Favorit ist einen Tick abgezockter

Die Fußballer des SSV Königshain-Wiederau haben im Kreispokal- Viertelfinale eine Überraschung verpasst. Dramatisch wurde es beim Neustart nach der Corona-Pause in Mulda.

Wechselburg/Mulda.

Silvio Dost, der Trainer der Kicker des SSV Königshain-Wiederau, hätte die Abschlussfeier seiner Mannschaft gern noch etwas nach hinten verschoben. Bei einem Weiterkommen im Pokal wäre das automatisch passiert. Doch aus dem Unterfangen wurde nichts: Die Kreisliga-Fußballer des SSV unterlagen nach einem beherzten Kampf dem Mittelsachsenligisten TSV Großwaltersdorf/Eppendorf mit 0:2 (0:0).

"Wir können trotzdem stolz auf uns sein, dass wir so gut aufgetreten sind", sagte Dost nach dem Spiel zu seinem Team. Der Wiederauer Fußball-Abteilungsleiter Heiko Heinig war der gleichen Meinung: "Die Mannschaft ist sehr geschlossen aufgetreten, aber die Großwaltersdorfer sind eine clevere Mannschaft. Etwas ärgerlich ist es, dass wir beide Tore nach Standardsituationen kassieren", sagte er. "Und wer weiß was gewesen wäre, wenn wir hier nach fünf Minuten plötzlich führen." Denn bereits zu diesem Zeitpunkt bot sich dem Underdog die größte Chance im gesamten Spiel - und das gleich doppelt: Zunächst zog Luis Löbel aus 20 Metern mit dem Vollspann ab. Der Großwaltersdorfer Torwart lenkte diesen Knaller mit den Fingerspitzen an die Latte, wovon er nach unten sprang. Einige der rund 100 Zaungäste hatten den Ball mit vollem Umfang hinter der Linie gesehen, andere noch nicht. Das Spiel lief weiter und Philipp Sacher hätte diese offene Frage mit seinem Abstauber sofort für nichtig erklären können. Doch er schaffte es, den Ball wenige Zentimeter vor der Torlinie über das Gehäuse zu schießen. Kurz darauf hatten die Gastgeber eine weitere Möglichkeit, doch hier verpasste Löbel eine scharfe Eingabe von Valentin Winkler. Danach kamen die Großwaltersdorfer besser in die Partie - ohne allerdings Bäume auszureißen. Ein Kopfball ging neben das Tor, kurz vor der Pause landete im Gewühl der Ball noch am Pfosten der Gastgeber.

In der zweiten Halbzeit wurden die Großwaltersdorfer etwas zwingender. Für die Führung benötigten sie aber eine Standardsituation: Marc Meyer drosch in der 54.Minute einen Freistoß aus gut 25 Metern in die Maschen. Kurz darauf segelte ein weiterer Freistoß von ihm gefährlich in den Strafraum, allerdings an Freund und Feind vorbei. Die SSV-Männer versuchten in der Schlussphase noch einmal, das Tempo anzuziehen. Doch in der Nachspielzeit sorgte Heiko Dittrich nach einem Eckball, den SSV-Torwart Sören Kirmse unterlief, per Kopf für die Entscheidung. "Das Ergebnis für uns stimmt, spielerisch war aber noch Luft nach oben", sagte der Großwaltersdorfer Trainer Robert Hohlfeld nach Abpfiff. "Der Gegner war sehr robust. Ich habe keinen Klassenunterschied gesehen und wundere mich ein wenig, warum unser Gegner bisher nur in der Kreisliga spielte."

Die Fußballer des SV Mulda und des TSV Flöha machten bei ihrem Neustart nach der langen Pause gleich Überstunden. In einer dramatischen Partie setzten sich die Muldaer mit 8:7 (3:3, 3:3, 0:2) nach Elfmeterschießen durch. "Meine junge Truppe hat die richtige Einstellung an den Tag gelegt. Die Jungs sind als Männer aufgetreten und haben nach dem 0:2-Pausenrückstand die richtige Reaktion gezeigt", sagt der Muldaer Spielertrainer Andy Lippmann. "Dafür haben sie sich ein großes Lob verdient." Lippmann habe in der Halbzeitpause an die Ehre seiner Spieler appelliert. Nachdem in der ersten Halbzeit fast nichts funktionierte, drehte Mulda nach dem Seitenwechsel auf und führte in der Schlussphase der regulären Spielzeit sogar 3:2, musste aber noch den Ausgleich hinnehmen. Der Flöhaer Franz Schwarz setzte in der Nachspielzeit zudem noch einen Elfmeter neben das Tor. In der Verlängerung fielen keine Tore, im Elfmeterschießen hatten die Hausherren das glücklichere Ende für sich.

Beim TSV Flöha waren die Verantwortlichen glücklich, dass der Ball wieder rollt. Doch das Resultat passte nicht. "Unsere Enttäuschung ist natürlich groß. Aber Mulda hat das Optimale herausgeholt und sich den Sieg echt verdient", sagt TSV-Coach Mirko Schwoy. "Wir treffen uns in dieser Woche noch einmal, um das Pokalspiel auszuwerten und auszulaufen. Dann schicke ich die Jungs in den Urlaub und wir werden am 28. Juli das Training wieder aufnehmen", sagte Schwoy. Mulda reist am kommenden Sonntag zu Wacker Auerswalde und spielt dort um den Finaleinzug.

Die Auerswalder stehen nach dem 3:1 (1:0)-Heimsieg gegen Liga-Kontrahent und Vorjahresfinalist Fortschritt Lunzenau als einziges unterklassiges Team im Halbfinale. Vereinschef Denny Haunstein war der Mann der Partie. Er erzielte alle drei Treffer für die Gastgeber. Andreas Großer konnte kurz vor Schluss nur noch verkürzen. Zudem sah der Lunzenauer Jens Graf nach einer Unbeherrschtheit die Ampelkarte. "Das Ergebnis geht so in Ordnung", sagt der Lunzenauer Trainer Lars Berger, der auf zahlreiche Stammspieler verzichten musste. "Wir haben zu einfache Fehler gemacht, die die Auerswalder bestraft haben."

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