch nun müssen die Eltern draußen bleiben. Vor allem für Kinder, die sich gerade in der Eingewöhnungsphase befinden, sei das schwer, an der Eingangstür Abschied zu nehmen. Ein Vorteil des offenes Konzeptes zeige sich aber auch aktuell. Da die Kinder alle Pädagogen und Mitarbeiter kennen, fällt es ihnen nicht so schwer, ihre nun festen Bezugspersonen zu akzeptieren. Und noch etwas hat sich geändert. Die Jungen und Mädchen haben nun ihre eigenen Brotbüchsen dabei. Sonst gab es in der Kita Vollverpflegung.

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