Der Traum von einer Oberschule

Die Stadträte sprechen sich für den Erhalt der beiden Grundschulen aus. Für die Schulnetzplanung des Landkreises ist dieses Votum nötig. Doch eigentlich geht es um mehr.

Großschirma.

Ein klares Bekenntnis zu den beiden Grundschulen haben Großschirmas Stadträte auf ihrer jüngsten Sitzung abgegeben. Demnach bleiben die Grundschule "Friedrich Kaden" in Großschirma und "Am Wasserturm" in Siebenlehn bestehen. Diese Stellungnahme fließt in den Schulnetzplan des Landkreises ein. Nicht so einfach ist es hingegen mit dem Thema Oberschule.

Seit dem Aus der Großschirmaer Mittelschule 2008 ist ihre Wiedereröffnung immer wieder Thema, auch im Wahlkampf spielte es eine Rolle. Im März hatten die Stadträte zunächst auf Antrag von AfD-Fraktionschef Rolf Weigand beschlossen, dass Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP) im Landratsamt den Bedarf für einen Oberschulstandort anmelden soll. Zwei Wochen später sprach sich die Mehrheit der Stadträte aber bei einer erneuten Abstimmung gegen den Antrag für eine Oberschule aus. Dafür favorisierten sie jetzt das Modell einer Oberschule plus.

"Diese Gemeinschaftsschule bis zur zehnten Klasse ist speziell für den ländlichen Raum gedacht, da sie auch nur einzügig sein kann", so dazu Stadtrat Christian Schier (SPD/Grüne) auf Anfrage von "Freie Presse". Im Sommer werde das sächsische Schulgesetz geändert und die Oberschule plus möglich.

Carmen Randhahn-Renner ist die Leiterin des Referates Bildung im Landratsamt. In der jüngsten Stadtratssitzung ging sie auf die Schülerzahlen im Stadtgebiet ein. Die Anzahl der Sechs- bis 17-Jährigen sinke ab 2024 wieder, was sich auch auf Oberschulen und Gymnasien auswirke. "Die Halsbrücker Oberschule ist an ihren Grenzen, deshalb laufen dort Baumaßnahmen. Aber die Freiberger Oberschulen haben Kapazitäten", sagte sie. Für eine Kommune bedeute das Einrichten einer Oberschule große Investitionen, denn Fachkabinette und Turnhalle seien nötig.

Welche Konsequenzen eine Zustimmung zum Schulnetzplan hat, fragte Rolf Weigand: "Wird der Stadt dadurch die Möglichkeit verwehrt, einen Oberschulstandort zu schaffen? Welche Chancen hätten wir in zwei Jahren, wenn es vielleicht Fördermittel geben wird?" Laut Randhahn-Renner geht es beim jetzigen Plan um die bestehenden Schulen in öffentlicher Trägerschaft. Für eine Oberschule könne kein öffentliches Bedürfnis festgestellt werden, weil die Schülerzahlen in den nächsten zwei, drei Jahren nicht ausreichten. Mittelfristig seien derzeit mindestens 40 Schüler pro Klassenstufe nötig. "Veränderte Voraussetzungen und neue Modelle wie die Oberschule plus werden in der künftigen Schulnetzplanung zu berücksichtigen sein", so Randhahn-Renner.

Später stimmte das Gros der Stadträte gegen den Schulnetzplan. Es gab vier Enthaltungen. Auch Bürgermeister Schreiter enthielt sich der Stimme. In der Mai-Ausgabe des Bürgerblatts liefert er dazu eine umfangreiche Begründung. Zur Ehrlichkeit eines Kommunalpolitikers gehöre auch, "keine falschen Versprechungen" zu machen. Auf Anfrage von "Freie Presse" sagte er: "Die Neueinrichtung einer Oberschule ist an bestimmte Voraussetzungen wie Mindestschülerzahl, Bereitstellung von Fördermitteln, vorhandene Lehrkräfte gebunden. Wenn diese annähernd gegeben sind, kann man sich mit dem Thema befassen." Doch derzeit reiche die Mindestschülerzahl einfach nicht aus.

Christian Schier (SPD-Grüne) votierte gegen den Plan. Nach der Sitzung sagte er: "Eine reine Oberschule ist nicht realistisch. Wir werden auf allen politischen Ebenen für die Oberschule plus kämpfen." Der neue Arbeitskreis müsse zügig Konzepte für die Umsetzung erarbeiten und öffentlich diskutieren. Letzteres sah Volker Scharf (UBV) ähnlich.

Im Kreistag soll der Schulnetzplan in diesem Jahr beschlossen werden - und Gunter Zschommler (CDU/RBV) will auch dort dagegen stimmen, "weil keine Oberschule in Großschirma vorgesehen ist". Auch er spricht sich für eine Oberschule plus aus. "Die Lehre aus der Coronakrise ist doch: Oft sind kleinere Einheiten besser."

Auch Susan Ralle (SPD/Grüne) plädierte für eine Oberschule: "Schließlich sind wir ein Bildungsland, haben gerade einen Geburtenanstieg, viele Migranten und mehr soziale Probleme, also mehr Schüler mit Förderbedarf." Ihr Vater Herbert Grahl (Lebenswerte Stadt) erinnerte daran, dass es an der früheren Mittelschule Siebenlehn beispielsweise spezielle Angebote für Kinder mit Lese- und Rechtschreibschwäche gab: "Die Lehrer hatten dafür extra Kurse belegt." Das habe sich herum gesprochen: Etwa die Hälfte der Schüler sei aus dem Raum Nossen gekommen, so der frühere Lehrer. Rolf Weigand will sich weiter für eine Oberschule in Großschirma einsetzen. Enttäuscht zeigte er sich, dass die Fraktionen den AfD-Antrag auf eine Oberschule im März zuerst begrüßt, dann aber abgelehnt hatten. "Hier fehlt mir eine klare Linie der Stadträte von UBV, SPD, CDU und Liste Seifersdorf sowie des Bürgermeisters", sagte er auf Anfrage. Dass der Schulneubau Geld kosten wird, sei für ihn ein Scheinargument. "Gleich welche Schulform kommen sollte - Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe werden nötig sein", so Weigand. Auf Landesebene ringe er um eine Schulform der Technischen Oberschule, "die als einzügige Oberschule perfekt nach Großschirma passen und ein gemeinsames Lernen bis zur 8. Klasse ermöglichen würde - mit mehr Praxisbezug."

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