Feuer in Hainichener Asylheim: Bewohner angeklagt

Eine brennende Zigarette entzündete laut der Behörde den Brand in der Asylbewerberunterkunft. Dann hinderte der Verursacher Wachleute daran, die Flammen zu löschen. Nun hofft der Bürgermeister auf ein eindeutiges Signal.

Hainichen.

Gut dreieinhalb Monate nach dem Brand in der Asylbewerberunterkunft am Ottendorfer Hang in Hainichen hat die Staatsanwaltschaft Anklage vorm Amtsgericht Chemnitz erhoben. Die Ermittler werfen dem 33-jährigen Tunesier, in dessen Zimmer der Brand entstanden war, fahrlässige Brandstiftung, fahrlässige Körperverletzung sowie Nötigung vor. Der Mann wurde bei dem Brand in der Nacht zum 10. Dezember selbst verletzt und geriet schnell ins Visier der Ermittler.

Noch im Krankenhaus ließ ihn die Staatsanwaltschaft festnehmen, wegen Fluchtgefahr kam er in Untersuchungshaft. Der Mann hatte, so erklärte damals das Landratsamt, einen Asylantrag gestellt, der allerdings abgelehnt worden war. Wie Ingrid Burghart, Sprecherin der Ermittlungsbehörde, nun mitteilte, legte der Tunesier - "entweder aufgrund seines betrunkenen Zustands oder durch Unachtsamkeit" - in der Tatnacht eine brennende Zigarette auf einen Tisch. Kurz danach schlief er ein. Während die Zigarette vom Tisch auf einen Polsterstuhl rollte, der bald darauf in Flammen stand. Vom Stuhl aus griff das Feuer auf den Bodenbelag und weiteres Mobiliar über. Als die Flammen schließlich bemerkt wurden und Wachleute den Brand löschen wollten, stemmte sich der nun wieder erwachte Mann von innen gegen die Tür. "Hierdurch konnte sich das Feuer ungehindert weiter ausbreiten", so Ingrid Burghart.

Erst als der mutmaßliche Täter auf den Balkon flüchten musste - die Rauchentwicklung war immer stärker geworden - gelang es den Wachleuten, die Zimmertür zu öffnen. Auch einer der Wachleute erlitt eine Rauchgasvergiftung und kam in ein Krankenhaus.

Der Brand führte zu einem Großeinsatz in Hainichen. 54 Feuerwehrleute aus der Stadt und allen Ortsteilen waren mit zwölf Fahrzeugen im Einsatz. Mehr als 160 Asylsuchende lebten damals in der Unterkunft. Sie alle mussten das Gebäude während der Löscharbeiten verlassen. Viele standen, teils in T-Shirts und kurzen Hosen, bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und Regen, im Freien. Den Sachschaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf 24.000 Euro. Eine Etage blieb für Tage unbewohnbar.

Der Termin für die Verhandlung steht noch nicht fest. Hainichens Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD), der in der Brandnacht selbst die Hilfe vor Ort mit koordinierte, wünscht sich jedenfalls ein starkes Signal. Er hoffe sehr, dass im Falle einer Verurteilung auch die Abschiebung folge; dass man sich damit so schwer tue, sei für ihn der Hauptgrund für nach wie vor vorhandene Unzufriedenheit in der Bevölkerung bei dem Thema. "Fleißige Leute werden dagegen abgeschoben, obwohl sie Arbeit haben und sich integrieren", beobachtet der Bürgermeister.

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