Freiberger forschen am Kühlschrank der Zukunft

Wie können Geräte so gebaut werden, dass sie besser zu recyceln sind? - Darum geht es bei einem Projekt, das der Bund mit fast 800.000 Euro fördert.

Freiberg.

In der Haushaltsgeräte-Industrie ist ein Ungleichgewicht entstanden, findet Simone Raatz. "Während die Energieeffizienz groß geschrieben wird, spielt die Recyclingfähigkeit der Produkte kaum eine Rolle", hat die promovierte Chemikerin beobachtet. Das will die 57-Jährige jetzt gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern und Partnern in der Wirtschaft ändern. "Circular by Design" heißt das Projekt, das sie am Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie koordiniert.

Am Beispiel eines Kühl-/Gefriergeräts sollen dabei Prinzipien für ein nachhaltiges Produktdesign von Konsumgütern aufgestellt werden. "Ein Ziel wäre auch, einen Recycling-Index ähnlich der Energieverbrauchsklassen aufzustellen", sagt Raatz. Bei letzteren wird zuweilen mit Begriffen wie "A+++" geworben; nach dem Willen des EU-Parlaments soll es künftig aber nur noch die Klassen A bis G geben.

Für die Untersuchungen hat das Freiberger Institut kürzlich von einem deutschen Hersteller dessen modernste Kühl-/Gefrierkombination geliefert bekommen. "Wir werden das Gerät gründlich auseinandernehmen und ermitteln, wie viel Prozent der eingesetzten Materialien recycelt werden können", kündigt die Koordinatorin an. Das Institut, dessen Schwerpunkt auf Metallen liege, verfüge über ein Simulationsprogramm, das anhand der Materialliste einzelne Recyclingverfahren durchspielen könne.

"Die Dämmstoffe in Kühlschränken sind häufig verklebt, was eine Rückgewinnung erschwert", nennt Raatz ein Beispiel. Zu den Knackpunkten gehörten auch elektronische Anzeige- und Bedienfelder sowie die Kühlaggregate. Für das Projekt sei der Kühlschrank als Beispiel gewählt worden, weil er ein allgemein bekannter Gegenstand sei. Die Forderung, sowohl Energieeffizienz als auch Recycelbarkeit zu beachten, ließe sich aber auch auf LED-Leuchtmittel ausdehnen: "Da werden die Stromspareffekte betont, aber bei der Rückgewinnung der Materialien sieht es mau aus."

Das Kühlschrank-Projekt wird vom Bund drei Jahre lang gefördert. Insgesamt fließen aus dem Programm "Ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft - Innovative Produktkreisläufe" fast 800.000 Euro. Weitere rund 400.000 Euro steuern Partner aus der Wirtschaft bei. Raatz freut besonders, dass dabei auch Firmen aus der Region wie die EKM Entsorgungsdienste Kreis Mittelsachsen und die BEC Becker Elektrorecycling Chemnitz mit von der Partie sind.

Neben dem klassischen Recycling sollen Ansätze wie etwa Wiederverwendung und Reparatur von Bauteilen sowie Rückgabe- und Leasingmodelle verfolgt werden. Das Potenzial ist groß: Laut EKM-Chef Jens Irmer sind 2018 allein in Mittelsachsen 13.500 Kühlschränke der Verwertung zugeführt worden. 2019 dürften es noch zehn Prozent mehr gewesen sein, schätzt Irmer.

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