Welchen Einfluss hat Corona auf die Wetterprognosen?

Ich habe im Radio gehört, es sei jetzt schwieriger, genaue Wettervorhersagen zu erstellen, weil wegen Corona kaum noch Luftverkehr stattfinde, mit dem viele Daten gewonnen würden. Welche Daten sind das denn? Und: Passiert das quasi nebenbei mit dem normalen Passagier-Luftverkehr? (Diese Fragen hat Nils Tiebel aus Freiberg gestellt.)

Mehr als fünf Millionen Messwerte speist der Deutsche Wetterdienst täglich in seine beiden Großrechner ein, zum Beispiel zu Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit. Daraus wird die Wetterprognose erstellt. Die weitaus meisten Daten liefern über 60 Satelliten im Weltall. Hinzu kommen weltweit etwa 10.000 Messstationen am Boden. Doch um eine möglichst genaue Wetterprognose zu erhalten, sind auch Messungen über den Weltmeeren und in großen Höhen erforderlich.

Solche Daten liefern Schiffe, Meeresbojen und vor allem: Flugzeuge. Denn jedes moderne Flugzeug ist auch eine fliegende Wetterstation, die permanent Wetterdaten aufnimmt und verarbeitet. Die werden automatisch an das europäische Flugzeug-Messsystem Amdar (englisch: Aircraft Meterological Data Relay) weitergeleitet und von dort den Wetterdiensten zur Verfügung gestellt. Es handelt sich hierbei vor allem um Lufttemperatur, Windstärke, Windrichtung und Luftfeuchte - stets verbunden mit Position und Höhe des Flugzeuges sowie dem Messzeitpunkt.

Messdaten von Flugzeugen steuern etwa zehn Prozent aller Wetterdaten bei. Sie sind nach den Satelliten, die 80 Prozent der Daten messen, die zweitwichtigste Quelle. Insbesondere die von ihnen über den Weltmeeren gesammelten Daten sind für die Wetterprognosen wichtig. Zudem haben Flugzeuge den Vorteil, dass sie bei Start und Landung viele Luftschichten durchfliegen und somit Daten liefern, die, von Wetterballons abgesehen, nicht anders oder nicht so genau zu erheben wären.

Bislang lieferten Flugzeuge weltweit pro Tag rund 700.000 Wetterdaten, 300.000 in Europa. Durch die Corona-Pandemie ist der Flugverkehr auf rund 15 Prozent des ursprünglichen Wertes zusammengeschrumpft. Meteorologinnen und Meteorologen fehlen deshalb diese Daten für ihre Prognosen. Geschätzt wird, dass sich die Fehleranfälligkeit der Wetterprognosen auf etwa zehn Prozent beläuft und umso stärker ins Gewicht fällt, je längerfristig diese ist. Sie hat also auf eine Fünftagesprognose eine größere Auswirkung, als auf die Wettervorhersage für morgen.

Eine noch größere Auswirkung hat der dramatische Rückgang des Flugverkehrs auf die Messung der Luftfeuchtigkeit in Deutschland und Mitteleuropa. Der Deutsche Wetterdienst hat nämlich an Bord von neun Airbussen A 321 der Lufthansa spezielle Feuchtigkeitsmessgeräte installiert, die insbesondere der Vorhersage von Gewittern dienen. Alle diese neun Maschinen fliegen derzeit nicht, sodass diese Daten ebenfalls für die Prognosen fehlen. Trotz all dieser Einschränkungen geben die Meteorologen aber Entwarnung. Die Vorhersagen seien zwar schwieriger geworden, zumindest sicherheitsrelevante Probleme - etwa bei der Vorhersage von Unwettern - seien aber nicht zu befürchten. (kaip)

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