Diese 30 verhandeln über Kenia

In zwei Wochen soll das gemeinsame Sondierungsergebnis vorliegen. Welche Unterhändler treffen da eigentlich aufeinander?

Dresden.

Es ist dann doch einiges anders als vor fünf Jahren. Zwar loteten auch schon 2014 Spitzenvertreter von CDU, Grünen und SPD die Chancen für ein Regierungsbündnis in Sachsen aus - allerdings nicht alle drei Parteien zusammen. Die Union war seinerzeit nur auf einen Juniorpartner angewiesen, um im Landtag die Mehrheit zu bekommen. Sie sondierte damals zuerst mit den Grünen. Erst nachdem diese in den Ergebnissen "keine ausreichende Grundlage für Koalitionsverhandlungen mit der CDU" sahen, wurde der Weg für schwarz-rote Koalitionsverhandlungen frei.

So kommt es, dass bei den Sondierungen alle drei Parteien auf Unterhändler mit Erfahrung zurückgreifen können - selbst die Grünen. Von ihren fünf Sondierern 2014 sind mit der Leipzigerin Claudia Maicher und der Dresdnerin Eva Jähnigen immerhin zwei wieder dabei.

Verhandlungsführer der Grünen sind mit Katja Meier und Wolfram Günther die beiden Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. Vor fünf Jahren war Meier noch Fraktionsmitarbeiterin, bevor sie im September 2015 für die als Umweltbürgermeisterin in die Landeshauptstadt Dresden gewechselte Jähnigen als Abgeordnete nachrückte. Günther ist schon ein Jahr länger dabei, seit Mai 2018 als Fraktionschef. Komplettiert wird die Grünen-Riege durch die beiden jetzigen Landesvorsitzenden, Christin Melcher und Norman Volger, Landesgeschäftsführer Mathias Weilandt sowie geballte Kompetenz der bisherigen Fraktion: Finanzpolitikerin Franziska Schubert, Innenpolitiker Valentin Lippmann und Energiepolitiker Gerd Lippold.

Immerhin sieben der zehn Grünen-Sondierer sitzen im neuen Landtag. Bei den Zehner-Teams von SPD und CDU sind jeweils sechs Mitglieder Landesparlamentarier. In beiden Fällen gehören die Landesvorsitzenden, die beiden Spitzenkandidaten Michael Kretschmer (CDU) und Martin Dulig (SPD), neben den Fraktionsvorsitzenden Christian Hartmann (CDU) und Dirk Panter (SPD) zu den Verhandlungsführern. Alle vier waren bereits bei den schwarz-roten Koalitionsverhandlungen 2014 dabei: Panter und Kretschmer noch als Generalsekretäre ihrer Parteien, Dulig schon damals als Landeschef, Hartmann zumindest als Sprecher der Arbeitsgruppe "Inneres, Verwaltung und Justiz".

Statt neun Arbeitsgruppen wie bei den Kenia-Sondierern gab es bei Schwarz-Rot 2014 nur sieben. Auch die damalige Koalitionsrunde war mit jeweils sechs Mitgliedern etwas kleiner dimensioniert. Auf CDU-Seite schon damals mit dabei waren Barbara Klepsch, seinerzeit noch Oberbürgermeisterin von Annaberg-Buchholz, und Christian Piwarz, damals Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion.

Wie 2014 sitzen auch jetzt die beiden Präsidenten der kommunalen Spitzenverbände für die CDU mit am Verhandlungstisch - wenngleich sich dahinter mit Bert Wendsche statt Christian Schramm beim Gemeindetag und mit Frank Vogel statt Tassilo Lenk beim Landkreistag neue Namen verbergen. Interessant: Der Radebeuler Oberbürgermeister Wendsche ist zwar CDU-Fraktionschef im Meißener Kreistag, gehört der Partei aber selbst gar nicht an.

Die besondere Bedeutung der Kommunen - deren künftige Finanzausstattung zu den landespolitischen Schwerpunkten zählen dürfte - zeigt sich auch im Personaltableau der SPD. Sie vertraut - wie schon 2014 - auf ihre Rathauschefs aus Chemnitz und Leipzig, Barbara Ludwig und Burkhard Jung. Ebenfalls schon vor fünf Jahren mit dabei waren Petra Köpping, Dagmar Neukirch, Hanka Kliese und Henning Homann.

Als Signal dürfen auch zwei andere Personalien gelten: So sitzt mit Sophie Koch die bisherige Chefin der Dresdner Jusos - die Landeschefin der SPD-Nachwuchsorganisation werden will - am Verhandlungstisch. Sie hatte bei der Landtagswahl ein Mandat verpasst. Zudem ist mit Olivier Höbel ein echter Gewerkschaftschef in der Runde vertreten.

Schon im Wahlkampf hatte die SPD gefordert, Sachsen müsse "Tarifland" werden. In einer Kenia-Koalition werde es "auf die Stimme der SPD als Partei des sozialen und gesellschaftlichen Fortschritts, Garant sozialer Gerechtigkeit und vor allem Anwalt der arbeitenden Menschen ankommen", heißt es in einem vom SPD-Vorstand am Sonntagabend gefassten Beschluss zu den Sondierungsschwerpunkten. Trotzdem war nicht jeder Genosse mit der Personalauswahl zufrieden. Ex-Landeschef Thomas Jurk wies bereits am Samstag auf Facebook darauf hin, dass kein einziger Bundestagsabgeordneter dazugehört: "Die Schuldzuweisung ist damit sehr eindeutig!"

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