Premiere: Die Versammlung mit der Maus

Eine Wohnungsgenossenschaft muss trotz Corona Mitglieder versammeln. Digitaltechnik ist dafür mehr als eine Notlösung.

Flöha.

Die Mitgliederversammlung der Wohnungsgenossenschaft Flöha und Umgebung wird in diesem Jahr erstmals digital stattfinden. Die sonst übliche Vollversammlung der Genossenschaftler in der Geschäftsstelle in Flöha scheitert an den aktuellen Coronabeschränkungen. Der Vorstand stand damit vor der Entscheidung, die laut Satzung vorgeschriebene Versammlung, bei der unter anderem der aktuelle Jahresabschluss vorgelegt und beschlossen wird, ausnahmsweise ins zweite Halbjahr zu verlegen oder eine alternative Möglichkeit für die Veranstaltung zu finden.

"Ein Umlaufbeschluss ist möglich und wir verbinden dieses Prinzip mit den Möglichkeiten der Digitalisierung", sagt Vorstand Daniel Kästner. Es wird eine Online-Plattform geben, die ab Ende Mai drei Wochen lang erreichbar sein wird. Hier können die etwa 1200 Genossenschaftsmitglieder den Jahresbericht des Vorstandes sowie die weiteren Beschlüsse und Dokumente für die Mitgliederversammlung per Download einsehen und dann bis zum 20. Juni den einzelnen Beschlüssen mit Ja zustimmen oder sie mit Nein ablehnen. Für die Abstimmung autorisiert sich jedes Mitglied mit Name, Mitgliedsnummer und Geburtsdatum. Es bleibt für Digital-Muffel trotzdem die Möglichkeit, die Dokumente in der Geschäftsstelle einzusehen und schriftlich abzustimmen.

"Die Beteiligung wird für uns interessant", sagt Daniel Kästner. Die alljährliche Mitgliederversammlung, die der dreiköpfige Aufsichtsrat der 1956 gegründeten Genossenschaft leitet, ist kein Publikumsmagnet. Etwa 30 bis 40 Mitglieder nehmen normalerweise daran teil, sagt Kästner. Dazu kommen die sieben Mitarbeiter der Genossenschaft. Der Jahresbericht ist trockene Zahlenkost. Für den Vorstand ist die Entscheidung der Mitglieder jedoch eine wichtige Arbeitsgrundlage. Die digitale Variante der Abstimmung ist barrierefrei, zeitlich flexibel und könnte so möglicherweise zu einer stärkeren Beteiligung führen.

Ein Modell für die Zukunft? Daniel Kästner ist da nicht abgeneigt, will die Premiere abwarten. Der Vorstand, zu dem neben Daniel Kästner noch Jana Kunke gehört, wird bis Monatsende einen Bericht zur Lage der Genossenschaft in der Mitgliederzeitschrift veröffentlichen.

"Unsere wirtschaftliche Lage ist gut", sagt Kästner. Der Jahresbericht weist erneut einen Überschuss aus, und von den Auswirkungen der Coronakrise ist der Großvermieter mit Wohnungen in Flöha, Oederan, Niederwiesa und Grünhainichen bislang verschont geblieben. "Vor allem auch deshalb, weil unserer Mitglieder ihre Mieten bezahlen", lobt Kästner die Genossenschaftler. Der Ausblick richtet sich auf die Großbaustelle in Flöha, wo der barrierearme Umbau des Blocks an der Lessingstraße begonnen hat. Insgesamt rund 5 Millionen Euro kostet dieses Vorhaben. Die meisten Aufträge sind vergeben, noch in diesem Jahr sollen die ersten Mieter einziehen, sagt Kästner. In Grünhainichen wird noch bis 2021 eine zentrale Heizanlage für die sechs Wohnblocks an der Grete-Wendt-Straße gebaut, Kosten: rund 1,2 Millionen Euro. www.wg-floeha.de


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