Ebay-Betrug: Bezahlte Ware kommt nie an

Mann erhält Strafe auf Bewährung wegen Betrug in zehn Fällen

Hohenstein-Ernstthal.

Vergeblich warteten die Käufer auf ihre Bestellung. Die I-Phones, die der Verkäufer aus Hohenstein-Ernstthal bei Ebay und Facebook angeboten hat, trafen nie ein. Die Kunden zahlten, sahen aber keine Ware. Jeder Geprellte hat damit 800 bis 900 Euro in den Sand gesetzt. Der Gesamtschaden, den der junge Mann im letzten Quartal 2019 angerichtet hat, beläuft sich auf 4749 Euro.

Gewerblicher Betrug in zehn Fällen warf ihm Oberstaatsanwältin Marion Hohmann vor. Die Anklägerin staunte nicht schlecht, als der junge Mann plötzlich auf der Anklagebank erschien. Denn am Morgen des Verhandlungstages am Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal traf ein Brief im Gericht ein, in dem der Angeklagte sich entschuldigte mit der Begründung, er habe in der Vorwoche Coronasymptome gehabt, sei daraufhin getestet worden und müsse vermutlich zwei Wochen in Quarantäne. Plötzlich saß er da - Test negativ. Zu den Vorwürfen wollte er sich nicht äußern. "Ich bin sehr aufgeregt", begründete der Angeklagte. Das schien Richter Manfred Weber eher zu bezweifeln angesichts des stattlichen Bundeszentralregisterauszuges. Acht einschlägige Vorstrafen zeugten eher von Erfahrungen als Angeklagter. Oder kam die Nervosität daher, dass für den Angeklagten ein Aufenthalt hinter Gittern im Raum stand? Ein Teil der Delikte hatte der Angeklagte unter laufender Bewährung begangen.

Der Hinweis auf diese Tatsache schien plötzlich die Geständigkeit zu fördern. Sämtliche Vorwürfe räumte er nun unumwunden ein. Und servierte dem Gericht auch eine Erklärung zum Motiv seiner Scheingeschäfte: "Ich hatte eine schwere Zeit." Freundin weg, Fahrerlaubnis weg, damit Job als Berufskraftfahrer weg. Die Folge: Geldnot. Mit den Handy-Geschäften besserte er sein Einkommen auf. Erst als die erste Anzeige von der Polizei eintrudelte, machte er Schluss damit.

Inzwischen habe sich sein Leben geändert, sagt er: Neue Freundin und bald schon ein neuer Job. Das berücksichtigte auch das Schöffengericht: ein Jahr und acht Monte bei drei Jahren Bewährung. Außerdem muss der Angeklagte 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, bekommt einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt und muss zur Schuldnerberatung. Das soll insbesondere sein gespaltenes Verhältnis zum Geld geraderücken. Denn auch bei Amazon hat er noch 3000 Euro Schulden.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.